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Wenn die Bäuerin ausfällt: Klara Längauer im Einsatz als Dorfhelferin

Online Redaktion, 03.05.2018 12:15

TEXINGTAL. Zu über 500 Einsätzen wurden Niederösterreichs Dorfhelferinnen im vergangenen Jahr angefordert – das ist neuer Rekord. Sie werden immer dann gerufen, wenn Not an der Bäuerin ist. Ein Fernsehteam hat die Dorfhelferin Klara Längauer bei ihrem Dienst auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Texingtal begleitet. Ausgestrahlt wurde die Reportage vergangenene Woche im Privatfernsehen (ATV). Tips hat mit der jungen Dorfhelferin über den Dreh und ihren Beruf gesprochen.

Klara Längauer
Klara Längauer

„Es war wirklich spannend. Nervös war ich natürlich auch“, berichtet Klara Längauer über den Drehtag. Sie ist seit zehn Jahren als Dorfhelferin in Niederösterreich unterwegs. Fällt die betriebsführende Bäuerin aufgrund von Krankheit, Schwangerschaft, Unfall, Kuraufenthalt oder Ähnlichem aus, können landwirtschaftliche Betriebe beim Land Niederösterreich einen Dorfhelferinneneinsatz beantragen. Österreichweit ist diese Form der Organisation einzigartig. In Niederösterreich sind Dorfhelerinnen Landesbedienstete. In den übrigen Bundesländern werden Dorfhelferinnen von Vereinen oder anderen Institutionen ausgesandt.

Einmalige Chance

Klara Längauer ereilte der Ruf vergangenen September aus Weißenbach (Gemeinde Texingtal). Dort hatte eine Landwirtin mit einer Sehnenscheidenentzündung zu kämpfen. Damit der Betrieb trotzdem am Laufen gehalten werden konnte, wurde eine Dorfhelferin angefordert – Klara Längauer kam. ATV begleitete sie bei ihrem Einsatz. „Es wurde sechs Stunden gedreht – angefühlt hat es sich aber wie ein Zwölf-Stunden-Tag“, erzählt die junge Dorfhelferin lachend, die bereits über 100 Einsätze hinter sich hat. „Die Produktionsfirma hat bei unserem Büro (Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Landwirtschaftsförderung, Anm. der Redaktion) angefragt. Ich habe mir gedacht, ich bin jetzt mutig und sage „ja“, denn so eine Chance werde ich nicht wieder bekommen“, erzählt die 35-Jährige über das Zustandekommen ihrer Teilnahme am Reportagendreh. Ihre Ausbildung zur Dorfhelferin hat sie vor zehn Jahren an der landwirtschaftlichen Fachschule in Tullnerbach gemacht. Heute wird die Ausbildung an der landwirtschaftlichen Fachschule Gießhübl angeboten. Sie dauert neun Monate und ist reich an Praxiswochen. „Wir haben derzeit 33 Dorfhelferinnen in Niederösterreich“, weiß Einsatzleiterin Monika Schadenhofer vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Die Zahl der Dorfhelferinnen sei seit vielen Jahren in etwa gleichbleibend. Nachwuchsprobleme gebe es keine, lässt die Einsatzleiterin wissen.

Eine Berufung

Seit dem Jahr 1966 gibt es diesen Beruf in Niederösterreich. Männlichen Dorfhelfer gibt es keinen, obgleich Männern die Türen offen stehen würden. „Wir hatten bisher nur einen Mann, der die Ausbildug gemacht hat, dann aber nicht als Dorfhelfer tätig wurde“, erzählt Schadenhofer. Das Aufgabenfeld von Dorfhelfern ist vielfältig: Führung des Haushaltes, Betreuung der Familienangehörigen, Mithilfe bei Erntearbeiten, Gartenarbeiten und anderen Arbeiten am landwirtschaftlichen Betrieb. Die Verbindung von Heim- und Betriebshilfe kennzeichnet das Berufsbild dieses sozialen Dienstes. Die Fernsehreportage zeigt Längauer, die heute bei St. Valtentin lebt, bei der Arbeit in einer Hofkäserei im Texingtal. „Dorfhelferin zu sein, ist nicht nur Beruf, es ist Berufung. Man braucht viel Kraft“, macht Schadenhofer aufmerksam. Klara Längauer bringt diese Kraft gerne auf. „Ich war früher in der Gastronomie tätig, dort aber nicht wirklich glücklich. Mein Vater hat mir dann eines Tages Info-Unterlagen rund um den Beruf Dorfhelferin über den Küchentisch geschoben. Kurze Zeit später bin ich im Ausbildungslehrgang gesessen“, erzählt die aus Waidhofen an der Ybbs stammende Längauer. Ein Einsatz dauert im Schnitt drei Wochen, kann aber je nach Bedarf länger oder kürzer ausfallen. Die Dorfhelferinnen leben und arbeiten in dieser Zeit am Hof mit. Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen für den Einsatz einen Kostenersatz leisten. Dieser beträgt für einen zehnstündigen Arbeitstag, beispielsweise bei einem Einssatz aufgrund der Geburt eines Kindes, die zum Ausfall der betriebsführenden Bäuerin führt, 25 Euro.“Ich war beim Zusehen wieder nervös. Es war eigenartig, die eigene Stimme zu hören. Aber ich bin froh, dass ich den Mut aufgebracht habe“, freut sich Längauer über ihren Fernsehauftritt. Zu sehen gibt es die Reportage „Dorfhelferinnen“ auf der Webseite www.atv.at.


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