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Thalheim. Azad Mojumdar ist immer freundlich. Jeden Kunden empfängt der Kupfermuckn-Verkäufer vor dem Billa höflich mit „Grüß Gott“. Ist der Einkaufskorb zu schwer, trägt er ihn zum Auto, er säubert den Vorplatz, wechselt den Müllsack - selbstverständlich ohne Bezahlung, denn Mojumdar ist Asylwerber und darf nicht arbeiten, aber er darf helfen, und das tut er gerne.

Mojumdar hat schon zwei Deutschkurse erfolgreich abgeschlossen.
Mojumdar hat schon zwei Deutschkurse erfolgreich abgeschlossen.

Korruptes Regime

Azad stammt aus Bangladesch, ist 37 Jahre alt und seit April 2012 in Österreich. Er kommt aus der Hauptstadt Dhaka, arbeitete im EDV-Bereich und war politisch aktiv. Als die Polizei beginnt den lokalen Vizepräsidenten der oppositionellen Bangladesh National Party zu schikanieren, ihn als Räuber verleumdet, sieht er sich gezwungen sein Land zu verlassen. Denn die korrupte Regierung lässt unbequeme Personen verschwinden, foltern, töten.

12.000 Euro kostet die Flucht per Bus, Zug und Flugzeug über Indien und die Türkei nach Österreich. Österreich hat Mojumdar sich im Internet ganz bewusst ausgesucht, denn „Österreich ist ein gutes Land. Ich liebe Österreich. Ich möchte hier bleiben. Ich möchte hier sterben“, sagt er.

Geld für die Familie

Nach seiner Ankunft in Traiskirchen, einem Jahr in Weißkirchen, einiger Zeit in Wels, ist er nun seit einem Jahr in Thalheim. „Der Bürgermeister hat mir geholfen ein Zimmer zu bekommen“, ist Mojumdar dankbar. Das Geld für die Miete bekommt er vom Land Oberösterreich, den Rest verdient er sich seit zwei Jahren mit dem Verkauf der Kupfermuckn. Sechs Tage die Woche steht er bei Thalheimer Nahversorgern, sonntags bei einer Konditorei in Urfahr. Was er verdient schickt er seiner Frau und den drei Kindern, seiner Schwester und dem Schwiegervater. Telefoniert wird viel mit zu Hause, manchmal ermöglicht ihm auch jemand zu skypen und so seine Familie übers Internet zu sehen. „Ich weine oft, weil ich nicht weiß, wann ich meine Kinder wieder treffe“, erzählt Mojumbar. „Aber oft vergesse ich auch zu weinen, weil alle hier so nett sind zu mir, dann ist es nicht so schwer.“ Tatsächlich gibt es nur wenige, die Azads Gruß nicht erwidern und nicht selten fällt beim Einkauf auch für den freundlichen Kupfermuckn-Verkäufer etwas ab. Dass Azad wirklich beliebt ist, bestätigen auch die Angestellten. „Er ist immer freundlich und auch die Kunden mögen ihn. Er ist nie aufdringlich und er räumt uns sogar zusammen“, freut man sich über den netten Mann am Eingang. Der möchte dort natürlich gerne weg, möchte Gewissheit haben, dass er bleiben darf, möchte arbeiten und endlich seine Familie nachholen können. Doch bis es soweit ist, heißt es weiter warten. Den ersten negativen Bescheid hat er schon erhalten.


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