Paracycling-Europameisterschaft: Aus regionalem Event wird internationale Veranstaltung
SCHWANENSTADT. 2013 fiel der Startschuss einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Dietmar Ematinger und Walter Mayrhuber. Die beiden Oberösterreicher schafften es, eine kleine Veranstaltung mit 40 Teilnehmern in ein internationales Radsportevent zu verwandeln. Bei den Sparkasse UEC Paracycling European Championships presented by Lenzing AG sowie der Upper Austria Cycling Tour können von 25. bis 29. Mai unter anderem in Schwanenstadt Behinderten- und Breitensportler ihr Können zeigen.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Union Behindertensportvereins (UBSV) Attnang-Vöcklabruck im Jahr 2013 wurde die Idee einer Paracycling-Veranstaltung ins Leben gerufen. UBSV-Obmann Dietmar Ematinger und Walter Mayrhuber vom ASVÖ ÖAMTC X-Treme Triathlon Schwanenstadt schafften es gemeinsam, ein Inklusionsevent für den Behinderten- und den Breitensport auf die Beine zu stellen. „Das Event ist bei den Paraathleten auf Anhieb sehr gut angekommen. Der seinerzeitige Paracycling-Referent Christian Peter und der jetzige Paralympicssieger Walter Ablinger sind auf uns zugekommen, um die Veranstaltung auf internationale Beine zu stellen. Die österreichischen Teilnehmer sollten so die Möglichkeit bekommen, im eigenen Land wichtige internationale UCI-Punkte sammeln zu können“, erinnert sich Dietmar Ematinger an die Anfänge zurück.
Entwicklung zur internationalen Rundfahrt
Und so wurde bereits 2014 die erste Union Cycliste Internationale (UCI) Oberösterreich Paracyclingtour veranstaltet. Jahr für Jahr folgte eine internationale Rundfahrt für alle Behindertensportklassen in Oberösterreich. Die Etappenorte wurden dabei jedes Jahr aufs Neue adaptiert und angepasst. Aufgrund der Arbeit von Mayrhuber und Ematinger konnte sich das Team für die erste Union Européenne de Cyclisme (UEC) Paracycling Europameisterschaft bewerben. Nach der coronabedingten Absage 2020 freute man sich ein paar Monate später über die Zusage der Sparkasse UEC Paracycling European Championships presented by Lenzing AG für die Jahre 2021 und 2022. „Waren beim Auftaktevent 2013 rund 40 Teilnehmer am Start, konnten wir bei den letzten drei Veranstaltungen bereits rund 120 bis 150 Teilnehmer aus vier Kontinenten bei uns begrüßen“, freut sich Mayrhuber.
Persönliche Erfahrungen
Ematinger leidet seit seiner Geburt an Gelenksversteifungen an allen Extremitäten. „Wenn man mit einem Handicap leben muss, werden einem oftmals Steine in den Weg gelegt. Deshalb ist es umso wichtiger, stets das Beste daraus zu machen und auch die Initiative zu ergreifen“, ist er überzeugt. Ematinger greift auf wertvolle Erfahrungen im Behindertensport zurück. Anfangs widmete er sich voll und ganz den Laufbewerben in der Leichtathletik. 1984 qualifizierte er sich für die Olympischen Spiele für Menschen mit Behinderung (heute Paralympische Spiele), bei denen er aufgrund einer Verletzung dann aber nicht starten konnte. Anschließend wechselte er zum Motorsport und bestritt Tourenwagenrennen.
Engagement im Behindertensport
Auch nach seiner aktiven Sportlerlaufbahn engagiert sich Ematinger stark im Behindertensport. Seit mittlerweile 25 Jahren ist er Obmann des UBSV Attnang-Vöcklabruck. Er schaffte es, den Verein immer bekannter zu machen und für starken Zulauf in Sachen Mitglieder zu sorgen. Durch seinen Beruf als Portier bei der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck konnte er wichtige Kontakte knüpfen. Ematinger erzählt: „Bei mir mussten immer alle Bürgermeister aus dem Bezirk vorbei, wenn sie auf der BH zu tun hatten. Diese Bekanntschaften haben uns natürlich gerade zu Beginn der Paracyclingveranstaltungen bei den Verhandlungen mit den teilnehmenden Gemeinden geholfen.“
Erfahrungen in der Radeventorganisation
Auf der anderen Seite steht mit Mayrhuber ein Kenner der Radsportszene. Im Juniorenalter war er selbst als Radrennsportler aktiv unterwegs. Im Alter von 25 Jahren entschied sich der Schwanenstädter dann aber für den Beruf und gegen den Profisport. Auch er wechselte bereits in frühen Jahren in die Funktionärsebene und übernahm unmittelbar nach seinem aktiven Rücktritt die Funktion des Sektionsleiters. Kurze Zeit später gründete er einen eigenständigen Verein und organisierte hochkarätige Radsportveranstaltungen für den Nachwuchs- und Elitebereich. Zu den Highlights zählten unter anderem die Dreifach-Staatsmeisterschaften im Bergrennen, Zeitfahren und Straßenrennen oder internationale Rennen wie der Giro di Festina. Mayrhuber sagt: „Die großen internationalen Dopingskandale haben es uns anschließend richtig schwer gemacht, Radrennen zu veranstalten. So waren es zwischenzeitlich eher kleiner Veranstaltungen, ehe mich Dietmar angesprochen hat, die Paracyclingveranstaltung gemeinsam auf die Beine zu stellen.“
Das Gemeinsame im Mittelpunkt
Mayrhuber brennt seither für das Inklusionsevent. Neben den Paraathleten wird bei der Upper Austria Cycling Tour auch dem Breitensport eine Bühne geboten. Während die Radsportler in den ersten Jahren an einzelnen Bewerben teilnahmen, wurde daraus 2021 eine echte Rundfahrt mit Vergabe von Führungstrikots. „Für mich ist das eine ganz besondere Veranstaltung. Behindertensportler wollen sich nicht abschotten, sondern mitten im Leben stehen. Deshalb ist es so wichtig, den Behindertensport und den Breitensport zusammenzuführen. Dietmar und ich hatten die Idee und den Wunsch, den Sport nicht nur für gewisse Gruppen zugänglich zu machen, sondern wir sehen immer das Gemeinsame. Ich denke, das ist uns sehr gut gelungen“, erläutert Mayrhuber.
Rennen in Schwanenstadt
Am 26. Mai finden in Schwanenstadt ab 13.05 Uhr die zweite Etappe der UAC Tour und ab 15 Uhr das Zeitfahren im Handbike statt.


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