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Fahrende und tanzende Mini-Roboter: Ozobots sollen Steyrer Schüler mit Technik und Informatik vertraut machen

Marlis Schlatte, 29.02.2024 10:37

STEYR/LINZ. Kindern schon ab der Volksschule die Welt der Technik und Informatik näherzubringen und Berührungsängste so früh wie möglich zu dämpfen - darauf zielt das Projekt ab, welches die Stadt Steyr gemeinsam mit dem Linzer Unternehmen Dynatrace und der Johannes Kepler Universität umsetzen konnte. Mini-Roboter sollen dabei die Experimentierfreude und das Interesse von Kindern für „Mint“-Fächer fördern.

  1 / 4   Dynatrace-Wissenschaftlerin Sara Hinterplattner testet mit Schülern der Steyrer Volksschule und Mittelschule Punzerstraße die Ozobots. (Foto: Magistrat Steyr)

Die kleinen Roboter namens Ozobots sind nur 2,5 Zentimeter groß, haben aber einiges drauf. Forscher der JKU und der Firma Dynatrace testeten diese und erprobten den vielfältigen Einsatz der Oszobots. Für jede der 16 Steyrer Pflichtschulen kaufte die Stadt nun zwei Zwölfersets solcher Ozobots an, um diese im Schulunterricht einsetzen zu können.

Denn auch an Schulen brauche es neue Ausbildungskonzepte im Informatik-Bereich so der Steyrer Bürgermeister Markus Vogl (SP): „Die digitale Kompetenz entwickelt sich neben Lesen, Rechnen und Schreiben zur vierten Kulturtechnik. In der Industriestadt Steyr setzen wir darauf, schon Kinder für den MINT-Bereich zu begeistern und damit auch langfristig Fachkräfte für die Bereiche Technik und Informatik zu gewinnen.“

Von der Volksschule bis zum Poly

Ozobots würden einen idealen Einstieg für Schüler in die Welt der digitalen Medien und des Programmierens darstellen, da sie leicht zu bedienen sind und dem Alter der Kinder angepasst werden können. Unterschiedliche Zusammenhänge in der Informatik, welche später in verschiedenen Bereichen von Nutzen sein können, werden so schon von klein auf spielerisch vermittelt.

Eine Besonderheit dieses Projekts stellt die flächendeckende Einsetzbarkeit der kleinen Roboter dar, ist auch Vizebürgermeisterin Anna-Maria Demmelmayr, Initiatorin des Projekts, überzeugt: „Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es alle Kinder in öffentlichen Steyrer Pflichtschulen – von der Volksschule bis ins Poly, also von der ersten bis zur neunten Schulstufe – erreicht. Eine eigene Ausbildungsschiene für Lehrer:innen und wissenschaftliche Begleitung sichern ein hohes Niveau und optimalen Einsatz der Roboter im Unterricht.“

Einsatz in verschiedenen Unterrichtsfächern

Entsprechende Workshops für Pädagogen, organisiert vom „Cool Lab“ der JKU in Zusammenarbeit mit der Firma Dynatrace und der Bildungsdirektion Oberösterreich, sollen nun im März starten, der erste Einsatz der Ozobots soll dann im April folgen. Dabei können die kleinen Roboter in allen Schulfächern Verwendung finden.

Die Geräte bewegen sich entlang gezeichneter Farbstriche und folgen gewissen Kommandos. So können einfache Wege gemalt werden, denen die Roboter folgen oder etwa sogar ein „Tanz“ einstudiert bzw. programmiert werden. Im Sprachenunterricht können mit den Oszobots zum Beispiel Weg-Beschreibungen geübt werden.

„Mit Ozobots können Kinder spielerisch und kreativ den MINT-Bereich erkunden. So können wir Kinder ansprechen, die sich sonst nicht für Technik und Informatik interessieren würden“, sagt Demmelmayr.

Neuland erkunden

Zwei Jahre lang wurde intensiv Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Neurodidaktik, Gender Studies und Talententwicklung betrieben. Geleitet wurde diese Arbeit von Dynatrace-Wissenschaftlerin Sara Hinterplattner und Barbara Sabitzer von der JKU.

Mit dem Pilotprojekt betrete man Neuland, es sei gleichzeitig aber auch eine Expedition, so Dynatrace-Mitgründerin Sok-Kheng Taing: „Tatsächlich begeben wir uns in ein zum Teil noch unerschlossenes pädagogisches Spezialgebiet. Wir wollen nicht nur dem digitalen Unterricht einen wichtigen Impuls geben. Wir wollen auch über das Lernen lernen! Wir sind überzeugt, dass Nachwuchsförderung eine Schlüsselinvestition für Gesellschaft und Zukunft ist. Deshalb ist das Ozobots-Pilotprojekt ein wichtiger Teil unseres umfassenden Programmes, das darauf abzielt, mehr Kinder und Jugendliche für naturwissenschaftliche Fächer zu begeistern.“

Ziel sei, dass auch andere Städte, Gemeinden und Schulen künftig an dem Projekt teilnehmen.

Erhoffter Erfolg wird sich an Lehrlingszahlen zeigen

Weil die Projektinitiatoren der Stadt Steyr die Dynatrace-Wissenschaftlerin Sara Hinterplattner schon von ihren vielen Tätigkeiten in der MINT-Nachwuchsförderung kannten, haben sie mit ihr bereits vor rund sieben Monaten erste Sondierungsgespräche geführt. „Ihre Idee, Roboter im Unterricht einzusetzen und wissenschaftlich zu begleiten, ist dann auch im JKU Cool Lab-Team auf sehr fruchtbaren Boden gefallen und fortan mit großem Engagement vorangetrieben worden“, betont Barbara Sabitzer, die schon Hinterplattners Dissertation begleitete. „Das Projekt hat eine Tiefe und Dimension, die man sich als Wissenschaftlerin wünscht. Wir freuen uns auf eine sehr intensive Zusammenarbeit zwischen den Pädagog:innen an den Steyrer Schulen, Dynatrace und der Johannes Kepler Universität.

Man sei gespannt auf die Ergebnisse der Langzeitforschung, etwa, ob in den Schulen durch den frühen und fächerübergreifenden Einsatz der Ozobots das Interesse an technischen und naturwissenschaftlichen Fächern steigt. „Das wird sich in ein paar Jahren an den Lehrlingszahlen in technischen Berufen und den Anmeldezahlen an technischen Lehranstalten, Fachhochschulen und Universitäten messen lassen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Bildungsforschung, der wegweisend für zukünftige Ausbildungskonzepte sein könnte“, betont Sabitzer.


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