„Steigende Preise werden für immer mehr Menschen zum Problem“
URFAHR-UMGEBUNG. In den Rot-Kreuz-Märkten in Ottensheim und Gallneukirchen können bedürftige Menschen zu niedrigeren Preisen einkaufen. Der Koordinator für die sozialen Dienste des Roten Kreuzes, Stefan Zierlinger, gibt einen Einblick in den Alltag der Märkte.

Tips: Wie viele Mitarbeiter sind in den beiden Märkten beschäftigt?
Zierlinger: In Ottensheim engagieren sich 40 Rot-Kreuz-Mitarbeiter freiwillig, in Gallneukirchen 84 Rot-Kreuz-Mitarbeiter. 2022 wurden etwa über 8.100 freiwillige Stunden für die Märkte geleistet.
Tips:Welche Waren werden angeboten?
Zierlinger: Lebensmittel, Haushaltsartikel des täglichen Bedarfs, wie Milch, Brot, Öl und Gemüse, aber auch Waschmittel und Hygieneprodukte, wie Klopapier oder Zahnpasta zu etwa einem Drittel des Diskonterpreises. Alle Waren werden gespendet. So kann zwar kein Vollsortiment angeboten werden, die Rot-Kreuz-Märkte stehen dadurch aber nicht in Konkurrenz zum Handel. Tabak und Alkohol sind im Rot-Kreuz-Markt nicht zu finden.
Tips: Wie kommen Sie zu den Waren?
Zierlinger:Diese kommen hauptsächlich von den Lebensmittelgeschäften aus der Umgebung, direkt von Erzeugern oder Bauernhöfen oder von Spenden aus der Bevölkerung, von Vereinen oder Firmen. Mehrmals in der Woche werden verderbliche Lebensmittel, wie Obst, Gemüse oder Milchprodukte mit nur noch einem kurzen Haltbarkeitsdatum aus den Supermärkten abgeholt. Zwei Mal im Jahr stehen Mitarbeiter des Roten Kreuzes vor den Supermärkten im Bezirk und ersuchen die Kunden, länger haltbare Lebensmittel, wie Konserven, Öl, Zucker, Nudeln, Reis oder Waschpulver einzukaufen und dem Roten Kreuz für den Rot-Kreuz-Markt zu spenden.
Tips: Gibt es Waren, die besonders gefragt sind?
Zierlinger: Besonders gefragt sind Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Nudeln, Kaffee, Speiseöl, Konserven und Aufstriche aller Art, aber auch Hygieneartikel, wie Zahnpasta, Duschgel und Spülmittel, da von den Supermärkten größtenteils verderbliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Milchprodukte mit nur noch einem kurzen Haltbarkeitsdatum abgegeben werden, und eher weniger Artikel, die noch lange haltbar sind.
Tips:Man hört immer „die Armut ist in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen. Merken Sie davon in den Sozialmärkten auch etwas?
Zierlinger: Steigende Preise werden für immer mehr Menschen zum Problem. Die Bezahlung für Strom, Lebensmittel, Miete oder Heizung ist für viele eine große Herausforderung. Das merken wir anhand der Anzahl der Einkaufsberechtigten – diese hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt. Im März 2021 waren es 188 Personen, 2022 292 Personen und im März 2023 442 Personen.
Tips:Wie könnte man die Situation der Menschen verbessern?
Zierlinger: Es gibt leider keine einfachen Lösungen, sondern viele Räder, an denen gedreht werden muss. Deshalb unsere Bitte an alle, die unterstützen können, sich solidarisch zu verhalten und zusammenzuhalten.
Tips: Wie kann ich als Privater, als Unternehmen helfen?
Zierlinger:Wir freuen uns sehr über Warenspenden. Die Warenspenden können zu den Öffnungszeiten im Markt abgegeben werden oder in Absprache mit den Marktleitungen. Der Kontakt wird gerne über die Bezirksstelle Urfahr-Umgebung hergestellt: 0732 7644406.
Tips: Wie geht es Ihren Kunden mit der Situation?
Zierlinger:Menschen, die im Rot-Kreuz-Markt einkaufen, sind unsere Kunden und werden auch so behandelt. Durch den symbolischen Preis haben sie nicht das Gefühl, Almosen zu erhalten. Mit den Einnahmen kann ein Teil der notwendigen Infrastruktur refinanziert und damit die Serviceleistung aufrechterhalten werden


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