Ich liebe Bücher
WAIDHOFEN/THAYA. Im Rahmen der diesjährigen österreichweiten Initiative „Österreich liest – Treffpunkt Bibliothek“ fand Ende Oktober fand in der Stadtbücherei eine Lesung mit Gabriele Bauer statt (Tips berichtete). Die Waidhofnerin Irmgard Trimmel ist Leiterin der Bücherei. Tips bat sie zum Gespräch und tauchte mit ihr in die Welt der Bücher ein.
von ERICH SCHACHERL

Irmgard Trimmel ist stolze Chefin über ungefähr 11.650 Werke, die in der Waidhofner Stadtbücherei darauf warten, entlehnt zu werden. Den Großteil davon machen Bücher aus, es gibt aber auch Zeitschriften und Zeitungen, Hörbuch-CDs bzw. Kassetten, Musik-CDs, DVDs, Blue-Ray Discs und Video-Kassetten. Die knapp 11.000 Bücher sind unterteilt in Kinder- und Jugendliteratur (3462 Stück), Belletristik (3964) und Sachbücher (3569). „Von überall ein bisserl was haben wir thematisch anzubieten“, klärt Irmgard auf. Und fügt hinzu: „Wenn jemand Lust darauf hat, zu lesen, ohne eine spezielle Idee, was das sein soll, bin ich mir sicher, dass er in der Bücherei was findet“.
Seit 85 Jahren
Im Jahr 1930 wurde erstmals die Idee der Schaffung einer Stadtbücherei in Waidhofen öffentlich diskutiert. Damals gab es zwei Büchereien, eine davon im Besitz der hiesigen Zweigstelle des niederösterreichischen Volksbildungsvereines, eine gehörte dem regionalen Kasinoverein. „Die Leitung beider Vereine erklärten sich bereit, ihre Bücherbestände zur Errichtung einer städtischen Bücherei zur Verfügung zu stellen, wenn Gemeinde und Sparkasse die moderne Einrichtung und Führung dieser Bücherei durch finanzielle Hilfeleistung ermöglichten“, schreibt Stadthistoriker Erwin Pöppel in der Festschrift anlässlich der der Jubiläumstage „75 Jahre Stadtbücherei Waidhofen an der Thaya“. Alle Beteiligten konnten sich einigen und so wurde am 13. Oktober 1931 die Städtische Bücherei mit einer kleinen Feier eröffnet. Eduard Weinkopf war der erste Leiter. 1974 wurde die Bücherei am heutigen Standort in der Niederleutherstraße 10 eröffnet.
Traumberuf
Irmgard Trimmels Weg zur Leiterin der Bücherei begann im Jahr 2006 mit einem zweimonatigen Praktikum eben dort. Irmgard erinnert sich: „Ich habe ein Praktikum in der Stadtbibliothek gemacht. Danach habe ich mich um einen Job bei der Gemeinde beworben. Meine Vorgängerin (Bibliotheksleiterin Inge Eckelhart) war sehr zufrieden mit mir, sie hat gemeint, sie würde es sich sehr wünschen, wenn ich die Leitung übernehmen würde“. Diesen Wunsch hegte auch Irmgard, „weil ich Bücher liebe“, wie sie mit Begeisterung erzählt. Es sollten allerdings noch knapp drei Jahre dauern, bis sie am 1. April 2009 tatsächlich die Leitung der Stadtbibliothek übernahm.
„Ich liebe den Beruf, ich liebe Bücher, ich mag die Menschen die in die Bücherei kommen. Meine Arbeit ist interessant und vielseitig“, schildert sie voller Freude ihre Tätigkeit, die ihr derzeit wie ein Traumberuf erscheint.
Vielseitig
Stellt sich die Frage, was genau sie eigentlich macht. Irmgard dazu: „Ich beschäftige mich ständig damit, welche Bücher gerade am Markt aktuell sind, frage die Kunden beim Verleih, was sie sich wünschen, was sind Bestseller, ich lese Rezensionen und so weiter. Dann kaufe ich gezielt Bücher an. Wenn ich dann ein neues Buch in der Hand habe, wird es systematisiert, im Computer registriert und schließlich erhält das Buch einen Bar-Code. Der Stempel der Bücherei kommt noch rein, der Buchrücken wird gestaltet und dann wird das Buch noch foliert, damit es länger hält“. Regelmäßiges Sortieren kommt noch dazu und hin und wieder auch Ausmisten. „Das fällt mir sehr schwer“, gesteht die Büchernärrin. „Wenn ich ein neues Buch kaufe, muss ein anderes weg, weil der Platz beschränkt ist. Und wenn ein Buch schon recht alt und zerschlissen ist, wird es ebenfalls erneuert“. In ähnlicher Manier kümmert Irmgard sich auch um Bücherspenden. In unregelmäßigen Abständen wird außerdem ein Flohmarkt organisiert, bei dem Bücher günstig gekauft werden können, die in der Bücherei keinen Platz finden. Und selbstverständlich kümmert sich Irmgard auch um öffentliche Veranstaltungen wie die Lesung mit Gabriele Bauer Ende Oktober. Wenn manchmal Kindergruppe bei ihr auftaucht, nimmt sie sich Zeit für die Kleinen, spielt mit ihnen oder liest aus einem Kinderbuch vor.
Frauen lesen mehr
Interessant ist auch, was sie durch den Verleih über die Jahre so erfährt. „Was ich sehr spannend finde ist, dass sich das Leseverhalten immer wieder sehr verändert. Als ich begonnen habe, wurden beispielsweise sehr viele Krimis gelesen. Darauf folgten Vampirbücher. Dann kam erotische Literatur und derzeit sind wir bei lieblichen Büchern angekommen, etwa vom Autor Nicolas Sparks, das sind schöne Bücher für die Seele“, erzählt sie. Irmgard weiß außerdem zu berichten, dass mehr Frauen als Männer die Bestände der Bücher nutzen und „Frauen lesen mehr Romane, Männer mehr Fachbücher oder Zeitschriften“.
Bücher überall
Die Frage nach ihrem Lieblingsbuch kann Irmgard nicht wirklich beantworten. „Es gibt so viel Bücher, die ich großartig finde“, sagt sie. Gut findet sie ein Buch, „wenn es mich berührt“. Schlecht ist für sie ein Buch, „wenn ich es nicht fertig lesen kann, wenn es mir nichts gibt oder wenn der Schreibstil nicht passt“. Allerdings ist ihr wichtig hinzuzufügen, „dass es kein schlechtes Buch gibt, denn das ist immer ein sehr persönliches Empfinden“. Nicht nur in der Bücherei ist Irmgard von Büchern umgeben, auch Zuhause. „Bei mir sind überall Bücher, weil ich eine kleine Wohnung habe. Ja, ich lebe mit Büchern“, schildert sie mit einem Lächeln. Jedes Buch ist wie ein Kunstobjekt, sowohl der Inhalt als auch die Gestaltung, „individuell und irgendwie auch persönlich“, wie sie es formuliert. Gleichzeitig bis zu fünf Bücher zu lesen, ist für sie normal. Ihr derzeitiger Favorit ist „Gemeinsam frei sein“ von Alexandra Schwarz-Schilling.
Stadtbücherei Waidhofen/Thaya
Niederleuthnerstraße 10, 3830 Waidhofen
Telefon: 02842/27504
Montag und Donnerstag von 16 bis 19 Uhr Freitag von 12.30 bis 14.30 Uhr


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13.07.2017 21:28
Buchwurm
Mit Sicherheit mittlerweile eine sehr belesene Frau! ????