Von Ottensheim nach Japan: 26-Jähriger Yureida Kei sorgt mit Manga-Comics für Furore
OTTENSHEIM/Japan. Der 26-jährige Julius Sigl aus Ottensheim lebt seit 2025 in Tokio, Japan. Dabei setzt er voll und ganz auf Manga-Comics. Diese waren Ende März auf dem nextcomic festival in Linz zu sehen. Als Künstler arbeitet er unter dem Namen Yureida Kei und spricht im Tips-Talk über seinen Weg, seine Arbeit und das Leben fern der Heimat.

Tips: Sie haben das Plakat des nextcomic festivals in Linz gestaltet. Wie kam es und was ist das überhaupt?
Yureida Kei: Ich bin vom nextcomic festival direkt angefragt worden, ob ich es machen will, weil das Festival dieses Jahr mehr Fokus auf Manga legen wollte, und da ich mehr oder weniger ein lokaler Artist bin, hat das dann perfekt gepasst. Das nexcomic ist ein „independant festival“, bei dem unterschiedliche Arten von Künstlern die Möglichkeit erhalten, ihre Werke an mehreren Locations auszustellen. Es ist auch eines der etabliertesten Comic-Festivals im ganzen Land. Ich mache Manga, beziehungsweise Schwarz-Weiß-Comics im japanischen Stil.
Wie hat Ihr Weg nach Tokio, Japan, eigentlich begonnen?
Ich war schon länger auf der Suche nach einer Connection nach Japan und bin durch Herumfragen und Stur-Sein über Bekanntschaften und mehrere Ecken auf ein japanisches Paar gekommen, das nach Wien ziehen wollte und lokalen Anschluss nach und in Österreich brauchte.
Wie ging es dann weiter?
Das Paar war an meinem Manga interessiert und ich an seinen Projekten. Also haben wir uns gegenseitig geholfen. Es hat mich nach längerem Mail-Kontakt und persönlichem Treffen nach Tokio eingeladen und mir vor Ort geholfen, Fuß zu fassen.
Warum haben Sie sich für Japan entschieden?
Weil ich mich hier wohlfühle und meine künstlerischen Tätigkeiten wertgeschätzt werden.
Leben Sie hier von der Kunst?
Nein, noch nicht. Ich arbeite aktuell nebenbei. Als Statist in Werbungen, Filmen und Serien.
Sprechen Sie auch Japanisch?
Ja. Und Englisch und Italienisch. Ich kann auch die Schriftzeichen.
Was unterscheidet das Leben hier zu jenem im Mühlviertel?
Es ist überall sauber, die Leute sind respektvoll und urteilen mehr nach sozialem Verhalten als Aussehen oder Herkunft, was ich bevorzuge. Die Menschen sind eher ruhig, in sich gekehrt und respektvoll.
Gibt es denn auch Nachteile?
Generell kaum, das Einzige momentan ist, dass ich keine Lautsprecher in meiner Wohnung verwenden kann, weil die Wände hier oft sehr dünn sind.
Wie halten Sie den Kontakt nach Hause?
Ich telefoniere regelmäßig oder spiele Videospiele online mit manchen. Einige waren schon hier auf Besuch. Ein- bis zweimal im Jahr besuche ich das Mühlviertel.
Haben Sie vor, einmal nach Ottensheim zurückzukehren?
Momentan nicht nein. Ich bleibe in Japan, aber nicht in Tokio.
Was man über den Ottensheimer noch wissen muss
Ob ich als Mühlviertler in Tokio ein Exot bin? Keine Ahnung, muss ich gestehen. Was ich von zu Hause vermisse? Frischkäsepackungen, die „groß“ sind. Und typisch für mich: kein Lebensmotto zu haben.


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