Den Blickwinkel erweitern
STEYR. Eine sehr spezielle Fortbildungsart ist die ProChallenge, die heuer bereits zum dritten Mal in Steyr stattfand.

Junge Mitarbeiter verschiedener Betriebe, die jeweils erst relativ kurz ihre Lehre abgeschlossen haben, erhalten die Chance, bei diesem über das ganze Jahr andauernden Lehrgang tageweise aus ihrem Arbeitsalltag auszusteigen und gemeinsam über den Tellerrand der eigenen Tätigkeit, des Arbeitsumfelds und des Unternehmens hinauszusehen. Aber auch, um einander kennenzulernen und in andere Betriebe der Region Einblick zu erhalten. Die finale Aufgabe, eine mehrtägige Wanderung durchs Hintergebirge inklusive eigenem Camp bauen und draußen schlafen, wurde auch heuer mit Bravour gemeistert - alle Teilnehmer haben erfolgreich bestanden und gehen gestärkt, motiviert und mit erweitertem Horizont in ihren Arbeitsalltag retour.
Verantwortung übernehmen
Mitte November fand in der Tischlerei Hackl die Verleihung der Lehrgangszertifikate der ProChallenge 2022 statt. Für die anwesenden Teilnehmer, Unternehmensvertreter und Gratulanten wurde an dem interaktiv gestalteten Abend erlebbar, welche Herausforderungen in den Modulen zuvor erfolgreich gemeistert wurden. Lehrgangsleiter Martin Krejcarek forderte alle heraus, Aufgaben zu lösen, die an Inhalte und Themen der Lehrgangsmodule angelehnt waren. Es galt, sich selbst zu reflektieren, Erkenntnisse über das Zusammenspiel mit den Menschen im kleineren sowie größeren Team zu erhalten und zu beobachten, welche allgemeinen Einflüsse von außen wirken. Ziel dabei sollte sein, die eigenen Perspektiven zu erweitern und mehr Verantwortung zu übernehmen, dem eigenen Arbeitsbereich einen anderen Stellenwert zukommen zu lassen – wie bei der ProChallenge.
Sechs Module
Eine Veränderung bei den Menschen, die alle Module der ProChallenge durchlaufen haben, ist spürbar, für sie selbst, für die Lehrgangstrainer und für die Verantwortlichen in den Unternehmen. „Ich freue mich, wenn ich Menschen da hinschicke und erlebe, wie sie sich weiterentwickeln“, sagt Gastgeber Franz Hackl. Die ProChallenge wurde 2019 vom Netzwerk Zukunftsregion Steyr (damals noch Smart Innovation Steyr) mit der Design Thinking Methode entwickelt und als überbetrieblicher Lehrgang in sechs Modulen konzipiert.
Sicht von außen
Den jungen Menschen werden Soft Skills wie Kommunikation, Führungsfähigkeiten, Offenheit für Innovation und unternehmerisches Denken vermittelt. Im diesjährigen Lehrgang hatten Teilnehmer der Unternehmen Burg Design, Elektro Kammerhofer, Tischlerei Hackl, Riegler Metallbau, Weber Hydraulik und ZF Steyr die Chance, ihre Fähigkeiten zu erweitern, aus dem Alltagsbetrieb auszusteigen und einen größeren Blickwinkel zu bekommen. Der Challengeleiter Martin Krejcarek berichtete, dass es mit einer Außensicht besser möglich wird, Spannungen zwischen Abteilungen beurteilen zu können, Bilder von sich selbst und der Umwelt zu reflektieren und fassbarer zu machen.
Neue Ideen
Im Modul „Kommunikation“ wurden die Teilnehmer von der Trainerin Elisabeth Ziegelmeyer als sehr wissbegierige Gruppe erlebt. Die begeisterte Trainerin erzählte, dass alle neue Ideen geliefert bekommen wollten, um mit Konflikten und Herausforderungen besser umzugehen und sehr offen waren, verschiedene Methoden auszutesten. Sie war beeindruckt, wie die Jungen mitgearbeitet und authentisch kommuniziert haben.
Herausforderungen meistern
Spannend war auch der „Hubschrauber Tag“, ein Modul, bei dem reflektiert wurde, was aktuell passiert in der Umgebung und in der Welt und wie man am besten damit umgeht, wie man sich selbst und als Team sowie Unternehmen in der Welt verortet und welche Haltung angemessen erscheint. Diese interessanten Fragestellungen können auch im Arbeitsalltag sehr nützlich sein und ihre Beantwortung zeigt Unterschiede. Jedes Unternehmen, jedes Team hat eine eigene Struktur und eigene Handlungsweisen, um mit Herausforderungen umzugehen.
Ausstieg aus dem Alltag
An den anderen Lehrgangstagen wurde gelernt wie Projektmanagement funktioniert, welche Rolle Planung spielt, wo Faktoren kalkuliert werden können und wann man sich auf neue Gegebenheiten einstellen muss und spontan handlungsfähig sein sollte. Eine Fähigkeit, die bei der Abschlusschallenge durchs Hintergebirge eine wichtige Rolle gespielt hat. Hier wurden alle erlernten Komponenten miteinander verbunden und die Challenger aufs Neue herausgefordert. Von Martin Krejcarek und Günther Wick begleitet galt es, diverse Hindernisse ohne Verletzungen zu überwinden, selbständig den Weg zu finden, ein Nachtlager selbst zu bauen und den Lebensmittelvorrat optimal zu planen, einzuteilen und natürlich auch zu verarbeiten. Am Schluss waren alle Teilnehmer erschöpft, freuten sich auf eine Dusche und das Frühstück und waren dankbar, dass sie es geschafft und gemacht haben. Gelernt haben wohl alle etwas dabei, denn Expeditionen und ein Ausstieg aus dem Alltag schärft die eigenen Sinne, Gegensätze werden wahrnehmbar.
Nächste Runde
„Die Dynamik der Gruppe, ihre Begeisterung und der Stolz über das Erlebte ist nach jeder Challenge spürbar“, sagt Zukunftsregionschefin Daniela bei der Zertifkatsverleihung und ergänzt: „Wir freuen uns schon total auf die nächste Challenge und sind gespannt auf die Teilnehmer, die von den Unternehmen nominiert werden. Es ist immer eine besondere Wertschätzung, wenn Mitarbeiter dafür ausgewählt werden.“ Neue Unternehmen können sich gerne bewerben, noch dabei zu sein, Infos unter zukunftsregion@tic-steyr.at


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