Oberösterreicher versuchen die Modeindustrie nachhaltiger zu gestalten

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Marlis Schlatte Tips Redaktion Marlis Schlatte, 28.01.2022 12:32 Uhr

OÖ/LINZ/VÖCKLABRUCK/EFERDING. Durchschnittlich kauft eine Person 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Zu viel, wenn man sich die umweltbelastende Produktion und die Ausbeutung der dafür arbeitenden Menschen im globalen Süden vor das Auge führt. Das Ökosoziale Forum OÖ lud vergangenen Dienstag, 26. Jänner zur Online-Veranstaltung „Von Fast bis Fair Fashion: Welche Mode ist tragbar?“ ein. Ist Nachhaltigkeit in der Kleiderproduktion möglich?

Täglich werden Unmengen an Wasser verbraucht, CO2 produziert und umweltschädliche Chemikalien verwendet, um Kleidung herzustellen, die meist nur eine kurze Lebensdauer hat. Lisa Panhuber, Greenpeace-Aktivistin, kritisiert das Prinzip der „Wegwerfmode“ scharf. Diese Kleidung werde oft mit der Absicht produziert, sie nur einmal zu tragen und dann wieder wegwerfen zu können, da sie im Geschäft zu Billigstpreisen zu erwerben ist. Teilweise werde dies sogar in der Werbung propagiert. Die weggeworfene Kleidung wird dann in den globalen Süden ausgelagert, sodass riesige Berge an Textilmüll in diesen Ländern entstehen. Ein großes Problem ist hier beispielsweise die billig produzierte Polyester-Kleidung, die einen besonders schädlichen Einfluss auf die Umwelt hat: Denn mit jedem Waschgang gelangt mehr und mehr Mikroplastik in das Wasser.Aufgrund von Überproduktion oder sich nicht verkaufenden Designs kommen Waren teilweise auch gar nicht erst beim Konsumenten an, sondern werden von vornherein weggeschmissen und ausgelagert.

Recycling ist keine Lösung

Der Begriff Greenwashing fällt immer häufiger im Zusammenhang mit Modelabels, die besonders nachhaltige Konzepte und Kollektionen bewerben. Denn häufig ist die Kleidung gar nicht so nachhaltig, wie den Konsumenten vorgegaukelt wird. Zu erkennen ist das vor allem am Preis und wie transparent das jeweilige Unternehmen mit Informationen zur Produktion handelt.Das hochgelobte Recycling stellt in der Modewelt leider auch nicht die Lösung für das schwerwiegende Problem dar, wie Lisa Panhuber erklärt. Zum einen stelle es eine große Herausforderung dar, Kleidung zu designen, die aus recycelten Fasern hergestellt werden kann. Außerdem könnten derzeit nur für drei Prozent eines Kleidungsstücks recyceltes Material hergenommen werden. Was ist also dann die Lösung? Lisa Panhuber sieht folgenden Weg, um aus dem Dilemma zu kommen: „Die Lösung ist, dass wir versuchen, das Modell zirkulärer aufzubauen. Das heißt, dass wir Dinge viel länger verwenden müssen und sie erst ganz am Ende, wenn wir sie schon lange genutzt haben, recycelt werden.“ Vor allem aber fordert sie Gesetze und Regelungen seitens der Politik, damit derartige Umweltvergehen künftig vermieden werden können.

Fair produzierte Mode aus Linz

Der derzeitigen katastrophalen Situation versuchen jedoch einige Unternehmen aus Oberösterreich entgegenzusteuern und Mode umweltfreundlicher zu gestalten. Ein Beispiel ist das Linzer Modelabel „Vresh“, das bereits 2012 gegründet wurde. Michaela Gahleitner, Klaus Buchroithner und ihr Team wollen mit dem nachhaltigen Label darauf aufmerksam machen, wie viel Arbeit hinter einem einzelnen T-Shirt steckt und dass sich die Billigstpreise vieler Modeketten für wirklich umweltfreundlich produzierte Kleidung einfach nicht ausgehen können. Die „Vresh“-Mode wird gänzlich in Portugal produziert. Die Produktionskette, weg von der Stoffproduktion bis hin zur Wäscherei und Verpackung, besteht aus kleinen Familienbetrieben, die sich alle in einem Umkreis von 50 Kilometern befinden. So wird verhindert, dass die Kleidungstücke nicht schon allein während der Produktion um die halbe Welt fliegen, bevor sie überhaupt zum Konsumenten gelangen. Zweimal jährlich wird eine neue Kollektion produziert, die online oder im eigenen Shop in der Tabakfabrik erworben werden kann. Die Gründer setzen vor allem auf faire Arbeitsbedingungen sowie nachhaltig produzierte Textilien. Unter anderem verwenden sie dabei Fasern von der oberösterreichischen Firma Lenzing AG.

Fasern aus Holz und faire Mode aus Asien

Im Gegensatz zu gängigen Materialien, wie Baumwolle oder Polyester, stellt die Firma Lenzing AG Fasern aus Holz unter den Markennamen „Tencel Lyocell“ und „Tencel Modal“ her. Als Produzent hat man eine gewisse Verantwortung, wie Caroline Ledl, Head of Product Management Textiles, erklärt: „Wir nutzen Holz als Rohstoff. Das alleine reicht uns aber nicht. Unsere Verantwortung geht natürlich weiter: Das heißt für das von uns genutzte Holz haben wir Zertifikate und es wird kein Regenwald abgeholzt. Die Kreislaufwirtschaft ist für uns ein sehr wichtiges Thema. Unsere Produkte sind biologisch abbaubar.“ Mikroplastik kann durch die Holz-Fasern hier also gänzlich vermieden werden.

Auch in Eferding trifft man auf nachhaltig produzierte Mode. „Fairytale“ Gründerin Ingrid Gumpelmaier-Grandl geht hier allerdings mit einem anderen Ansatz vor. Sie will die Entwicklungszusammenarbeit in der Textilproduktion fördern und globale Fairness schaffen. Die Produktion in Asien habe natürlich zurecht einen schlechten Ruf, jedoch dürfe man die Arbeiter dort nun nicht im Stich lassen, wie sie zu bedenken gibt. Für ihr Modelabel arbeitet Gumpelmaier-Grandl mit kleinen Produktionsstätten in Nepal zusammen. Seit 12 Jahren besucht sie immer wieder das Land, um vor Ort gemeinsam mit den Bewohnern eine faire Arbeitsumgebung zu schaffen und ihnen eine langfristige, konstante Arbeitsanstellung zu ermöglichen. Abschließend appelliert sie: „Man zieht jeden Tag Gewand an - und kann damit jeden Tag eine Entscheidung für unsere Umwelt treffen!“

Ökosoziales Forum OÖ: www.oekosozial.at/oberoesterreich/

Vresh Linz: www.vresh-clothing.com/

Fairytale Eferding: www.fairytale-fashion.at/

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