Leserbrief: Um 5 nach 12 wird in OÖ noch nach Gas gebohrt
STEYR. Dass es bezüglich Klima bereits 5 nach 12 ist, zeigen die Temperaturen, meint Sabina Kieninger.

Gerade kürzlich gab es wieder einen traurigen Rekord: Der Februar 2024 war der wärmste seit Beginn der Temperaturmessung. Viele Leute sind sehr besorgt, ob die Klimaziele noch erreicht werden können und die Lebenswelt unser Enkelkinder noch lebenswert sein wird, wenn sie erwachsen sind.
Anstatt eine konsequente Klimapolitik zu verfolgen, unterstützt unsere Landesregierung fossile Gasprojekte. Eines davon wird in Molln von der börsennotierten Firma ADX betrieben, die ihren Aktionären große Erfolgsstorys erzählt. Uns hingegen erzählt man, dass wir dieses Gas brauchen, um aus dem Russlandvertrag aussteigen zu können. Mittlerweile ist klar, dass es ganz andere Gründe dafür gibt, dass Österreich noch immer an dem Vertrag festhält.
ADX scheint sich nicht dazu verpflichtet zu sehen, in Österreich gefördertes Gas für Österreich bereitzustellen. Alan Reingruber von ADX sagt „Es gibt einen freien Markt“ (Falter Nr. 9; Seite 53). Das Gas wird voraussichtlich - in welchem Land auch immer - beim Bestbieter landen.
Man fragt sich zunehmends: Was ist eigentlich die Aufgabe unseres Naturschutz-Landesrats Manfred Haimbuchner? Wofür setzt er seine politische Macht ein? Für den Naturschutz wohl nicht. Gerade jetzt wird in Molln ein Naturjuwel unwiederbringlich zerstört. Es ist für mich und für immer mehr Menschen schockierend und inakzeptabel, wie über unsere Ressourcen darübergefahren wird und Naturräume zerstört werden, weil unsere Landesregierung derartige Projekte durchwinkt.
von Sabina Kieninger, Steyr


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07.03.2024 15:58
Erdgas wird noch Jahrzehnte benötigt
Die Leserbriefschreiberin Sabina Kieninger ist Psychotherapeutin in Steyr und damit bestimmt bestens geeignet und kompetent, sich über die "fehlgeleitete" Energiepolitik in Österreich zu äußern. Sie schreibt es ist 5 nach 12 und begründet dies mit dem globalen Temperaturanstieg. Sie wünscht sich "konsequente Klimapolitik" und wirft der OÖ Landesregierung vor, fossile Gasprojekte zu fördern - unwissend oder verschweigend, dass Österreich aktuell nahezu zwei Drittel seines Energieverbrauchs in Form von Öl, Erdgas und Kohle importiert (!) und die erneuerbaren Energien (Wind, Solar, Wasser) selbst bei optimistischster Prognose bis 2040 kaum 15% des Energiebedarfs decken werden. Ihr Kirchturmdenken geht soweit, dass Sie lieber den Standort Oberösterreich und den Wohlstand seiner Bevölkerung aufs Spiel setzen würde anstatt die Förderung von Erdgas zu erlauben, die genau jene (Energie-) Sicherheit für Industrie und Haushalte liefert, die wir dringend brauchen, um steigende Energiepreise und damit soziale Unruhen zu vermeiden. Wer in seiner warmen Stube sitzt und alles besser weiß, sollte mal hinausgehen und die Wirtschafts- und Energieexperten fragen, was die Gründe für die hohe Inflation und Teuerung sind und wie wir zukünftig - am besten unabhängig vom Ausland - unseren Energiebedarf decken. Erdgas ist laut EU nicht nur eine "Brückentechnologie" auf dem Weg zur Klimaneutralität, sondern in der Gesamtklimabilanz (Förderung, Produktion, Lieferung, Verbrauch) einer der effizientesten Energieträger, den wir heute weltweit zur Verfügung haben, und das noch für Jahrzehnte. Wenn dieser Rohstoff noch dazu in Österreich reichlich vorhanden ist und zu vernünftigen Preisen gefördert und verbraucht werden kann, dann spricht überhaupt nichts gegen seine Ausbeutung, denn die Auswirkungen auf Natur und Umwelt sind vernachlässigenswert. Wilfried Seywald, Sprecher für ADX Energy