GARSTEN. 1.600 Jäger gibt es in Steyr und Steyr-Land. 400 von ihnen versammelten sich beim Bezirksjägertag im Mehrzwecksaal Garsten.

In der Region gibt es mit Rot-, Reh-, Gams-, Muffel- und Schwarzwild fünf Schalenwildarten: „Das macht die Jagd herausfordernd, aber auch interessant“, betont Bezirksjägermeister Rudolf Kern, der die genauen Abschusszahlen des Jagdjahres 2025/26 präsentierte.
Als zuständige Behörde ist die Bezirkshauptmannschaft darauf bedacht, einen Ausgleich der Interessen von Landwirtschaft und Jägerschaft zu schaffen. „Beim Rotwild wurde der Abschussplan mit 108 Prozent übererfüllt, beim Rehwild gab es mit 101 Prozent nahezu eine Punktlandung und beim Gamswild im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Rückgang von 95 auf 85 Prozent“, erklärte Bezirkshauptfrau Barbara Spöck.
Die Jägerschaft komme damit ihrem gesetzlichen Auftrag nach und leiste einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Ökosysteme. Spöck sprach der Jägerschaft einen großen Dank für die umsichtige Betreuung der Jagdreviere unter Wahrung des Natur- und Tierschutzes sowie den vorsichtigen Umgang mit Waffen aus: „Beispiele aus anderen Bezirken zeigen, dass es da mitunter Schwierigkeiten geben kann“, so die Bezirkshauptfrau.
„Im gleichen Boot“
Als Bezirksbauernkammer-Obfrau kennt Regina Aspalter die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft. In ihrer Ansprache unterstrich sie die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Bauern- und Jägerschaft: „Landwirte und Jäger sitzen im gleichen Boot, auch wenn es da und dort Konflikte geben kann.“
Die ÖVP-Landtagsabgeordnete erinnerte an die Bedeutung der Jagd für die Balance zwischen Wildbestand und Waldökologie und appellierte an die anwesenden Jäger: „Wir brauchen euch, denn nur mit eurer Hilfe ist es möglich das Gleichgewicht in der Naturlandschaft herzustellen.“
Reichlich Nachwuchs
Im vergangenen Jahr haben 47 Jungjäger die Jagdprüfung erfolgreich abgelegt. Dass das Interesse an der Jagd weiterhin ungebrochen ist, zeigen auch die hohen Teilnehmerzahlen bei den heurigen Jagdkursen in den beiden Bezirken.
Ende April werden wieder mehr als 50 Personen zur Jagdprüfung, die im Volksmund auch „Grüne Matura“ genannt wird, antreten. „Es ist wichtig die Jungjäger nach der theoretischen Prüfung ordentlich in die Praxis einzuführen. Das jagdliche Handwerk ist von großer Bedeutung“, sagt Bezirksjägermeister Kern.
Als Landesobmann der Jagdhornbläser ist es für Kern auch eine besondere Freude, dass es in Steyr-Land 16 Jagdhornbläsergruppen gibt – so viele wie in keinem anderen Bezirk: „Mein Herz schlägt für das jagdliche Brauchtum.“
„Kultur des Landes“
Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) betonte in seiner Ansprache, dass die Jagd zum Kulturgut des Landes gehöre: „Die Jäger sorgen für einen Ausgleich in der Natur und übernehmen damit Verantwortung für die Gesellschaft.“
Diese Tätigkeit brauche aber auch ein Regelwerk. „Das OÖ. Jagdgesetz, welches vor zwei Jahren in Kraft getreten ist, ist ein Musterbeispiel dafür, wie man miteinander etwas schaffen kann, auch wenn es unterschiedliche Interessen in einer Gesellschaft gibt.“
Technik in der Jagd
Ein zentrales Thema seiner Rede widmete Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner den rasanten technischen Entwicklungen und deren möglichen Auswirkungen auf die Jagd
„Moderne Technik hat die Jagd immer begleitet, doch noch nie war die Gefahr so groß, dass dadurch die Werte und das Wesen der Jagd grundlegend verändert werden“, betonte Sieghartsleitner.
Wenn technische Systeme und künstliche Intelligenz dazu führen, dass dem Wildtier praktisch keine Chance mehr bleibe, gehe ein wesentlicher Grundsatz der Jagd verloren. Nur wenn das Wild die Möglichkeit habe, menschliche Fehler auszunutzen, bleibe Jagd ein verantwortungsvolles Handwerk.
Eigenverantwortung
Andernfalls drohe eine Entwicklung, in der Jäger zu „perfektionierten Wildtötern“ würden, warnte der Landesjägermeister: „Dann wären wir vielleicht optimierte Dienstleister – aber keine Jäger mehr.“
Gerade deshalb appellierte der Landesjägermeister an die Eigenverantwortung der Jägerschaft. „Technik ist immer Fluch und Segen zugleich. Nützen wir den Segen – aber verweigern wir den Fluch. Denn die Jagd, die wir so lieben, soll auch in Zukunft bestehen - als lebendige Tradition und als Ausdruck unserer Verbundenheit mit der Natur“, so Sieghartsleitner.


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