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LINZ. Die Johannes Kepler Universität erkennt vier Personen mit belasteter Vergangenheit die akademischen Ehrungen ab. Grundlage für diese Entscheidung ist ein umfangreicher historischer Bericht zur systematischen Aufarbeitung.

 (Foto: JKU/Hertha Hurnaus)
(Foto: JKU/Hertha Hurnaus)

Die Aberkennung betrifft das 1982 verliehene Ehrendoktorat der Technischen Wissenschaften für Friedrich Asinger, die 1989 verliehene Ehrenbürgerschaft für Alfred Jelinek, die 1969 verliehene Ehrenbürgerschaft sowie die 1976 verliehene Würde eines Ehrensenators für Herbert Koller und das 1983 verliehene Ehrendoktorat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften für Konrad Mellerowicz.

Koller wurde 1931 NSDAP-Mitglied, belegte ab 1938 Funktionen in der SA und ab 1941 in der SS. Weitere belastende biografische Punkte sind dokumentiert. Auch die Kunstuniversität Linz erkannte Koller die Ehrenmitgliedschaft ab.

Mellerowicz trat 1933 der SA und 1937 der NSDAP bei, unterzeichnete das „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“ und wirkte als „wehrwirtschaftlicher“ Gutachter. Die TU Berlin hat 2024 eine Gedenktafel, die an Mellerowicz erinnert, abgenommen und seinen Namen von einem Hörsaal, der nach ihm benannt war, entfernt.

Asinger trat bereits 1932 dem NS-Lehrerbund bei, 1933 schloss er sich der NSDAP in Wien-Margareten und im selben Jahr der SA an.

Auch Jelinek trat bereits 1933 der SA und später der NSDAP bei.

Gerhard Beil verzichtete bereits 1992

Außerdem distanziert sich die JKU von der 1986 erfolgten Verleihung des Ehrendoktorats an Gerhard Beil. Dieser erhielt seine Würdigung aufgrund der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der DDR und Österreich, verzichtete aber bereits 1992 selbst darauf.

Den Aberkennungen vorangegangen war eine umfassende Prüfung der Ehrengemeinde auf nationalsozialistische oder andere antidemokratische Belastungen. Untersucht wurden  jene Personen, die vor 1930 geboren worden waren.

„Auch wenn die JKU Linz zur Zeit des nationalsozialistischen Regimes noch nicht existiert hat, tragen Universitäten als gesellschaftliche Institutionen dennoch eine Verantwortung“, sagt JKU-Rektor Stefan Koch. Man setze damit auch aktiv ein klares Zeichen, „welche Haltung wir in der Gegenwart und der Zukunft vertreten.“

„Zwischen Aberkennung und Anerkennung“

Die Erkenntnisse des Berichts und der Umgang mit diesen wird am Montag, 13. April, im Kepler Salon in einer öffentlichen Veranstaltung mit den Verfassern des Berichts diskutiert. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Eintritt frei.

Mehr: https://www.jku.at/kepler-salon/ereignisse/events/detail/news/zwischen-anerkennung-und-aufarbeitung/


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