Drei Damen vom Diakoniewerk räumen bei Literatur-Bewerb „Wortfinder“ groß ab
GALLNEUKIRCHEN. Grandios: Gleich drei Autorinnen von der Literaturwerkstatt des Diakoniewerks Gallneukirchen finden sich unter den Preisträgerinnen des „Wortfinder-Literatur-Wettbewerbs 2023“: Clara Leibetseder, Ruth Oberhuber und Brigitte Willinger.

Der gemeinnützige Verein „Die Wortfinder“ fördert die Literatur und das kreative Schreiben von besonderen Menschen und jenen in besonderen Lebenslagen. Ziel ist eine gleichberechtigte Teilhabe aller am kulturellen Leben. Thema des für Menschen mit einer geistigen Behinderung oder einer demenziellen Erkrankung ausgeschriebenen Wortfinder-Literatur-Wettbewerbs war „Gefühlsachterbahn & Gedankenkarussell – Über das Denken und über das Fühlen“. Rund 1.250 Beiträge aus Österreich, Deutschland und der Schweiz wurden eingereicht.
Kunstwerkstatt imHaus Bethanien
Clara Leibetseder, Ruth Oberhuber und Brigitte Willinger vom Diakoniewerk Gallneukirchen gehören mit ihren Texten, in denen sie über denkende Computer, über beflügelnde Angst und über das Denken und Fühlen von Menschen mit Behinderung erzählen, zu den Preisträgerinnen.
„Kunst hat im Diakoniewerk einen hohen Stellenwert, bereits über Jahrzehnte hinweg. Im Haus Bethanien in Gallneukirchen finden mehrere Bereiche der Kunstwerkstatt unter einem Dach Platz, unter anderem auch die Literaturgruppe. Ich freue mich, dass die begleiteten Künstlerinnen Clara Leibetseder, Ruth Oberhuber und Brigitte Willinger ihr Potenzial so gut entfalten konnten und gratuliere zu dieser tollen Auszeichnung“, freut sich auch Dorothea Dorfbauer, Geschäftsführerin im Diakoniewerk OÖ, über die Erfolge aus dem Mühlviertel.
Die ausgezeichneten Texte erscheinen unter dem Titel „Der Wind bläst auch ins Glück“ in einem literarischen Wand-Kalender für 2024.
Ausgezeichnete Texte aus Gallneukirchen
Brigitte Willinger, Diakoniewerk Gallneukirchen schreibt unter dem Titel „Behinderung, Denken, Fühlen“: Das Wort Behinderter regt mich schonauf,weiljederMenscheine Behinderung hat. Jeder auf eine andere Art. Wir sind auch wichtig und wertvoll. Unsere Arbeiten sind gut, auch wenn es etwas länger dauert, bis wir sie ausführen können. Wir brauchen am Anfang eine etwas längere Erklärungsphase. Ich will so gerne mithelfen, dann heißt es wieder: „Du kannst es sowieso nicht so gut wie ich.“ Das verletzt mich sehr. Das kann ich auch nie vergessen, kommt nicht aus meinemKopfraus.DieSchulzeitwar schlimm für mich, weil ich von meinen Mitschülern ausgespottet wurde, was nicht gerade nett war und sehr weht tat. Das wünsche ich keinem. Warum gerade ich, das verstehe ich nicht? Es kann nicht jeder Mensch gleich sein. Kann nicht jeder in den gleichen Topf geworfen werden. Es muss unterschiedliche Menschen geben, sonst wird esfad.Roboter bin ich keiner.Ich bin keine Maschine, aber manchmalglaube ich,ichbineine,da ich die ganze Zeit nur Gemüse schneiden muss. Einfach Messer runterdrücken und fertig. Ich will Abwechslung beim Arbeiten.
Clara Leibetseder, Diakoniewerk Gallneukirchen schreibt unter dem Titel „Können Computer denken?“: Ich weiß nicht, ob ein Computer denken kann. Das möchte ich gerne erforschen. Ichmöchte eine Computerexpertin werden, aber das gelingt mir leider nicht. Das finde ich nicht so schön. Ich glaube, der Computer kann schon denken, da ist ein Roboter drinnen, der denkt wie eine Waschmaschine, aber ersingt ein lustiges Lied in meinen Ohren. Das finde ich einfach so schön, wie eine Prinzessin von der Erbse. Ein wunderschöner Prinz, der mich verzaubert in eine leckere Torte. Der Prinz macht mir einen Pfefferminztee mit Honig und er bringt mir Gramastettner Krapferl in die Kunstwerkstatt Bethanien. Ich bin eben eine süße Naschkatze, die am liebsten von der Prinzen Rolle nascht.
Ruth Oberhuber, Diakoniewerk Gallneukirchen, schreibt unter dem Titel „Angst verleiht Flügel“: Oft brauche ich viel Feenstaub,umeinSchmetterling zu sein.Mitdurchsichtig lila- und rosafarbenenFlügelnfliege ichdannzudenWolken und den schwimmendenSchwänen. Einmal bin ich oben,dann unten. Ich habe die Schwerelosigkeit gerne. Ich stehe übermeiner Angst. Dann bin ich stolzdrauf, muss mich nicht beweisen. Widerstand leisten heißt,niedriger Puls und zitterndeHände. Ich liebe Vorhänge. Sie fliegenim Wind, so leicht. Ich lasseleichter los.


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