Humor zählt: 75 Jahre Paixhanslia an der Vechlapruggen
VÖCKLABRUCK. Was verbindet den Komponisten Anton Bruckner, den Juristen und Mundartschriftsteller Rudolf Jungmair und den Dichter Franz Stelzhamer? Alle drei waren Mitglieder der Organisation „Paixhanslia an der Vechlapruggen“ – des drittältesten Vereins in Vöcklabruck. Der feierte am 9. Dezember mit internationalen Gästen sein 75-jähriges Bestehen.

Gegründet wurde der Verein bereits 1855 von der Unternehmerfamilie Braun und tat sich ursprünglich als Kulturträger und Organisator großer Veranstaltungen in der Stadt hervor. 1949 schloss er sich dem Bund der Schlaraffen an und seither spielt sich das Vereinsleben hinter den Türen der „Burg“, eines rund 400 Jahre alten Kellergewölbes im Stadtzentrum, ab.
Mit ihren Gepflogenheiten und Ämtern beziehen sich die Mitglieder auf die Zeit der Ritter – und da diese ausschließlich männlich waren, sind auch die „Ritter“ der Paixhanslia nur Männer. Gefochten werden allerdings Wortduelle, gerüstet sind die Kontrahenten mit der feinen Klinge verbaler Spitzfindigkeiten. Am besten dran ist der „Hofnarr“, der wie sein historisches Vorbild alles und jeden auf die Schaufel nehmen darf. Religion und Politik müssen allerdings als Tabuthemen außen vor bleiben.
Verbindende „Uniform“ sind Helm und Schärpe. In ihren Zusammenkünften, den „Sippungen“, bedienen sich die Vereinsmitglieder einer Kunstsprache, gemischt mit Ausdrücken aus dem Althochdeutschen. Zurück im „richtigen Leben“, sind die rund 40 Mitglieder des Vöcklabrucker „Reiches“ Vertreter aller Berufsgruppen, vom Unternehmer bis zum Automechaniker, aus dem ganzen Bezirk. Ihre Ritternamen nehmen auf ihren Lebensalltag Bezug: Anton Bruckner war „Ehrenschlaraffe Credo“, Stelzhamer „Ehrenschlaraffe Piesenham“ nach seinem Herkunftsort.
Die Treffen, also „Sippungen“, finden ausschließlich im Winter statt – im Sommer trifft man sich auch mit den Frauen.
Bleibt noch die Frage nach der Bedeutung des Vereinsnamens Paixhanslia. Er bezieht sich auf eine historische Kanone namens „Paixhans“, so benannt nach ihrem Erfinder Henri Joseph Paixhans. „Militärisch sind wir aber ganz und gar nicht unterwegs!“ betont „Kanzler“ Herbert Sturm, im Vereinsleben „Ritter Emsig“ genannt. „Geschossen“ wird nur auf Scheinheiligkeit, Trübsal und vor allem Humorlosigkeit.


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