Jugendbande ausgeforscht – weitere Opfer gesucht
BEZIRK VÖCKLABRUCK. Bei umfangreichen Erhebungen durch Beamte der Polizeiinspektionen Vöcklabruck und Timelkam in Zusammenarbeit mit dem Kriminaldienst des Bezirkspolizeikommandos Vöcklabruck konnte eine Serie schwerwiegender Straftaten von insgesamt sechs Jugendlichen geklärt werden.

Unter anderem wurden schwerer Raub, Raub, Sexualdelikte, gefährliche Drohungen, illegaler Waffenbesitz, Unterschlagung, schwere Nötigung, Körperverletzung und Delikte nach dem Suchtmittelgesetz geklärt. Die Jugend-Gruppe war seit Anfang 2022 regelmäßig, jedoch in verschiedenen Konstellationen, unterwegs und beging dabei die Straftaten.
Seit Anfang Mai war es in den Nachtstunden in Timelkam vermehrt zu Vorfällen gekommen, wo stark alkoholisierte jugendliche Personen „abgezogen“ oder ausgeraubt wurden. Drei Jugendliche im Alter zwischen 16 und 17 Jahren wurden festgenommen und in die Justizanstalt Wels eingeliefert. Eine Vielzahl an Anzeigen erging an die Staatsanwaltschaft Wels.
Auszug aus den strafbaren Handlungen der Gruppe:
- Ein 16-Jähriger bedrohte einen 19-Jährigen bei einer Suchtmittelübergabe mit einer Schreckschusspistole. Gegen den Täter wurde ein vorläufiges Waffenverbot ausgesprochen.
- Zwei 16-jährige Täter bedrohten zwei 20-jährige alkoholisierte Opfer mit Schlägen, um ihnen den Schlüsselbund bzw. ein Handy abnehmen zu können. Mit dem erbeuteten Schlüssel wollten sie das Auto des Opfers unbefugt in Gebrauch nehmen. Gegen beide Beschuldigte bestand zu diesem Zeitpunkt bereits ein behördliches Waffenverbot.
- Drei Verdächtige im Alter von 16 bis 18 Jahren raubten gemeinsam einem 17-jährigen Alkoholisierten die Geldbörse, indem zwei Beteiligte das Opfer festhielten und der Dritte die Geldbörse aus der Hosentasche entnahm. In weiterer Folge kauften die drei Beschuldigten mit der Bankomatkarte des Opfers elf Packungen Zigaretten. Bei den Erhebungen konnten bei zwei der Beschuldigten verbotene Waffen und Suchtmittel sichergestellt werden.
- Die beiden 16-jährigen Verdächtigen fanden in einem Park in Vöcklabruck eine zuvor verlorene Geldbörse eines 31-Jährigen. Anstatt diese abzugeben, unterschlugen die beiden die Geldbörse und verübten eine Vielzahl an Anschlussdelikten. Unter anderem kauften sie mit der Bankomatkarte des Opfers Zigaretten und versuchten mit den Bankomatkartendaten des Opfers eine Internet-Bestellung. Auch wurde von einem Beschuldigten der in der Geldbörse befindliche Führerschein des Opfers missbräuchlich verwendet.
- Ein 19-Jähriger verabredete sich mit einem gleichaltrigen 19-jährigen afghanischen Staatsbürger in Vöcklabruck, um Cannabis anzukaufen. Zwei 16- bzw. 17-Jährige der Gruppierung kamen zufällig zu diesem Treffen hinzu. Bei dem geplanten Suchtgiftgeschäft entstand ein Streit zwischen den Beteiligten und der vermeintliche Dealer bedrohte den 19-Jährigen verbal und mit einer Schreckschusspistole. Der 19-jährige Österreicher wurde durch mehrere Faustschläge leicht verletzt.
- Ein 17-jähriger afghanischer Staatsbürger sowie ein 16-Jähriger raubten auf einem Festgelände in Vöcklabruck einem 16-Jährigen seinen zuvor bei einem Verkaufsstand erworbenen „Hut“ unter Anwendung von widerrechtlich mitgeführten Waffen (Einhandklappmesser, Butterfly…). Gegen beide Täter bestand bereits vor der Tat ein behördliches Waffenverbot. Der 16-Jährige führte bei dieser Tat insgesamt drei Messer mit sich. Wenige Minuten nach dieser Tat bestahlen die beiden Täter, sowie der nun zu dieser Gruppierung dazu gestoßene 16-Jährige einen 19-Jährigen, indem sie diesem seine ebenfalls kurz zuvor erworbene Sonnenbrille nahmen. Als das Opfer seine Sonnenbrille zurückforderte, zerstörte der 17-Jährige die Brille mit Fußtritten. Durch die Sicherstellung sowie der Auswertung des Mobiltelefons des 16-Jährigen kann dieser mit weiteren strafbaren Handlungen in Verbindung gebracht werden: Er hatte Anfang des heurigen Jahres seinen 18-jährigen Arbeitskollegen in deren Arbeitsstelle in Vöcklabruck des Öfteren mit einer Schreckschusspistole bedroht.
- Der 17-Jährige steht außerdem im Verdacht, über einen Instant-Messaging-Dienst Anfang 2020 Kontakt zu einem zehnjährigen Mädchen aufgenommen und sich Nacktfotos von dieser verschafft zu haben. Ende Jänner 2022 soll der 17-jährige Afghane das zu diesem Zeitpunkt bereits zwölfjährige Mädchen abermals kontaktiert und unter Androhung zur Herstellung von pornografischen Darstellungen genötigt zu haben. Aus Angst übermittelte das Mädchen insgesamt drei Videos.
- Auch der 15-jährige Bruder des Afghanen stand in direktem Kontakt zu der Zwölfjährigen und verschaffte sich ebenfalls Inhalte mit pornografischem Hintergrund von ihr. Im Zuge der Ermittlungen wurden auch die Mobiltelefone der beiden Afghanen vorläufig sichergestellt und ausgewertet. Hierbei kam es zur Aufklärung weiterer Straftaten des 17-jährigen Afghanen. Unter anderem war dieser in Besitz von „Kinderpornos“ und solche wurden von ihm auch an Dritte weitergeschickt. Weiters konnten auch Chatverläufe festgestellt werden, welche ihn mit der Fälschung von Covid19-Testzertifikaten in Verbindung brachten.
Kein Motiv, kein Schuldbewusstsein
Bei den Gesamterhebungen wurde bekannt, dass die jugendliche Gruppierung definitiv über kein Unrechtsbewusstsein verfügt und diverse Straftaten sowie damit verbundenen Folgen teilweise als „normal“ oder „egal“ empfindet. Klare Motive für die Taten konnten nicht eruiert werden. Das Mitführen von Waffen sei üblich und behördlich auferlegte Waffenverbote seien sowieso lächerlich.
Weitere Opfer solcher strafbaren Handlungen, die bislang noch keine Anzeige erstattet haben, melden sich bitte bei der Polizeiinspektion Timelkam unter Tel. 059133/4176.


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