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WAIDHOFEN/THAYA. Lydia Dürr ist akademisch gebildete Malerin. Beim diesjährigen Artwalk Anfang September in Groß Siegharts hat sie ausgestellt, bei den Mitte Oktober stattgefundenen Tagen des offenen Ateliers war sie ebenso dabei. Tips traf die Vollblutkünstlerin an ihrem Arbeitsplatz. von ERICH SCHACHERL

Lydia Dürr beim Fotoshooting in ihrem Atelier. Foto: Schacherl
  1 / 6   Lydia Dürr beim Fotoshooting in ihrem Atelier. Foto: Schacherl

Das Atelier ist geräumig, lichtdurchflutet, charmant und stilvoll gebaut. Ein Lebenstraum, den sich die in Waidhofen geborene Malerin Lydia Dürr erfüllt hat. Vor zwanzig Jahren ist sie nach Lehr- und Ausbildungsjahren in Wien, Eisenstadt und im Südburgenland in das Haus ihrer Großeltern zurückgekehrt und hat Waidhofen zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht. Damals gab es das Atelier noch nicht, es entstand erst im Zeitraum späterer Jahre. Gleich nebenan ein blühender Garten, den die Künstlerin gut pflegt. Ein schönes Plätzchen.

Malerei als Lebenswunsch

In der Mittelschule sind bei ihr die ersten Gedanken und Gefühle aufgetaucht, sich intensiv mit Malerei zu beschäftigen. „Schlüsselerlebnis gab es keines“, erinnert sie sich. „Der Wunsch ist aus einem dumpfen, aber sehr bestimmten inneren Gefühl heraus entstanden.“ Ihr Interesse im Unterrichtsfach Bildnerische Erziehung wuchs, sie entwickelte die erste künstlerische Eigeninitiative. „Ich bin immer öfter nach der Schule und an den Wochenenden in die Natur gegangen, um zu zeichnen.“ Nach der Matura war klar, dass sie Malerei studieren wird. Sie schaffte die Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste und lernte in der Meisterklasse von Walter Eckert. Nebenbei bildete sie sich auch zur Lehrerin aus. Erfolgreicher Studienabschluss und ein Probejahr an einer Schule folgten. Eine wichtige Erfahrung. „In diesem Probejahr hat sich bewiesen, was ich ohnehin schon geahnt hatte, dass sich der Lehrberuf und mein Wunsch Malerin zu sein, nicht vereinbaren lässt.“ Also startete Dürr als 27-Jährige ihre Karriere als freischaffende Malerin.

Sprung ins kalte Wasser

„Ich habe mir damals gesagt, ich springe lieber gleich ins kalte Wasser. Ich habe das durchgezogen, weil es für mich die Vision war, bei der ich mich am wohlsten fühlte“, erzählt sie. Im Gegensatz zur finanziellen Sicherheit einer Lehrertätigkeit wählte sie die Unsicherheit eines Künstlerlebens. Noch dazu alleine mit einer Tochter im Kleinkindalter. Spannende und intensive Jahre kamen auf Lydia zu, die sie gut meisterte. Rückblickend schwärmt sie berührt von ihrem Mutterdasein und Tochter Anjoa, sieht viele schöne Momente ihres Künstlerlebens vor ihrem inneren Auge und erzählt interessante Geschichten. Anjoa ist mittlerweile 22 und studiert selbst. Die Entscheidung war richtig, denn Lydia fühlt sich als Künstlerin wirklich gut. „Und ich ziehe das jetzt auch noch durch, weil ich für mein Leben immer noch keine stärkere Alternative sehe.“

Leidenschaft

Wenn es zum Thema Pinsel, Farbe und Leinwand kommt, flackert in Lydia Dürr ein inneres Feuer auf. „Vor der Leinwand stehen und mit Farbe und Pinsel arbeiten, das ist ein Gefühl, das ich sonst nicht habe. Das ist die Intensität und Konzentration von allen Sinnen her. Vom Bauch her offen, vom Herz her offen und auch mit den Augen und dem Kopf da sein und irgendwie auch wieder nicht da sein in diesem Geistreich des Hintergründigen der Dinge. Es ist das Schönste, das ich erleben kann.“

Das Malen hat auch so etwas wie eine therapeutische Note. Für sie selbst, „weil ich durch die Malerei mehr in meine Mitte komme“, sinniert sie, wie auch für andere Menschen. „Deine Bilder sind eine Energiequelle für mich“, zitiert sie einen Sammler ihrer Kunst. Ein anderer Freund hat einmal gesagt, deine Bilder sind kein Spaziergang“, erinnert sie sich. „Vor der Leinwand stehe ich ohne Maske. Dabei spricht meine Seele und kommt in mir zum Vorschein. Das sehe ich dann unverblümt. Die selbe Wahrhaftigkeit verlangen die Bilder vom Betrachter.“

Gelernt hat sie in ihrer Ausbildung und über die Jahre des aktiven Tuns viel, ihre künstlerischen Lieblingsthemen sind aber immer schon und noch menschliche Figuren (Akt), Stilleben und Landschaften. Bevorzugte Technik ist Öl, außerdem kommen Bleistift, Kohle, Gouache und Aquarell zum Einsatz. Inspiration erhält sie meist aus ihrem Inneren, manchmal auch im Außen, zum Beispiel wenn sie an der Thaya unterwegs ist.

Gereift

Über die Jahre hat sie zu ihrer Lebensweisheit gefunden. „Ich bin in den letzten Jahren mehr und mehr dahin gekommen, dass das, was wir im Leben tun die Wurzeln in Bereichen, wohin der Verstand nicht kommt, hat“. Außerdem ist das „Vertrauen ins Leben“ ein wichtiger Schlüssel in ihrem Leben. Und natürlich gehören Leben und Kunst zusammen. „Für mich sind das Leben und die künstlerische Arbeit auf Papier oder Leinwand eins“, philosophiert sie. Der große Wunsch für die Zukunft ist mehr Zeit. „Ich merke in den letzten Jahren, dass mir das Malen immer flüssiger und leichter von der Hand geht. Da ist ständig die Sehnsucht, in den Malprozess einzusteigen. Ich wünsche mir sehr viel Zeit, um die Malerei voranzutreiben, sie ganz mit mir zu vereinen und ich mich mit ihr.“

Web: http://lydiaduerr.jimdo.com


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