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„Die Männer sehen dich und denken: Ach, Mädel ...“

Online Redaktion, 31.01.2024 09:31

BAD HALL. Karin Rußmair ist Obfrau und Trainerin des Vereins Askö Budosport Bad Hall. Der Mittelschule stattete sie einen Besuch ab, um den Schülern der dritten Klassen von ihrer Leidenschaft, dem Kampfsport, zu erzählen. Ein Gespräch über Selbstverteidigung, Taekwondo und Disziplin.

Karin Rußmair mit den Schülern der MS Bad Hall. (Foto: MS Bad Hall)
photo_library Karin Rußmair mit den Schülern der MS Bad Hall. (Foto: MS Bad Hall)

Wie sind Sie zum Kampfsport gekommen und wie alt waren Sie, als Sie angefangen haben?

Karin Rußmair: Über meinen Mann, der hat zwei Jahre vor mir angefangen. Es war etwas stressig, denn ich hatte gerade mein erstes Kind bekommen. In den Kampfsport eingestiegen bin ich 1991, der Verein wurde 1992 gegründet. Heute trainieren wir dreimal wöchentlich in der Turnhalle der Volksschule Bad Hall. Davor waren wir in einem Verein in Wels. Damals war ich 23 Jahre alt.

Welche Herausforderungen hatten Sie zu meistern, als Sie am Anfang Ihrer Karriere standen?

Karin Rußmair: Die größte Herausforderung war eigentlich, das ganze so hinzubekommen, dass ich für mein Kind immer eine Betreuung habe. Dass sich die Trainings ausgehen, denn wir hatten davon vier in der Woche. Ich bin von Anfang an Richtung Turniersport gegangen, das hieß intensives Training. Und ich war sehr lange die einzige Frau.

Wie war das für Sie im Kampfsport, der ja vorwiegend von Männern ausgeübt wird, als Frau einzusteigen? Gab es Schwierigkeiten?

Karin Rußmair: Ja und nein. Schwierigkeiten hatten eher die Männer, weil die sehen dich und denken „Ach, Mädel ...“. Das ist nun mal so, wenn man als Frau in eine Männerdomäne eindringt. Und anfangs, als ich begonnen habe, war ich lange die einzige Frau. Da musste ich mir schon den Respekt erkämpfen, bis die Männer merkten: „Gut, sie ist zwar ein Mädel, aber die kann das auch“. Oft sind sie zu vorsichtig, weil sie denken, sie können einen nicht so grob anfassen. Dabei muss man wissen, der Kampfsport hat – nicht wie im Kraftsport – wenig mit Kraft zu tun, sondern mit Technik. Da ist es ganz egal, ob ein Mädel mit 47 Kilo oder ein großgewachsener Mann antritt.

Welche Zielgruppe spricht ihr Verein an?

Karin Rußmair: Schwerpunkt im Bad Haller Verein ist traditionelles Taekwondo und hier die Kinder- und Jugendarbeit. Unser Steckenpferd ist die Selbstverteidigung, also Budo Jitsu, unser eigenes System, welches Techniken aus Streetfighting, Taekwondo, Jiu Jitsu und Escrima beinhaltet. Die älteste Dame in einem Selbstverteidungskurs  war 86 Jahre alt und die Kinder in der „Fruchtzwergerlgruppe Taekwondo“ waren dreieinhalb. Kampfsport hat nichts mit dem Alter zu tun. Die Anforderung an die ganz Kleinen ist nur, dass sie eine Stunde durchhalten sollten, sodass man die Mama nicht ständig braucht. Derzeit kann man bei uns mit 8 Jahren im Taekwondo und mit 12 Jahren in Budo Jitsu beginnen.

Warum sollte man sich für Kampfsport begeistern, was ist das Besondere daran?

Karin Rußmair: Grundsätzlich sollte man überlegen, warum mache ich Kampfsport? Ist es um Selbstverteidigungstechniken zu erlernen? Oder aus anderen Gründen, will ich mich runder fühlen, will ich selbstbewusster sein, will ich Disziplin lernen, will ich verstehen, warum Respekt gut ist, will ich weniger nervös wirken. Ich mache Selbstverteidigung und Taekwondo, weil ich dadurch Ruhe gelernt habe und meinen Körper zu beherrschen.

Was bringt einem die Selbstverteidigung, wenn einem zum Beispiel die Pistole an den Kopf gehalten wird?

Karin Rußmair: Das kommt sicher sehr, sehr selten vor, da wird man vorher mit dem Messer bedroht. In der Selbstverteidigung lernst du, dich gegen jede Art von Angriffen zu wehren. Selbstverteidigung hat meistens etwas mit „Hineingehen in den Angriff“ zu tun. Im Falle der Bedrohung mit der Pistole ist das eine klare Sache, denn da habe ich den Angreifer bereits bei mir. Doch der erste Grundsatz lautet: weglaufen, wenn man in Gefahr ist. Allerdings kommt in brenzligen Situationen die Angst dazu. Deshalb muss ich die Techniken immer und immer üben. Erst wenn ich sie 10.000 Mal gemacht habe, beherrsche ich sie im Schlaf. In Budo Jitsu erlerne ich einfache, effektive Techniken zur Selbstverteidigung.

Haben Sie schon einmal im echten Leben Selbstverteidigung eingesetzt?

Karin Rußmair: Ja, ich war in einer Situation, wo ich schon Richtung nach Hause unterwegs war, zum Auto, und angegriffen wurde. Ich habe aber die Techniken nicht gebraucht, weil durch den Kampfsport bekommst du Selbstbewusstsein und strahlst das aus. Ein Täter greift sich immer ein Opfer, von dem er glaubt, das geht leicht. Er sieht schon von Weitem, die wehrt sich nicht. Angegriffen wirst du meist nur dann, wenn du diese Unsicherheit zeigst. Denn Täter suchen sich immer Schwache aus. Sicher kommt in so einer Situation die Angst dazu. Die ist ja eigentlich gut. Aber nicht so, dass die Angst einen lähmt. Es gibt zunächst die Schockphase, die dauert normal 20 Sekunden. Das ist ewig lang. Die kann man mit gutem Training runterdrücken auf zwei bis drei Sekunden.

Kann man Selbstverteidigungstechniken auch zuhause üben?

Karin Rußmair: Ja, das ist schon eine Idee, allerdings sollte dein Gegenüber über die Techniken Bescheid wissen. Wichtig ist auch, dass die Person, mit der du übst, dir nicht zu viel zumutet. Also, das kann schon sinnvoll sein, zwei, drei einfache Techniken zu üben, sodass die dann auch wirklich sitzen. Männer sind ja meistens stärker als wir Frauen, was ihnen aber nicht hilft, denn hier kommt es ja auf die Technik an.

Wie hoch ist die Verletzungsgefahr im Kampfsport?

Karin Rußmair: Die ist sehr gering, außer du machst das Gegenteil von dem, was der Trainer sagt. Sowohl in Taekwondo wie auch in Budo Jitsu kommen blaue Flecken hin und wieder vor, aber keine ernsthaften Verletzungen. Das ist beim Kickboxen zum Beispiel anders. Im Taekwondo hat man im Kampf eine gute Schutzausrüstung, welche Kopf und Körper schützt. 

Das Interview führten die Schüler der dritten Klassen der MS Bad Hall mit Unterstützung ihrer Lehrerin Susanne Sonnleitner.

 


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