Beim Gehen in der Natur der Trauer Raum geben
BEZIRK. Der Verein „Spuren im Leben„ bietet ab April in den Pilotregionen Vöcklabruck und Gmunden kostenlose TrauerGEHspräche für Betroffene nach einem Schwangerschaftsabbruch an. Bei einem gemeinsamen Spaziergang in freier Natur kann das Thema anonym und vertraulich aufgearbeitet werden.

Der Verein „Spuren im Leben“ wurde vor rund 20 Jahren von Frauen gegründet, die selbst einen Schwangerschaftsabbruch hatten und denen damals sehr viele wichtige Informationen gefehlt hatten. Ziel des Vereins ist es, Frauen sowie Männer zu ermutigen, sich vor dem Eingriff umfassend mit dem Thema zu beschäftigen, Beratung aufzusuchen und sich zu öffnen bzw. nach einem Abbruch, das Geschehene so gut wie möglich aufzuarbeiten.
Trauern fällt vielen schwer
Viele können das Ungeborene nach einem Abbruch nicht betrauern. Selbstvorwürfe, gesellschaftliche Stigmatisierung etc. verhindern oder erschweren, dass Frauen, Männer oder Paare über ihren Verlust und Schmerz frei sprechen können. Die Aussage „Selber Schuld“ greift hier viel zu kurz, denn es gibt immer einen ganz persönlichen Grund, warum sich eine Frau nicht in der Lage sah, ein Kind zu bekommen.
„Beim Gehen fällt vieles leichter“
Vereinsmitbegründerin Birgit Hermanutz ist eine gebürtige Gmundnerin und lebt aktuell im Bezirk Vöcklabruck. „Die Idee kam nach meiner Ausbildung in Lebens-, Trauer- und Sterbebegleitung und der eigenen Erfahrung, dass es sehr schwierig ist über dieses Thema mit jemanden zu reden. Beim Gehen fällt vieles leichter, die Natur bietet einen geschützten Rahmen, man fühlt sich freier, um über schwierige Themen sprechen zu können“, erzählt Hermanutz.
Keine Vorgaben für das GEHspräch
Bei jedem TrauerGEHspräch wird ein individueller Zeit- und Treffpunkt für den Spaziergang zu zweit vereinbart. Dieser dauert etwa eine Stunde; für das Gespräch gibt es keine Vorgaben. „Die Natur gibt uns Kraft, sie weitet unsere Sicht auf die Dinge und schenkt Geborgenheit, um leichter auf schwierige Themen zu blicken und vielleicht darüber sprechen zu können. Es ist auch möglich, schweigend zu gehen oder ein gemeinsames Ritual zu finden, um die eigenen Gefühle zu ordnen. Vielleicht ist auch es eine Hilfe zu wissen, dass die Begleiterin selbst ähnliches erlebt hat“, so Birgit Hermanutz.
Vernetzung mit Beratungsstellen und Therapeuten
Neben den TrauerGEHsprächen vermittelt der Verein auch weiterführende Unterstützungsmöglichkeiten wie z.B. Beratungsstellen, Psychotherapie oder Kurse zur Aufarbeitung eines Abbruches. Birgit Hermanutz: „Es ist enorm wichtig, dass sich Frauen oder Männer diese Trauer um ihr ungeborenes Kind nicht versagen, sondern sie ausleben. Geschieht das nicht, kann es zu Depressionen und psychosomatischen Störungen kommen. Es kann auch helfen, dem ungeborenen Kind einen Namen zu geben und ihm als Teil der eigenen Lebensbiografie einen Platz einzuräumen“.
Eine individuelle Terminvereinbarung mit Birgit Hermanutz ist unter 0650 6036770 möglich. Weiterführende Informationen gibt es unter: https://www.spuren-im-leben.at/

