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Regional, lokal und zukunftsorientiert: Energie wird im Sterngartl-Gusental auch gemeinschaftlich genutzt

Mag. Jacky Stitz, 28.06.2024 12:40

BAD LEONFELDEN. Strom aus Sonne, Wind und Wasser hat bei regionaler Nutzung einen Kostenvorteil. Um diesen auch nutzen zu können wurde das Leader-Projekt „EEG Sterngartl-Gusental“ ins Leben gerufen. Derzeit sind acht Energiegemeinschaften und fünf gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (150 Erzeuger und 400 Verbraucher) in Betrieb. Weitere befinden sich gerade in der Gründungsvorbereitung.

Erneuerbare Energiegemeinschaften in der Region sind ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Energiewende. (Foto: Symbolfoto: stock.adobe.com/AHatmaker/Anna Czapnik)

Warum Regionalentwicklung mit Hilfe von Leader-Projekten nicht wegzudenken ist, zeigt die Erfolgsbilanz der letzten und auch aktuellen Förderperiode in der Region Sterngartl-Gusental. 70 Projekte mit dem Fokus auf Innovation, Kooperation, Nachhaltigkeit und Regionalität wurden in der Förderperiode 2014 bis 2023 bewilligt und umgesetzt. Viele weitere Projekte wurden zudem durch das Büro unterstützt. Rund fünf Millionen an Gesamtkosten wurden von Gemeinden, Vereinen und Betrieben in regionale Projekte investiert. Knapp drei Millionen Euro an Förderung wurden dafür von EU, Bund und Land OÖ zur Verfügung gestellt.

Leuchtturmprojekte im Bezirk Urfahr-Umgebung

Regionale Leuchtturmprojekte wie die Mountainbike-Region Sterngartl Gusental, Kooperationen mit Südböhmen und vor allem das regionale Projekt über die Erneuerbaren Energien wurden zusätzlich in Leader ausgearbeitet und umgesetzt. Hervorzuheben sind dabei die seit 2023 gesetzten Aktivitäten zur Gründung „Erneuerbarer Energiegemeinschaften (EEG)“ im Bezirk Urfahr-Umgebung.

Vorzeigeprojekt “EEG” im Sterngartl Gusental

Das 2023 gestartete Projekt „Erneuerbare Energien Sterngartl Gusental“ ist ein Best-Practice Beispiel, welches durch die Gemeinschaftsinitiative der EU, des Bundes und des Landes OÖ ermöglicht wird. Know-how und Expertise werden in die Region gebracht und es wird ein wertvoller Beitrag zur Energiewende geleistet. Gemeindeübergreifend wird seit dem Vorjahr die Entstehung sogenannter „Erneuerbare Energie-Gemeinschaften“ (EEG) unterstützt.

„Mit diesen Überlegungen, EEG-Gründungen zu unterstützen, lagen wir goldrichtig. Sowohl zeitlich als auch inhaltlich”, betont der Leader-Obmann und Bürgermeister von Alberndorf Martin Tanzer. Bad Leonfeldens Bürgermeister Thomas Wolfesberger ergänzt: “Mit dem Modell einer Arge fanden wir zudem ein Format, das die künftige weitere Bearbeitung ermöglicht.” Die Projektleiter Herman Reingruber und Andreas Drack sind sich einig:  “Die Leader-Region begleitet mit umfassenden Maßnahmen und Tools, wie etwa dem digitalen Werkzeugkoffer, den Gründungsprozess und steht auch im Nachgang beratend zur Seite, zum Beispiel in Form von Arge-Treffen.” Das ist wichtig für die Weitergabe relevanter Informationen wie Gesetzesnovellen, steuerliche Veränderungen und vielem mehr. Damit wird sichergestellt, dass gründungsinteressierte Personen, EEG-Gründer und auch Mitglieder von bestehenden EEG die jeweils für sie wichtigen Informationen kennen und zudem der Austausch gefördert wird.

