Warum es in Steyr so viele Sozialhilfe-Bezieher gibt
STEYR. Der Anteil von Beziehern von Sozialhilfe ist in Steyr im Oberösterreich-Vergleich besonders hoch.

Warum das so ist, beleuchtet eine Studie von prospect Research & Solution im Auftrag des Sozialressorts der Stadt Steyr.
Entscheidend dürfte demnach sein, dass mehr Bezugsberechtigte die Sozialhilfe auch tatsächlich in Anspruch nehmen, weil sie in Steyr gut beraten und rasch serviciert werden.
„Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt in Steyr bei 11,23 Tagen“, sagt SPÖ-Vizebürgermeister und Sozialreferent Michael Schodermayr. „Die Studie kommt zum erfreulichen Ergebnis, dass wir in Steyr jene Menschen, die Hilfe brauchen, auch tatsächlich erreichen.“
Mehr Österreicher
Zwischen den Städten gibt es auffällige Unterschiede beim Sozialhilfebezug. Der Anteil der Österreicher liegt deutlich über dem Landeswert und den Vergleichswerten von Linz und Wels, jener von Asylberechtigten deutlich darunter. Die Bezugsdauer ist in Steyr länger.
Der Anteil der Sozialhilfebeziehenden, die ihre Existenz ausschließlich durch Sozialhilfeleistungen decken, liegt in Steyr mit 17,1 Prozent deutlich unter den Vergleichswerten. Das bedeutet, dass der Anteil jener, die Sozialhilfe zusätzlich zu AMS-Leistungen oder zum Arbeitseinkommen beziehen, in Steyr höher ist.
Kein stärkeres Armutsrisikoprofil
Ein Teil der Erklärung für diese Unterschiede ist die spezifische Struktur des Steyrer Arbeitsmarktes. Einer wirtschaftlich starken Region steht eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit mit einem höheren Anteil Langzeitbeschäftigungsloser gegenüber.
Die Erwerbsquote ist niedriger als in Wels und Linz. Die starke industrielle Prägung des Standorts, der rasche Wandel industrieller Tätigkeitsprofile sowie der Rückgang von Anlerntätigkeiten verschlechtert insbesondere für ältere Personen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und für geringer qualifizierte Arbeitskräfte die Wiedereinstiegschancen nach Arbeitsplatzverlust.
Die Arbeitskräfteüberlassung spielt eine große Rolle. Eine Analyse der soziostrukturellen Merkmale zeigt aber für Steyr-Stadt kein durchgehend stärker ausgeprägtes Armutsrisikoprofil gegenüber Linz-Stadt und Wels-Stadt.
Einfacher Zugang
Ein wesentlicher Teil der Erklärung dürfte demnach die höhere Take-Up-Rate sein, also jener Anteil der Berechtigten, die tatsächlich Sozialhilfe beziehen.
Ob eine Leistung tatsächlich in Anspruch genommen wird, wird laut Studie durch ein Zusammenspiel von Leistungsdesign, administrativer Praxis, Informationsstand, subjektiven Hemmschwellen sowie der konkreten Lebenslage der Anspruchsberechtigten beeinflusst.
Nicht nur die gesetzlichen Voraussetzungen, sondern auch die konkrete behördliche Umsetzung haben einen wesentlichen Einfluss auf die Inanspruchnahme.
Die konkrete Verwaltungspraxis kann damit Einfluss darauf nehmen, ob der Zugang zur Leistung erleichtert oder mühsam und schwierig wird.
Auch die Wartezeit spielt eine Rolle. Bei einer Analyse der Verwaltungspraxis in den drei Städten kommt heraus, dass die Bearbeitungsdauer in Steyr mit 11,23 Tagen deutlich unter jener von Linz (28,09 Tage) und jener von Wels (37,08 Tage) liegt.
Weitervermittlung funktioniert
In Steyr werden Menschen laut Studie mit ihren spezifischen Problemen beraten und weitervermittelt, während in anderen Städten stärker auf Bewerbungsdokumentation geachtet wird.
Es entsteht das Bild eines vergleichsweise gut abgestimmten Unterstützungssystems. Zugleich wird für Steyr-Stadt betont, dass die höhere Inanspruchnahme von Sozialhilfe nicht mit einer weniger strengen Vollzugspraxis erklärt werden könne.
Vor diesem Hintergrund könne laut Magistrat die These formuliert werden, dass Steyr-Stadt mit einem Anteil von 2,64 Prozent Sozialhilfe-Beziehender an der Wohnbevölkerung einen Großteil der ansässigen materiell und sozial erheblich benachteiligten Personen erreicht.
In Steyr-Stadt ist der Anteil Leistungsbeziehender, die ausschließlich auf Sozialhilfe angewiesen sind, im Vergleich zu den zwei anderen Städten niedriger, der Anteil derer, die Sozialhilfeleistungen als Ergänzung zu Erwerbseinkommen oder anderen (Transfer)Leistungen beziehen, jedoch höher.
Dies deute darauf hin, dass in Steyr-Stadt vermehrt auch Personen Sozialhilfe-Leistungen beantragen, die geringere monatliche Leistungen zu erwarten haben, weil die Verwaltung bürgerfreundlich arbeitet.


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