Blinder Linzer (63) baut eigene Krippe in Eidenberger Krippenwerkstatt
EIDENBERG/LINZ. Holz fühlen, Bauteile ertasten, Maschinen bedienen: Robert Bayerhofer hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Der 65-jährige Pensionist aus Linz baute in der Eidenberger Krippenwerkstätte seine eigene Krippe. Das Außergewöhnliche daran: Er ist seit seinem elften Lebensjahr blind. Rund 80 bis 100 Stunden arbeitete der Technikbegeisterte gemeinsam mit Krippenbaumeister Michael Thomasberger an seinem Werk in der Eidenberger Krippenwerkstatt.

Handwerk und Technik begleiten Robert Bayerhofer schon sein ganzes Leben. Der ehemalige Systemtechniker arbeitete beruflich und privat gerne mit Holz und Elektrotechnik. Er bastelt, repariert und werkt an vielen Dingen. Auch heute hilft er bei einem Repair-Café mit.
Über den Blindenverband erfuhr der Linzer von der Möglichkeit, selbst eine Krippe zu bauen. Zunächst gab es für ein kostenfreies Angebot seitens der Mühlviertler Krippler mehrere blinde Interessenten. Am Ende war er der Einzige, der das Projekt tatsächlich umsetzte.
Von März bis August arbeiteten Bayerhofer und der Eidenberger Krippenbauexperte Michael Thomasberger knapp fünf Monate an der Krippe. Thomasberger begleitete das Projekt ehrenamtlich.
Viel Geduld und Fingerspitzengefühl
Jeder Arbeitsschritt verlangte Konzentration und Geduld. Bayerhofer musste Formen und Materialien mit den Händen erfassen. Holzstücke wurden zugeschnitten, angepasst und zusammengesetzt: „Man braucht schon viel Geduld für eine solche Krippe. Am meisten aber hat mich fasziniert, dass man mit einfachen Mitteln so was Schönes fertigen kann.“
Tatkräftige ehrenamtliche Unterstützung gab es dabei von Michael Thomasberger ist Gründer und Obmann des Krippenvereins d’Mühlviertler Krippler. Seinen Sitz hat dieser in Eidenberg. Auch für Thomasberger war das gemeinsame Projekt eine „komplett neue Erfahrung.“
Im Tips-Gespräch berichtet er: „Auch für mich war diese Krippe eine Premiere, denn ich habe zuvor noch nie mit einem Blinden eine Krippe gefertigt. Anfangs war ich verunsichert, wie das überhaupt funktionieren soll. Aber die Zusammenarbeit hat mir gezeigt: Wenn jemand etwas will, ist technisch hier beinahe alles möglich. „
Die Maschinen wurden eigens für den blinden Krippenbauer angepasst
Damit Bayerhofer möglichst selbstständig arbeiten konnte, bereitete Thomasberger eigene Hilfsmittel vor. Mit einem 3D-Drucker fertigte er Schablonen für die einzelnen Bauteile an. Sie halfen dabei, das Holz genau zuzuschneiden.
Auch die Maschinen wurden angepasst. Spezielle Fußschalter ermöglichten Bayerhofer eine sichere Bedienung.
Thomasberger sagt dazu: „Gearbeitet hat Robert auch mit der Band- und der Kreissäge. Und ich habe die Maschinen so umgebaut, dass auch er sie bedienen konnte. Robert hat wirklich viel Fingerspitzengefühl.“
Bayerhofer ist Thomasberger dankbar, dass dieser sich eine „irrsinnig große Mühe gemacht hat“, die Arbeitsutensilien so umzubauen und vorzubereiten, dass auch ein Blinder damit werken kann.
Gattin Alice half unterstützte ihren Robert mit vollem Einsatz
Unterstützung kam auch von Bayerhofers Ehefrau Alice. Das Paar lebt in Linz. Alice, die sehen kann, brachte ihren Mann jede Woche mit dem Auto zu den Werkstättenterminen nach Eidenberg ins Mühlviertel.
Auch bei der optischen Gestaltung der Krippe half sie mit. So entstand Stück für Stück ein Werk, das handwerkliches Können und viele Stunden gemeinsamer Arbeit verbindet.
Die fertige Krippe kann im wahrsten Sinn des Wortes gesehen werden: Sie wird beim Fest der Volkskultur in Bad Zell von Freitag, 18. September bis Sonntag, 20. September, zu bestaunen sein.
„Robert hat sich mit diesem Werk einen Herzenswunsch erfüllt und kann mit Recht stolz auf das Erreichte sein“, sagt Krippenbaumeister Michael Thomasberger abschließend.








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