Fünf neue Stolpersteine für Steyr
STEYR. Die Initiative „Stolpersteine für Steyr“ widmet sich dem Gedenken an Menschen aus Steyr, die während des NS-Regimes verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden.

Darunter Juden, Sinti und Roma, T4-Opfer, Homosexuelle, Widerstandskämpfer und andere Verfolgte.
Seit 1996 wurden in Europa rund 116.000 Stolpersteine in mehr als 1.860 Kommunen und 31 Ländern verlegt.
Auch in Steyr erinnern seit 2023 insgesamt 26 Stolpersteine des deutschen Künstlers Gunter Demnig an vertriebene und ermordete Juden sowie an T4-Opfer.
Gedenkfeier am 21. September
Für Holocaustopfer werden am Montag, 21. September, fünf weitere Stolpersteine im Rahmen einer Gedenkfeier verlegt. Start der Veranstaltung ist um 14 Uhr beim Haus Enge Gasse 18 in der Altstadt.
Der erste Stolperstein erinnert an Marie Garde (Jahrgang 1896), die mit ihrer Familie in Steyr lebte und als Modistin arbeitete. Nach ihrer Vertreibung und Enteignung 1938 floh die Familie nach Krakau. Dort, im Krakauer Ghetto, wurden Jakob Garde und die Kinder Hugo, Walter und Renée 1942 ermordet. Marie überlebte das Ghetto und mehrere Konzentrationslager und wurde 1945 in Theresienstadt befreit. Für ihre Familie wurden bereits 2023 vier Stolpersteine verlegt.
Flucht nach Ungarn
Zwei weitere Stolpersteine (Sierninger Straße 80) werden für Rosa Eisler (geb. Metzl) und ihre Tochter Margarete Füreder (geb. Eisler) verlegt. Rosa Metzl wurde 1893 in Steyr geboren, Tochter Margarete Eisler wurde 1919 ebenso in Steyr geboren.
Vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten flüchteten beide mit Hilfe von Franz Füreder 1941 nach Ungarn, wo sie jedoch auch zeitweise in Lagern untergebracht wurden.
1943 kam in Ungarn Margaretes erste Tochter Alice zur Welt. Rosa wurde 1944 nach Auschwitz deportiert – Margarete überlebte mit ihrer kleinen Familie in Ungarn. Nach Kriegsende kehrte Margarete mit Franz und ihrer Tochter Alice nach Steyr zurück, wo Margaretes zweite Tochter Edith als erstes jüdisches Kind nach 1945 in Steyr geboren wurde. 1949 wanderte die Familie über Israel nach Kanada aus.
Berufsverbot
Zwei Stolpersteine (Schlüsselhofgasse 19) werden für Julius Stössl (Jahrgang 1887) und seine Frau Hedwig, geb. Pollak (Jahrgang 1896), verlegt. Julius Stössl war Rechtsanwalt, Hedwig Pharmazeutin. Die Ausübung ihres Berufs war dem Ehepaar in Folge des „Anschlusses“ nicht mehr möglich.
Die Familie bemühte sich um Auswanderung, die sich verzögerte. Das Haus wurde „arisiert“, die Familie musste nach Wien übersiedeln. Den beiden Kindern Albert und Gertrud gelang die Flucht nach Kanada.
Die Eltern wurden jedoch von Wien nach „Theresienstadt“ deportiert. Julius Stössl wurde 1944 nach Auschwitz überstellt und ermordet. Seine Frau Hedwig überlebte und emigrierte nach Kalifornien.
Zurück im Alltag
Stolpersteine machen sichtbar, dass an diesen Orten einst Nachbarn lebten – Menschen, deren Leben durch die NS-Verfolgung zerstört wurde. Ihre Namen und Geschichten kehren so in den Alltag der Stadt zurück und erinnern an das begangene Unrecht.
Weitere Infos: www.steyrerstolpersteine.at








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden