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Heinz Fischer und Wolfgang Brandstetter bei der Waldviertel Akademie in Wien

Daniel Schmidt, 03.03.2017 13:37

WAIDHOFEN/THAYA - WIEN. Am Donnerstag, 2. März lud die Waldviertel Akademie in Kooperation mit der Universität Wien und der Donau-Universität Krems in den Kleinen Festsaal der Universität, um gemeinsam mit Bundespräsident aD Heinz Fischer und Justizminister Wolfgang Brandstetter das Thema „Die Welt von morgen. Europas Werte und unsere Zukunft“ zu diskutieren.

Über 200 Teilnehmer fanden sich im restlos gefüllten Kleinen Festsaal der Universität Wien ein, darunter auch eine Abordnung von Vorstandsmitgliedern der Waldviertel Akademie. V.l.: Geschäftsführer Christoph Mayer, Vorstandsmitglied Veronika Hadl, Bundespräsident aD Heinz Fischer, Vorstandsmitglied Melitta Biedermann, Moderatorin und Kuratorin Eva Pfisterer, Kurator Reinhard Linke, Justizminister Wolfgang Brandstetter und Vorsitzender Ernst Wurz.

„Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Welt von gestern, jener von heute und der von morgen“, waren sich die beiden Diskutanten bereits zu Beginn einig. „Die Frage, ob wir aus der Geschichte lernen, wird in beide Richtungen vehement beantwortet“, so Fischer, „ich persönlich gehöre zu den Optimisten, die überzeugt sind, dass wir aus der Geschichte lernen.“ Dennoch zeigte sich Fischer über die aktuelle Entwicklung auch besorgt: „Der Schwung und die Aufbruchsstimmung lassen nach, neue Kräfte und auch Ratlosigkeit treten auf. Wir müssen heute Phänomenen entgegenwirken, von denen wir gedacht haben, wir hätten sie uns hinter uns gelassen. Nationalismus Ist nur eines davon.“ Dennoch ist sich Fischer sicher: „Die Demokratie ist gefestigt, aber sie ist nicht unzerstörbar. Der europäische Gedanke hat viel bewirkt, aber Europa wird nie an dem Punkt sein, an dem wir sagen können, das Werk ist fertig.“

Justizminister Wolfgang Brandstetter zeigte in seinem Eingangsstatement viele persönliche Erlebnisse aus seiner Vergangenheit auf. „Es gibt Erlebnisse, die sich einbrennen, die eigene Wertehaltung entsteht durch Erfahrungen, für meine Generation ist Europa mit vielen Emotionen verbunden und es ist wichtig, dass diesem großartigen Projekt kein Schaden zugefügt wird.“ Auch die Werte-Frage beantwortete Brandstetter klar: „Europas Werte dürfen nicht von Nationalisten totgeprügelt warden. Diese Werte sind unsere Zukunft und wir müssen sie jetzt verteidigen.“ Brandstetter plädierte auch für eine Bildungs-Offensive: „Ich frage mich, woher der Hass in unserer Gesellschaft kommt? Wir müssen alles tun, um dem entgegenzuwirken. Demokratie setzt einen mündigen Bürger voraus.“

Rege Publikumsdiskussion

Im Anschluss an die Wortmeldungen war auch das Publikum aufgerufen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Die Trennung von Kirche und Staat, die aktuellen Diskussionen um ein Verschleierungsverbot, aber auch die USA waren dabei Thema. „Das gemeinsame Haus Europa droht kleiner zu werden“, so Brandstetter: „Das tut weh, aber jetzt ist es an der Zeit, den Turbo einzubauen. Dann können wir es schaffen und dann gibt es auch eine Zukunft.“ Kritisch äußerte sich Fischer auf Nachfrage zu Donald Trump: „Sicher fühle ich mich bei ihm nicht. Ich will aber auch nicht mit einem risen Misstrauensvorschuss an ihn herangehen.“

„Für die Waldviertel Akademie war es ein sehr gelungener Auftakt zur Jahres-Veranstaltungsreihe „Die Welt von morgen““, war auch Vorsitzender Ernst Wurz zufrieden, „besonders freut es uns, dass die Jugend, der Europa und die Zukunft ein großes Anliegen ist, so stark vertreten war.“


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