Die beiden Bürgermeister Tanzer und Wolfesberger ziehen am gleichen Strang: “Kooperieren statt konkurrieren, mit unseren Experten Klarheit in das komplexe Thema Erneuerbare Energiegemeinschaften und relevante News unter die Leute bringen. Genau deshalb sind regelmäßige Treffen so wichtig.”

Ein bedeutender Aspekt sind die zugänglichen Veranstaltungsformate in den Mitgliedsgemeinden. Neben den Arge-Treffen haben sich Info-Abende und Gründungs-Workshops bewährt, die von der Leader-Region gemeinsam mit den jeweiligen Gemeinden organisiert und durchgeführt werden.

Aktive Beratung

“Wer an der Teilnahme oder Gründung einer lokalen Energiegemeinschaft und somit gemeinsamen Stromproduktion interessiert ist, soll möglichst einfach über alle relevanten Schritte informiert und zudem mit anderen Interessierten vernetzt werden”, so die Geschäftsführerin Martina Birngruber.

Nach der Evaluierung des Versorgungsbereichs (lokal oder regional) der jeweiligen EEG gibt es Unterstützung beim Finden von EEG-Mitgliedern und für eine begrenzte Zahl an Initiativen komplette Unterstützung und Begleitung von der Gründung bis zum Vollbetrieb der EEG. Nicht zu vergessen die Vernetzungs- und Schulungsaktivitäten für lokale Gründungsinitiativen. Dabei geht es auch um aktive Beratung, Hilfe bei der Verrechnung und das zur Verfügung stellen von relevanten Vereinbarungen und Leitfäden für die Energiegemeinschaft und ihre Teilnehmer. Die wichtigsten Informationen werden auf der Website bereitgestellt.

„Das Fachgebiet der EEG ist neuartig, das Interesse seitens der Bevölkerung an der Produktion und Nutzung von klimaneutralem Strom groß. Wichtig ist, die Denkweise der Bevölkerung vom einfachen Konsumenten hin zum Mitglied einer Energiegemeinschaft zu vermitteln, gleichzeitig für die EEG-Betreiber alle relevanten  Aspekte – Netzgebühren, Steuern und sich dynamisch entwickelnde rechtliche Rahmenbedingungen – im Blick zu behalten. Das stärkt die Sicherheit der EEG-Funktionäre, und so gelingt die Umsetzung Schritt für Schritt, Gebiet für Gebiet”, so Projektleiter Hermann Reingruber.

Regional und lokal und gemeinschaftlich im Bezirk energietechnisch unterwegs

Ein wichtiger Ansatz zur Steigerung der Wertschöpfungseffekte bei der Erzeugung erneuerbarer Energie ist die lokale Nutzung in der Region durch Erneuerbaren Energiegemeinschaften. Strom aus Sonne, Wind und Wasser hat bei regionaler Nutzung einen Kostenvorteil. Um diesen nutzen zu können wurde ein Leader-Projekt “EEG Sterngartl-Gusental” umgesetzt bzw. folgende Zwischenziele erreicht:

Seit dem Projektstart wurden elf regionale Versorgungsgebiete beschrieben. Weiters wurden 88 lokale Versorgungsgebiete recherchiert und beschrieben. (Anmerkung: Lokale EEG sind durch einen gemeinsamen Transformator definiert

Regional: drei regionale EEG sind in Betrieb (von einem Umspannwerk versorgt) und zwar an folgenden Standorten: Stern EEG (in Vorderweißenbach, Bad Leonfelden bis Rohrbach); Infos dazu: https://www.stern-eeg.at/ sowie Ho(a)rst Nord bzw Ho(a)rst Süd - Infos auf   https://stromvonhorst.at/

Lokal: fünf lokale EEG sind in Betrieb (um einen Transformator) und zwar an folgenden Standorten: Burgfeld-Stifterstraße (Gallneukirchen), Linzerberg-Holzwiesen (Engerwitzdorf), Schweinbach Zentrum (Engerwitzdorf), Volksbankbau-Lederergasse (Gallneukirchen), Stadt Bad Leonfelden

21 Interessenten gibt es derzeit für weitere EEG-Gründungen.

Gemeinschaftlich: sechs gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA) sind in Betrieb, etwa in Gallneukirchen und Ottensheim. Einige weitere GEA (etwa in Zwettl, Gallneukirchen und Linz) befinden sich in Begleitung.

