Waidhofen hilft Traiskirchen und nimmt Flüchtlinge auf
WAIDHOFEN/YBBS. Über einen gewaltigen Erfolg konnten sich die beiden Initiatorinnen des spontanen Spendenprojekts „Waidhofen 4 Traiskirchen“, Marie Amenitsch und Mabel Reitbauer, freuen.

Nach einer kleinen, privaten Hilfsaktion für die Asylsuchenden aus Syrien, wo sich die jungen Damen vor Ort ein Bild über das wahre Ausmaß der Not machen konnten, war ihnen klar: Hier bedarf es Hilfe in größerem Stil. Spon-tan organisierten Amenitsch und Reitbauer an zwei Markttagen einen Spendenstand für dringend benötigte Hygieneartikel. Unterstützung fand die Idee beim Obmann-Stellvertreter des Vereins „Mit-Menschen“ Rich Abfalter, der am Crystal Club ebenfalls Sach- wie Geldspenden entgegennahm. Rudi Spiele stellte spontan einen Einkaufswagen voll neuwertiger Spielsachen zur Verfügung. Aber vor allem die Hilfswelle der Bevölkerung war überwältigend und übertraf sämtliche Vorstellungen. Die regelrechte Spendenflut ließ sich einen Tag vor dem Abtransport nach Traiskirchen im Amenitsch“schen Erdgeschoß ermessen: Hier herrschte ein mit Gelassenheit getragener Ausnahmezustand. „Ohne die Mithilfe meiner großen Familie und unserer vielen Freunde hätten wir die Unmenge an Spenden nicht bewältigen können“, freut sich Marie Amenitsch. Und so konnten unglaubliche 1.000 Hygieneboxen in Form von Schuhkartons vergangenen Mittwoch ins Erstaufnahmezentrum gekarrt werden. Wechselbad der GefühleRich Abfalter, der den Transport ebenfalls begleitete: „Trotz dieser menschenunwürdigen Extremsituation sind die Menschen im Lager unheimlich dankbar und freundlich. Meine Gefühle haben verrückt gespielt - von Gänsehaut bis Tränen vor Glück und tiefster Traurigkeit. (Anm. d. Red.: Mehr über das Erlebte in Traiskirchen im Interview mit Marie Amenitsch.) Ich kann und werde es nicht verstehen, wie man weitere Zelte vor Kasernen aufbaut, anstatt leere Kasernen mit Flüchtlingen zu belegen. Warum es Bürgermeister gibt, die nach wie vor keine Flüchtlinge aufnehmen. In wenigen Wochen kommt die kalte Jahreszeit. Was dann? Die jetzige Lieferung bleibt jedenfalls kein Einmal-Ereignis. Wir werden immer und immer wieder fahren.“ Dafür wurde ein Spendekonto eingerichtet. Mit dem Geld wird dringend benötigte Kleidung, vor allem Unterwäsche, aber auch Rucksäcke und Decken angekauft. Zusätzlich zur direkten Hilfe hat sich Marie Amenitsch in einem offenen Brief an die österreichische Bundesregierung gewandt. Nachzulesen sind die berührenden Zeilen auf www.facebook.com/DieMarie1994. Wenn auch die Bundespolitik, allen voran die Innenministerin, aufs Kläglichste versagt, ein politisches Zeichen haben die Waidhofner neben ihrem Engagement in jedem Fall gesetzt: Zumindest in Waidhofen wird ein H. C. Stra-che nie Bürgermeister. Unterbringung von zehn flüchtlingen beim Roten Kreuz Mit der Unterzeichnung der Genfer Flüchtlingskonventionen verpflichtet sich Österreich neben 146 anderen Staaten, Flüchtlingen humanitäre Hilfe und Schutz zu gewähren. Das Rote Kreuz geht mit gutem Beispiel voran und öffnet die Bezirksstellen zur Unterbringung von Asylwerbern. Vergangenen Freitag trafen in Waidhofen zehn Flüchtlinge aus Afghanistan ein, wo sie im Haus des Roten Kreuzes Aufnahme fanden. „Durch die Genfer Flüchtlingskonvention stehen unsere Bewohner unter besonderem Schutz. Es dürfen keine Details zu ihrer Identität bekannt gegeben oder gar Fotos von ihnen erlaubt werden“, so Rot-Kreuz-Bezirkskommandant Wolfgang Frühwirth.SpendenkontoVerwendungszweck: „Waidhofen 4 Traiskirchen“IBAN: AT123290600000021527


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