Lamas als Lehrer fürs Leben
TOLLET. Vier Lamas und ein Alpaka bereichern seit einigen Jahren den Joker Hof in Tollet. Mit ihrem Charakter und ihrer entspannten Ausstrahlung sind sie für die Jugendlichen am Hof Lernelement und Ruhepol zugleich. Im Umgang mit den Tieren wird nicht nur fürs Leben gelernt, sondern auch wie sich das eigene Verhalten direkt auf andere übertragen kann.

Lange Wimpern und strahlende Augen, mit denen sie freundlich und zugleich eindringlich ihr Gegenüber betrachten, ihr Fell ist weich und dicht, ihre Haltung stolz – seit einigen Jahren gehören die Lamas Sandro, Hembra, Tolledo, Hija und das Alpaka Macho zum fixen Bestandteil des Joker Hofs in Tollet.
Fest in ihr Herz geschlossen wurden sie von den Jugendlichen am Hof, die mit den Tieren regelmäßig spazieren gehen. Jeder darf sich ein Lama aussuchen. Bemerkenswert sei, dass dabei der Charakter der Jugendlichen oft zu der Persönlichkeit des Lamas passt. Jedes der Tiere hat seine Geschichte, genau wie die Jugendlichen, die mit erhöhtem Förderbedarf am Hof auf den Arbeitsmarkt und ein selbstverantwortliches Leben vorbereitet werden.
Auf zum Spaziergang
Zu Beginn des Ausganges heißt es erst einmal den Lamas den Halfter anlegen und die Leine anbinden. Gar kein leichtes Unterfangen für die Jugendlichen, denn jedes der Lamas und auch Alpaka Macho – sein Name verrät schon einiges über seinen Charakter – haben ihre eigene Vorstellung, wie sie gerne behandelt werden. Auch so mancher Sturkopf kommt dabei durch.
Besonders Sandro, der Chef der Herde, übernimmt gerne die Führung. Auch beim anschließenden Spaziergang stolziert der Lama-Mann sofort in die erste Reihe. Immer wieder dreht er während des Spazierganges seinen Kopf nach hinten, um zu sehen, ob die Herde noch vollzählig ist. Ist eines seiner „Schäfchen“ zu weit zurück, bleibt er stehen, um zu warten.Die anderen Tiere und die Jugendlichen, die hochkonzentriert und einfühlsam die Lamas führen, machen es ihm gleich.
Beruhigende Wirkung
Die flauschigen Tiere hätten eine beruhigende Wirkung auf die jungen Menschen. „Das Verhalten der Jugendlichen überträgt sich sofort auf die Lamas. Wird zu grob an der Leine gezogen, kann es passieren, dass sich das Lama einfach hinlegt und nicht mehr weitergehen will“, erklärt Sigrid Ströher, Leiterin des Joker Hof in Tollet und Taufkirchen/Pram. Lamas hätten viel Ruhe, würden aber auch merken wenn man aufgeregt ist. „Jugendliche, die sehr verschlossen sind, können sich mit den Lamas gut öffnen“, so Ströher.
Das bestätigen auch die Jugendlichen nach dem einstündigen Spaziergang durch Wald und Wiesen: „Wenn man selber unruhig wird, laufen sie weg. Wenn man aber selber ruhig ist, sind auch sie ruhig. Man muss sehr konzentriert sein“, erzählt Elias. „Mir geht es gut, wenn ich mit den Lamas unterwegs bin, ich mag es, wenn sie einem vertrauen und einen mögen“, sagt Martin.
Körpersprache und Spucken
Spuckende Vierbeiner – oft ist beim ersten Gedanken an Lamas dieses Bild im Kopf. In der Regel spucken Lamas jedoch lediglich auf ihre Artgenossen, um ihre Dominanz zu zeigen oder aufdringliche Lamas auf Distanz zu halten. Wird das Lama vom Menschen belästigt oder gequält, könnte es aber auch hier zu einer Spuckattacke kommen.
Wie sich Lamas fühlen
Ihre Stimmung drücken Lamas durch ihre Körperhaltung aus. Aufgerichtete Ohren und ein entspannt hängender Schwanz bedeuten, dass es den Tieren gut geht. Geht der Schwanz nach oben, ist das Tier angespannt. Mit nach hinten gelegten Ohren ordnet sich das Lama dem ranghöheren Tier oder dem Menschen, der es führt, unter. Wenn die Ohren angelegt sind und der Schwanz hoch steht, fühlt sich das Lama nicht wohl.
Über den Joker Hof
Joker ist eine Einrichtung des Oberösterreichischen Zivil-Invalidenverbands mit dem Auftrag, Menschen mit erhöhtem Förderbedarf auf die Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes vorzubereiten. Parallel dazu werden im Wohnbereich lebenspraktische Fertigkeiten gelernt. Aktuell sind in Tollet 58 und in Taufkirchen 26 Jugendliche beschäftigt.


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