In den schon gegründeten Erneuerbaren Energiegemeinschaften sind rund 400 Verbraucher und 150 Erzeuger aktiv. 550.000 kWh Strom wurden bereits in wenigen Monaten ausgetauscht.

Wertschöpfung in der Region sichern

Die 17 Gemeinden der Region Sterngartl-Gusental benötigten zum Projektstart mindestens  5.300 MWh Strom in 485 Liegenschaften.  Demgegenüber sind im Projektgebiet errichtete bzw. geplante Photovoltaik-Anlagen in Gemeindebesitz mit zusammen 1.700 MWh Jahresproduktion an 71 Standorten verfügbar. Etwa ein Fünftel des öffentlichen Bedarfs der Gemeinden, also rund 1.000 MWh, könnten bereits jetzt direkt über EEGs ausgetauscht werden.

Bei den 21.800 Haushalten der Region ist ein Strombedarf von etwa 118.000 MWh zu erwarten, 30.000 MWh könnten aus regionalem Sonnenstrom direkt genutzt werden. Entsprechend dem Mühlviertler Ressourcenplan wurde ein aktueller Gesamtbedarf von 285.000 MWh an elektrischer Energie abgeschätzt.

Wenn das regionale Austauschpotential alleine für Sonnenstrom im Bereich von 80.000 MWh liegt, wurden mit den bestehenden Initiativen erst 0,7 Prozent des Potentials erreicht. „Da ist noch viel zu tun, gleichzeitig zeigen diese Kennzahlen ganz klar auf, wohin die Reise auch künftig gehen soll und wird”, so Andreas Drack.

Zusätzlicher Windstrom könnte das regionale Versorgungspotential heben. Nur durch regionale Stromproduktion lässt sich in Zukunft die hohe Abhängigkeit von fossilen Energieträgern vermeiden. Derzeit werden durch PV, Wind, Biogas und Kleinwasserkraft ca. 100 GWh an erneuerbarem Strom in der Region erzeugt. Der Zuwachs bei der Stromerzeugung kann in der Region vorwiegend durch den Ausbau von Photovoltaik erfolgen.

Errichtungsflächen

Am einfachsten erreichbar sind private oder gewerbliche Dachflächen, hier ist die Eigennutzung relevant. Im Geschosswohnbau (Eigentum, Miete) ist wegen der komplexen Verfügungsstruktur Unterstützungsbedarf gegeben, es bieten sich externe Errichter und Betreiber an (z.B. eine Genossenschaft als Errichter und Betreiber einer GEA). Maßgeblich für die wirtschaftliche Attraktivität sind selbstverständlich Bürgerbeteiligung und Nutzung vor Ort. Für große Flächen auf Dächern (Öffentliche, Gewerbliche, Versiegelte z.B. Parkflächen) kann mangelnde Kapitalausstattung oder geringe Wirtschaftlichkeit als Volleinspeiser hinderlich sein, auch hier kann die Kombination von Bürgerbeteiligung und Erneuerbare-Energie-Strukturen unterstützend wirken. Die Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, Einspeisekapazitäten bereitzustellen.

Über die Region Sterngartl-Gusental 

Die Region Sterngartl-Gusental reicht vom Norden der Landeshauptstadt Linz bis zur Grenze nach Tschechien im Norden. Auf einer Fläche von rund 453 Quadratkilometern erstrecken sich 17 Gemeinden (Gusental: Alberndorf, Altenberg, Engerwitzdorf, Gallneukirchen; Sterngartl: Bad Leonfelden, Haibach, Hellmonsödt, Kirchschlag, Oberneukirchen, Ottenschlag, Reichenau, Reichenthal, Schenkenfelden, Sonnberg, Vorderweißenbach, Zwettl, Steyregg) mit 53.800 Einwohnern. Weitere Infos: https://www.sterngartl-gusental.at/


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