Literaturschiff feiert dritten Geburtstag
SIERNING. Im Dezember 2020 wurde der Literaturverein „Initiative.Literaturschiff – Verein für literarische Begegnungen in Oberösterreich“ aus der Taufe gehoben. Drei erfolgreiche Jahre liegen nun hinter der Initiative. Wir haben den künstlerischen Leiter Christian Gsöllradl-Samhaber zum Gespräch gebeten, um zurückzublicken, aber auch um nach vorne zu schauen.

Tips: Vor drei Jahren wurde die Initiative Literaturschiff aus der Taufe gehoben. Wer waren die Drahtzieher hinter dieser Idee?
Gsöllradl-Samhaber: Genau, grad eben hatte die Initiative Literaturschiff den dritten Geburtstag. Unglaublich, was sich daraus entfalten konnte. Die Drahtzieher dieser Idee waren: ich, Rijalda Licina und Rene Jo. Laglstorfer sowie Michaela Penteker. Die Grundideen, wieso wir den Literatur- und Kulturverein Initiative.Literaturschiff – Verein für literarische Begegnungen in OÖ aus der Taufe gehoben haben: zum einen um neue Veranstaltungsformate vor allem am Land zu ermöglichen, dabei sollten durch Kooperationsmöglichkeiten die Bibliotheken gestärkt werden. Aber auch in Städten kreieren wir ganz neue Kultur-Ereignis-Perspektiven. So kommen aufgrund unserer Initiativen und Ideen zum Beispiel hoch angesehene Autoren in die oberösterreichischen Städte, die noch nie in OÖ zu Bühnen-Gast waren. Saša Stanišić 2024, um nur ein Beispiel zu nennen. Oder Tsitsi Dangarembga 2024, um ein weiteres Beispiel kundzutun. Darüber hinaus haben folgende Gedanken für die Gründung des Literaturschiffs eine Rolle gespielt: Es sollten schöne Begegnungsräume für die Menschen geschaffen werden. Traumhaft schön, das heute so erleben zu dürfen. Dann: Das Literaturprogramm des Literaturschiffs nimmt sich der Förderung zeitgenössischer österreichischer deutschsprachiger mehrsprachiger Autoren in Form von öffentlichen Veranstaltungen an. Das Programm verpflichtet sich thematischer wie ästhetischer Vielfalt und bedient sich mannigfaltiger Veranstaltungsformate, die nicht nur einer literaturinteressierten Öffentlichkeit ein breites Spektrum literarischen und schriftstellerischen Schaffens zugänglich machen sollen, sondern überhaupt eine breite Öffentlichkeit erreichen sollen. Das Ziel der Veranstaltungsformate besteht also darin, mehr und mehr Buch-Interessierte zu erreichen und dabei die Leserschaften zu erweitern.
Tips: Wie sieht das bisherige Resümee aus? Was waren die Highlights?
Gsöllradl-Samhaber: Zum Resümee: Fantastisch zu sehen, welche Potenziale für Veranstaltungsformate es hier in Oberösterreich gibt, die Leute zu erreichen. Wenn selbst bei Debütanten im Rahmen von Debüt-Abenden das Publikum so wunderbar da ist, wenn selbst bei ganz neuen Formaten wie einer Lyrischen Matinee am Land die Leute kommen und das sensationell schöne Ereignis aufmerksam verfolgen, dann sind genau das die Highlights. Für uns auch eine Form von Kunst, die Leute zu den Veranstaltungen zu bewegen. Zum Resümee möchte ich noch erwähnen, dass es richtig toll ist, welch tolle Persönlichkeiten, welch grandiose Menschen wir für die ganz wesentliche Förderung des Literaturschiffs gewinnen konnten. Wenn man qualitative Literatur- und Kulturräume schaffen will, dann braucht man natürlich auch dementsprechend Geld. Wir werden natürlich öffentlich – von Land und Bund (Bundesministerium – gefördert. Aber es braucht auch Mitglieder (die mittels Mitgliedsbeitrag das Literaturschiff fördern) und Unternehmer, die das Literaturschiff fördern, nur so können wir gut arbeiten. Und genau das ist der Punkt, dass wir hier so großartige Menschen – und das sind mittlerweile viele – gefunden haben, bereitet uns große Freude!
Tips: Wer erarbeitet die Quartalsprogramme?
Gsöllradl-Samhaber: Ich habe als künstlerischer Leiter die Verantwortung dafür, der Hauptteil liegt also bei mir, aber ich arbeite hier mit meiner Kollegin und Literaturschiff-Obfrau Shakeh Lennert eindrucksvoll zusammen. Sie bringt genauso famose Ideen ein, wie etwa die Ideen der Debütabende mit mehreren Debütanten, die am Anfang ihrer Schreibkarriere stehen.
Tips: Welcher Schriftsteller, welche Autorin steht ganz oben auf der Wunschliste?
Gsöllradl-Samhaber: Da gibt es wirklich viele, die ganz oben stehen. Grundsätzlich gilt für mich die Frage: Wie großartig schaffen es Autoren, die Lebensgeschichten der Menschen, die gesellschaftlichen Realitäten und viele Aspekte mehr literarisch, also fiktional – so zu verarbeiten, dass es vermittelt? Eine Autorin und einen Autor möchte ich hier nennen: Autorin Leïla Slimani gehört zu den wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Sie schreibt von den düsteren, von den obskuren Seiten der Menschen, von den Abgründen. Sie schreibt von den einfachen Frauen so, wie es sonst kaum jemand schafft, diese Bilder zu vermitteln. Darüber hinaus Navid Kermani (war erst kürzlich in Steyr im Alten Theater bei uns zu Gast, bereits zum zweiten Mal nach 2022 in Linz, aufgrund unserer Initiativen). Navid Kermani ist eine Fundgrube für Literaturliebhaber – erschreibt poetologisch, autofiktional, dokumentarisch und reportagehaft. Mit seinem vielfältigen Zugang überschreitet er alle Gattungsgrenzen! Eine ausgelassene Feier, seine Bücher zu lesen!
Tips: Literaturaffine Menschen schreiben oft auch selbst sehr gerne. Gibt es in den eigenen Reihen literarische Bestrebungen?
Gsöllradl-Samhaber: Jedes Mal, wenn ich ein Buch lese, und es vergeht kaum ein Tag ohne ein Buch in der Hand gehabt zu haben, denke ich darüber nach, wie sich meine Figuren in einem Text entwickeln könnten. Da kommen schon sehr oft spannende Gedanken hoch, die mich in der Arbeit als Literatur-Vermittler und Literatur-Veranstalter inspirieren. Aber um ehrlich zu sein, ich würde es im Moment nicht schaffen, selbst zu schreiben, es wäre von der Zeit her nicht möglich. Mein Hauptanliegen besteht darin, die öffentlichen Räume dafür zu schaffen und vor allem aufzuzeigen, wie wichtig gute Bücher und gute Literatur sind – das sind im Moment mein Denken und Tun.
Tips: Welche drei Bücher würden Sie aus einem brennenden Haus retten?
Gsöllradl-Samhaber: Ingeborg Bachmann und Max Frisch „Wir haben es nicht gut gemacht. Der Briefwechsel“, dann „Ein von Schatten begrenzter Raum“ von Emine Sevgi Özdamar, „Wie später ihre Kinder“ von Nicolas Mathieu und ein viertes muss ich hier auch noch nennen, tut mir leid „Tausend und ein Morgen“ von Ilija Trojanow. Und sonst alle Bücher, die historisch gelehrt haben und zeitgenössisch lehren. Und da gibt es natürlich viele beeindruckende Werke!


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