Trockenheit, Dürre, Hitze und fehlender Regen treffen den Bezirk Urfahr-Umgebung hart
URFAHR-UMGEBUNG. Trockenheit, Hitze und Klimawandel setzen Natur, Mensch und Tier zu. Diese Situation plagt auch den Bezirk.

Der Vorderweißenbacher Ewald Grünzweil führt eine Bio-Landwirtschaft mit Rindermast. Die Hitze spürt auch er hoch oben im Mühlviertel auf über 860 Metern Seehöhe. Den Tieren macht sie zu schaffen, wie auch den Wiesen, Feldern und Wäldern, denen es zudem an Niederschlag fehlt. Der Boden ist braun und trocken, viele seiner Standeskollegen warten wie er auf den Regen. Der 60-Jährige konnte heuer erst einen Schnitt einbringen. Wie er so durch den Winter kommt? „Ich habe Vorräte vom Vorjahr. Ich hoffe auf einen zweiten Schnitt“, so Grünzweil, der sagt, dass er den Viehstand anpassen müsse, sobald das Futter knapp wird. „Den Klimawandel kann man nicht mehr leugnen, er ist längst da.“ Was es laut dem ehemaligen Obmann der IG-Milch jetzt braucht, ist ein Verständnis dafür, der Bodenverdichtung und -versiegelung entgegenzusteuern und auf Humusaufbau zu setzen. „Gebot der Stunde sind mehr Hecken, Sträucher und Windschutzgürtel in der Landschaft. Die Politik ist gefordert. Ein Teufelskreis, denn Hitze und Dürre treffen in weiterer Folge auch die Konsumenten“, meint Grünzweil, der die Lage in der Bauernschaft momentan als „extrem bedrückend“ erlebt. Nicht nur den landwirtschaftlichen Nutzflächen setzt die Hitze zu, auch die Rinder leiden darunter. So geben Milchkühe jetzt weniger Milch und benötigen mehr Wasser. Für seine Rinder hat Grünzweil Ventilatoren im Stall angebracht, die Tiere stehen im Schatten unter einem Dach.
Weniger Ertrag auch in Alberndorf
Auch der Alberndorfer Bürgermeister Erwin Reichetseder führt eine Landwirtschaft. Aus seiner Region berichtet er: „Beim Ertrag ist es allgemein weniger, etwa beim Grünfutter. Aus einer Wiese, wo man sonst 16 Ballen hat, hat man jetzt nur einen.“ Er kennt Betriebe, speziell Pferdehöfe, die bereits Heu aus Italien, Polen und Ungarn zukaufen müssen. „Die Trockenheit und Dürre begünstigen zudem die Borkenkäferthematik bei den Nadelbäumen“, so Reichetseder, der zum sparsamen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser aufruft.
Statement der Bezirkshauptmannschaft Urfahr-Umgebung zur anhaltenden Hitze und Dürre
Für Hitze, Dürre und Klimawandel ist die Bezirkshauptmannschaft behördlich nicht zuständigk. „Eine Zuständigkeit der BH als Katastrophenschutzbehörde ergäbe sich allenfalls im Katastrophenfall, wenn es zu sehr großen Waldbränden oder großflächigen, gemeindeübergreifenden Wasserversorgungsengpässen käme“, so Bezirkshauptmann Ferdinand Watschinger auf Tips-Anfrage dazu.
Herausforderungen für Feuerwehr und Rotes Kreuz im Bezirk
Bezirksfeuerwehrkommandant Johannes Enzenhofer sagt zur derzeitigen Dürre: „Bitte keine Zigaretten oder Glasscherben achtlos entsorgen und keine Feuerwerke entzünden. Vorsicht auch bei Erntegeräten, die sehr heiß werden können. Autos nicht in der trockenen Wiese parken, das wäre zu gefährlich.“ Er ergänzt: „Viele Bäche sind ausgetrocknet. Bei Bränden müssen wir immer öfter auf Wasser aus den Pools der Bevölkerung zugreifen, was in Notzeiten erlaubt ist.“ Unterstützung kommt von Bauern, die Wasser in Güllefässern bereitstellen, damit es im Ernstfall schnell geht.
Hitze sorgt auch für mehr Einsätze beim Roten Kreuz
Dass die Hitze auch den Menschen stark zusetzt, bestätigt Peter Haslinger, Bezirksgeschäftsleiter des Roten Kreuzes: „Ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen haben vermehrt mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Gleichzeitig arbeiten die Rettungsdienstteams selbst unter erschwerten Bedingungen. Sie versorgen Patienten und müssen dabei mit Schutzkleidung, in aufgeheizten Fahrzeugen und im Freien durchhalten.“ Sein Tipp: anstrengende Tätigkeiten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen, viel trinken, direkte Sonne meiden und auf die Mitmenschen achten.
Erste-Hilfe-Tipps
Was tun bei einem Hitzenotfall? Wenn eine Person folgende Symptome wie Verwirrtheit, Schwindel oder eine auffallend heiße, trockene Haut zeigt, diese laut RK dann schnell in den Schatten bringen, deren Kopf und Nacken mit feuchten Tüchern kühlen und ihr ausreichend Flüssigkeit verabreichen. Bessern sich die Beschwerden nicht rasch, den Notruf wählen.
Die wichtigste Regel bei reglosen Personen
- Prüfen – Reagiert die Person? Wenn nicht, dann:
- Rufen – Sofort den Notruf 144 wählen. Hier bekommt man auch via Telefon die Erste-Hilfe-Maßnahmen angeleitet.
- Drücken – Atmet die Person nicht normal, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.








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