Keine Integrations-Kinder: Schule müsste ohne erste Klasse anfangen
Das Integrative Schulzentrum (ISZ) Traun bietet Volksschulintegrationsklassen, eine Schwerstbehindertenklasse und allgemeine Sonderschulklassen mit Hauptschulunterricht an. Von Eltern wird die Schule für ihre optimalen Rahmenbedingungen und das auf die Förderung beeinträchtigter Kinder geschulte Fachpersonal geschätzt. Für das kommende Schuljahr 2015/2016 droht, dass keine erste Klasse gebildet wird.

Beeinträchtigte Kinder werden durch ein ärztliches Gutachten als Integrationskinder eingestuft und durch das Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik (ZIS) Linz-Land den jeweiligen Schulen des Bezirks zugewiesen. Laut Mitteilung des Elternvereins des ISZ Traun soll Landesschulinspektorin Barbara Pitzer verkündet haben, dass es heuer keine Anmeldungen von Integrationskindern gebe. „Das ISZ Traun ist ein Schulversuch der Reintegration, wo Regelkinder und behinderte Kinder miteinander in die Schule gehen. Dafür braucht es aber behinderte Kinder, die im Moment nicht da sind. Wir haben alle Kinder überprüft, die von den Eltern angegeben wurden“, sagte die Landesschulinspektorin. Anneliese Pitzer, die Leiterin des ZIS Linz-Land, wiederum erklärte laut derselben Mitteilung, dass die Eltern kein Recht hätten, die Schule für ihre Integrationskinder zu wählen. Als äußerst dubios zeigte sich für den Elternverein auch das Fallbeispiel der Mutter eines Integrationskindes, der im März bereits mitgeteilt wurde, dass es keine erste Integrationsklasse im ISZ geben werde, obwohl die letzten Kinder erst im Mai untersucht werden würden. VS Traun soll durch die Umverteilung profitierenLaut Angaben von Regina Kreindl, Mitglied des Elternvereins am ISZ Traun, sehen die Planungen vor, dass die für das ISZ angemeldeten beeinträchtigten Kinder in Integrationsklassen anderer Volksschulen wie der VS Traun, der VS St. Martin oder der VS Oed kommen. Die Regelkinder, also die im ISZ angemeldeten nicht beeinträchtigten Kinder, würden ebenfalls auf umliegende Volksschulen aufgeteilt werden. Kreindl sieht in den Planungen für das nächste Schuljahr lediglich eine beabsichtigte Verbesserung der Durchmischungsrate an der VS Traun. Die VS Traun weist einen hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund auf und würde für Kreindl von einem Nicht-zustande-Kommen einer ersten Klasse am ISZ besonders profitieren, da der Großteil der im ISZ angemeldeten Regelkinder eben in diese Schule kommen würde. „Die Gemeinde Traun hat versagt und jetzt haben wir einen Ausländeranteil an manchen Schulen von 95 Prozent. Man will das mit Gewalt lösen, indem Eltern österreichischer Kinder, die in einer anderen Schule gemeldet wurden, erst jetzt im April informiert wurden, wo keine Möglichkeit mehr besteht, dass man in eine Privatschule oder sonst wohin ausweicht.“ Kreindl befürchtet durch den hohen Ausländeranteil nicht nur einen Abfall des Lernniveaus, ihrer Meinung nach würden auch Eltern mit Migrationshintergrund nicht wollen, dass ihre Kinder mit behinderten Kindern in die Klasse gehen. Die Landesschulinspektorin kann diese Ängste nicht nachvollziehen. „Mit der Durchmischungsrate hat das gar nichts zu tun. Die VS Traun hat ein sehr gutes Konzept und will allen Kindern gerecht werden. Es sind ganz viele Migrantenkinder darunter, die schon lange in Österreich sind und ganz normal die deutsche Sprache sprechen“, sagte Pitzer. Zukunft des ISZ Traun trotz Anmeldungen ungewissChristina Nagiller, Direktorin des ISZ Traun, sieht die momentanen Geschehnisse mit gemischten Gefühlen. „Ich bin traurig und betroffen, wenn wirklich keine erste Klasse zustande kommen würde, vor allem für die Kinder, die schon angemeldet wurden.“ Leidtragender wäre natürlich auch das Lehrpersonal, das aufgrund der verminderten Stundenanzahl reduziert werden würde. Dass es zu einer wie von Regina Kreindl befürchteten Schließung der Schule kommen könnte, will Nagiller nicht prognostizieren. „Ich habe Anmeldungen für VS-Kinder bis 2019/20. Wie die Zukunft aussehen wird, weiß ich nicht.“ Rückendeckung bekam Nagiller kürzlich von Gottfried Hirz, Bildungssprecher der Grünen. „Eine Schließung der Integrationsklassen wäre ein herber Rückschritt. Beeinträchtigte und nicht beeinträchtigte Kinder müssten in Traun künftig gänzlich getrennte Schulen besuchen. Ein Musterbeispiel an seit Jahren gelebter Integration würde entfallen. Dies ist nicht hinnehmbar.“ Hirz forderte daher eine eingehende Prüfung des Sachverhalts durch die Schulbehörde.


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