Saubere Solidarität: Seife aus selbstverwalteter Fabrik als Weihnachtsgeschenk
VÖCKLABRUCK. Über Seifen aus einer von den Arbeitern selbstverwalteten Fabrik freuen sich zahlreiche Beschäftigte im Bezirk Vöcklabruck. Der ÖGB hat eine Solidaritätsaktion ins Leben gerufen, der sich zahlreiche Betriebsräte angeschlossen haben. So griff der ÖGB mit einer Großbestellung den Arbeitern im griechischen Thessaloniki unter die Arme. Die Seife, die aus biologischen Mitteln hergestellt wird, enthält folgende deutsche Aufschrift: „Die Seife, die du gerade in der Hand hast, wird von uns, den BIO.ME. Arbeitern hergestellt, die gegen Arbeitslosigkeit und Depression Widerstand leisten.“

Entstanden ist der Kontakt zu BIO:ME im Juni 2016. Einige Gewerkschafter aus Vöcklabruck besuchten die griechische Hafenstadt Saloniki. Bei ihrem Besuch kontaktierten sie Gewerkschafter und Aktivisten in der Umgebung. Die wirtschaftliche und soziale Situation in Griechenland ist zurzeit ziemlich schlecht und die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Deswegen ist es allerorts notwendig, mit privaten Initiativen die Armut zu lindern. Ob Suppenküchen oder kostenlose medizinische Versorgung – viele Menschen helfen zusammen, um das tägliche Leben meistern zu können.
Besonders beeindruckt waren die Vöcklabrucker eben von der Fabrik BIO.ME, die etwas außerhalb von Saloniki liegt. 2011 wurde die ehemalige Baustofffabrik von ihren Besitzern verlassen. Die Angestellten, die seit über einem Jahr unentlohnt waren, haben sie in der Folge besetzt. Nachdem Interventionen bei den Ministerien erfolglos geblieben sind, haben sie beschlossen, die Fabrik in Selbstverwaltung unter Arbeiterkontrolle weiter zu führen und biologische Putzmittel herzustellen.
„Wir arbeiten hier in der Fabrik, weil wir unsere Würde behalten wollen. Täglich eine Aufgabe zu haben und das Leben selbstbestimmt meistern zu können, ist für uns alle ein wichtiges Anliegen“, beschreibt ein Arbeiter seine Beweggründe, warum er bei dem Projekt dabei ist. Die Arbeiter verdienen nur wenig mehr als sie Arbeitslosengeld bekommen würden. In der Fabrik gibt es keinen Chef. Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen. Jeder muss grundsätzlich jede Arbeit machen und bekommt deswegen auch denselben Lohn.
ÖGB-Regionalsekretär Frederik Schmidsberger, der Teil der Reisegruppe war, erzählt: „Wir haben sofort gewusst, dass das eine Initiative ist, die wir unterstützen wollen. Zurück in Österreich, machten die Gewerkschafter Werbung für die Seife und es fanden sich im Kreis der BetriebsrätInnen im Bezirk Vöcklabruck etliche Abnehmer. Somit konnte eine Sammelbestellung von 2500 Stück Seifen Anfang November in Auftrag gegeben werden. Diese wurden rechtzeitig vor Weihnachten nach Österreich geliefert und an die Beschäftigten in den verschiedenen Firmen verteilt Die Betriebsräte sind begeistert von der Aktion, die auch bei ihren Kollegen großen Anklang gefunden hat. Es gibt einige Betriebsräte, die die Partnerschaft mit Saloniki ausbauen wollen. „Wir werden sehen, was die Zukunft bringt“, so Schmidsberger.


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