Riesiger Hafen, Brexit-Folgen, Pub-Kultur und mehr: Steyrer FH-Student erzählt vom Auslandssemester in Liverpool
STEYR. Herwig Pieslinger hat schon viele Jobs gemacht. Seit 2024 studiert er an der FH Steyr.

Der 32-Jährige stammt aus der Obersteiermark, wuchs in Irdning auf und lebt mittlerweile in Weißenbach bei Liezen. Erst über Umwege kam er als Logistik-Student nach Steyr. „In der Oberstufe habe ich die Schule abgebrochen und mich anschließend für eine Lehre alsBetriebslogistikkaufmann entschieden“, erzählt Pieslinger. Nach der Lehrabschlussprüfung arbeitete er für einige Zeit als Kurier- bzw. Auslieferungsfahrer.
„Kurzzeitig war ich sogar selbstständig in der KFZ-Branche tätig“, so der Steirer, der dann wieder begann als Betriebslogistiker zu arbeiten. „Zunächst war ich etwa ein Jahr in einem Vier-Schichtbetrieb in der Holzbranche als Staplerfahrer tätig, bevor es mich aus persönlichen Gründen in ein anderes Unternehmen in der Textilbranche verschlug. Dort war ich knapp fünf Jahre als Betriebslogistiker tätig. Während dieser Zeit absolvierte ich eine Abendschule und legte auf diesem Weg meine Berufsreifeprüfung (BHS-Matura) ab.“
Herausforderung gesucht
Da er den Wunsch hatte, sich neuen Herausforderungen zu stellen, führte ihn sein Weg anschließend zu einer Anstellung in einem großen internationalen, dennoch heimischen Unternehmen in der Metallindustrie.
„Dort war ich Abteilungsleiter (Verpackung und Versand). Mir wurde klar, dass es noch sehr viel mehr zu lernen gibt. Deshalb startete ich 2024 als Student an der FH Steyr den Studienlehrgang Internationales Logistik Management.“
Schon ein Jahr später stand für Pieslinger ein Auslandssemester am Programm. Er entschied sich für Liverpool. Von September bis zum Ende des Jahres 2025 lernte er das Studentenleben in England kennen.
Riesiger Hafen
„Die ersten Wochen habe ich damit verbracht, mir einen kleinen Haushalt aufzubauen und mich in den für mich neuen britischen Alltag einzuleben. Ich habe mich für Liverpool entschieden, weil ich das Vereinigte Königreich generell wunderschön finde, britisches Englisch bevorzuge“, so der 32-Jährige.
Außerdem verfügt Liverpool über einen der größten Häfen, der für den Export eine wichtige Rolle spielt und als bedeutende logistische Drehscheibe gilt. „Daher wird dieser auch als 'Tor zum Westen' (USA/Kanada) bezeichnet. Jährlich werden dort über 30 Millionen TonnenFracht umgeschlagen, und es können seit 2016 sogar Megamax-24 Schiffe abgefertigtwerden“, weiß Pieslinger.
Die Vorlesungen an der Liverpool John Moores University (LJMU) hätten sich grundsätzlich nicht allzu stark von den Vorlesungen an der Fachhochschule Steyr unterschieden. „Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch die Anzahl der Studierenden. Hier nehmen an einer Vorlesung bis zu 200 Studenten teil. An der FH Steyr sind die Vorlesungen nach Lehrgang gegliedert, also mit etwa 30 bis 40 Studenten.“
Brexit zieht Spuren
Der Alltag an der Universität begann für ihn meist um 9 Uhr morgens. Die Vorlesungen dauerten jeweils eine Stunde, die Seminare zwei Stunden. „Pro Fach gab es pro Woche eine Vorlesung und ein Seminar. Insgesamt war ich für drei Fächer eingeschrieben. Auch wenn das anfangs nach wenig klingt, ist doch viel Eigenstudium nötig, um sich das Wissen anzueignen und die Abschlussprüfungen erfolgreich zu absolvieren“, sagt Pieslinger.
Die Unterkunft des Steyrer FH-Studenten befand sich im Zentrum von Liverpool. Einkäufe beschreibt Pieslinger als teuer. „Man findet hier in den Supermärkten oft eher qualitativ einfache Produkte. Auch den Brexit merkt man deutlich, da man nur wenige bis gar keine europäischen Lebensmittel bekommt. Für einen Wocheneinkauf braucht man schnell knapp 100 Pfund.“
Viel zu erleben
Für die Freizeitgestaltung bot der Nordwesten Englands jede Menge. „Da ist für jeden etwas dabei. Ob Fußball, Sehenswürdigkeiten, Fitness-Center oder die hier wirklich überragend gelebte Pub-Kultur“, erzählt Pieslinger. „Für mich steht auf jeden Fall fest, dass ich nicht das letzte Mal in Liverpool war.“


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