„Ich will, dass Steyr Industriestadt bleibt, das ist unsere DNA"
STEYR. Bürgermeister Markus Vogl (SPÖ) gibt ein klares Bekenntnis zur Westspange ab, glaubt aber, dass die Baufahrzeuge nicht vor 2030 auffahren werden.

Drei Ereignisse prägten in der Stadt Steyr das Jahr 2023. Zweimal war der Stadtteil Unterhimmel betroffen. Im Februar starben beim verheerenden Felssturz zwei Menschen. Zudem musste die einsturzgefährdete Schwarze Brücke gesperrt und aufwendig saniert werden. „Wir hoffen jetzt auf eine Freigabe der Brücke Ende Februar“, sagt Bürgermeister Markus Vogl (SPÖ), dem auch der Dammbruch im Wehrgraben noch lange in Erinnerung bleiben wird. „Positiv war, dass alle an einem Strang gezogen haben“, lobt der Stadtchef den Einsatz von Feuerwehr, Fischern und Stadtbetrieben.
Industrie im Umbruch
Den Blick nach vorne macht Vogl mit Zuversicht. Bei BMW Motoren und bei AVL im Stadtgut wurden letztes Jahr wichtige Meilensteine für Antriebe der Zukunft gesetzt. Der Automotive-Bereich soll Steyr auch künftig prägen. „Ich will, dass Steyr Industriestadt bleibt, das ist unsere DNA“, betont Vogl. Die Stadt habe schon immer für den Weltmarkt eine Rolle gespielt, das soll auch so bleiben. Um nicht zur verschlafenen Kleinstadt zu werden, müsse Steyr weiter an seiner Attraktivität arbeiten. Dazu gehört für Vogl auch der Bau der Westspange.
Projekt wird präsentiert
Die erste Grundsatzvereinbarung zwischen Land OÖ und Stadt Steyr stammt aus dem Jahr 2009, 15 Jahre später wird das Projekt nun konkret. „Wir sind in der Finalisierung mit dem Land und werden heuer ein fertiges Projekt präsentieren“, sagt Vogl über die 4,1 Kilometer lange Westspange, die rund 60 Millionen Euro kosten soll. Er sei trotz großer Proteste aus der Bevölkerung vom Projekt nach wie vor überzeugt. „Das Ziel ist, innerstädtische Freiräume zu schaffen und auch den Schwerverkehr nach draußen zu bringen“, so der Stadtchef. An einen raschen Baubeginn glaubt der 53-Jährige nicht. „Wahrscheinlich werden die Baufahrzeuge nicht vor 2030 auffahren.“
Gespräche mit ÖBB
Ein Dauerthema in Steyr ist der wenig attraktive Bahnhof und seine Umgebung. Mit den ÖBB sind die Stadtverantwortlichen laufend im Austausch. Da die Interessen auseinandergehen, gestaltet sich eine Lösung als schwierig. Von den ÖBB wird statt des bisherigen Bahnhofsgebäudes eine Verkleinerung vorgeschlagen, bestehend aus einem Warteraum und Fahrrad-Abstellplätzen. „Der Bahnhof muss optisch wieder ansprechend und attraktiv sein“, erklärt Vogl. Rund um die Verkehrsdrehscheibe wird sich einiges tun. Fix ist der Abriss des alten Postgebäudes in der Dukartstraße durch den neuen Eigentümer Leopold Födermayr. Die Fläche soll vorübergehend begrünt werden. „Damit wird der letzte große Schandfleck der Stadt verschwinden“, freut sich Vogl. Für das Projekt „The Link City“ von Architekt Michael Obermair könnte heuer der Spatenstich erfolgen.
Public Viewing
In puncto öffentlicher Verkehr wird an einem neuen Busfahrplan (ab 2025) gearbeitet. Randgebiete sollen besser angebunden werden, zudem sollen die Busse öfter auf den Stadtplatz fahren und dort für mehr Frequenz sorgen. Als Kulturstadt werde Steyr bisher deutlich unter seinem Wert geschlagen, meint Bürgermeister Vogl. Das Angebot sei riesig und mit viel Qualität bestückt. Im Mittelpunkt steht heuer das 30-Jahr-Jubiläum des Musikfestivals Steyr. Um die Attraktivität der Stadt zu zeigen, seien Veranstaltungen wie Tour of Austria (Radsport) wichtig. Außerdem soll es in diesem Sommer ein großes Public Viewing von der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland am Stadtplatz geben.


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