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WAIDHOFEN/YBBS. Der Kirchenchor Zell/Ybbs begeht am Sonntag, 26. Jänner 2020, um 9 Uhr im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes in der Pfarrkirche Zell sein 30-jähriges Bestandsjubiläum.

2019 im burgenländischen Frauenkirchen
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Der Zeller Kirchenchor wurde in seiner jetzigen Kammerchorform mit rund 20 Sängern im Herbst 1989 gegründet und hat seitdem – unter seinem Leiter Thomas Schnabel – nunmehr genau drei Jahrzehnte lang die Chormusiklandschaft Waidhofens entscheidend mitgeprägt.

Aus eigener Kraft

Mit rund 35 Aufführungen jährlich ist der Chor zweifellos eines der aktivsten Musikensembles des Ybbstales, wobei das – durchaus ansprechende – künstlerische Niveau bis heute ausschließlich mit Laiensängern und ohne eingekaufte Substituten beziehungsweise Solisten erhalten werden konnte.

Zahlen und Fakten

In den 30 Jahren seines Bestehens musizierte der Chor im Rahmen der Liturgie in der Pfarrkirche Zell/Ybbs sowie bei mehreren auswärtigen Konzerten bei insgesamt 928 Aufführungen (wobei die Mitwirkungen bei Taufen und Begräbnissen noch gar nicht berücksichtigt sind; zählt man sie dazu, werden es wohl an die 1.400 liturgischen Dienste, die der Zeller Kirchenchor geleistet hat, sein). Darunter waren auch 205 lateinische und 149 deutsche Hochämter; in mehr als 100 Hochämtern durften die Zeller Kirchenbesucher eine Orchesterbegleitung miterleben. Zu Allerseelen sang der Chor 35 Mal ein lateinisches Requiem; insgesamt 57 Hochzeiten wurden von ihm musiziert (darunter 2 Silberne, 8 Goldene, 3 Diamantene und 2 Eiserne Hochzeiten).

400 Werke im Repertoire

Die Sänger des Zeller Kirchenchores erarbeiteten sich in den drei Jahrzehnten – in insgesamt rund 1.300 Proben – ein Repertoire von genau 400 verschiedenen Kirchenmusikwerken (von 122 verschiedenen Komponisten), die stilistisch alle Epochen umfassen und von der Gregorianik bis zur Moderne reichen. Allein 82 lateinische und deutsche Messordinarien (56 lateinische, 17 deutsche Messen sowie 9 lateinische Totenmessen) wurden einstudiert; darunter befanden sich 11 verschiedene Messen von W. A. Mozart. Zum Repertoire gehören weiters 143 diverse lateinisch und 173 deutschsprachige Gesänge bzw. kleinere Kirchenmusikwerke.

Anton Bruckner und Felix Mendelssohn-Bartholdy

Obwohl die traditionelle klassische und frühromantische Kirchenmusik, die für den süddeutsch-österreichischen Raum prägend ist, einen bedeutenden Stellenwert in der Arbeit des Zeller Kirchenchores einnahm, lag ein Schwerpunkt auch immer auf der A-cappella-Literatur (insbesondere die Motetten von Anton Bruckner und Felix Mendelssohn-Bartholdy, die bis heute regelmäßig am Programm stehen).

31 Uraufführungen

Die stilistische Vielfalt zeigte sich einerseits auch in der regelmäßigen Pflege des Gregorianischen Chorals (der gemäß den Dokumenten des 2. Vatikanischen Konzils „in den liturgischen Handlungen … den ersten Platz einnehmen soll“). Andererseits widmete sich der Chor mit insgesamt 31 Uraufführungen wie kaum ein anderes Ensemble der Region auch der zeitgenössischen Musik und den Werken regionaler Komponisten. Vor allem (teils sehr anspruchsvolle) Werke der Waidhofener Komponisten Direktor Heimo Freunthaller (darunter mehrere große Messen sowie ein Requiem) und Professor Peter Richter wurden so das erste Mal zu Gehör gebracht; Teile der St.-Mauritius-Messe von Eugen Mürl erfuhren durch den Zeller Kirchenchor ihre österreichische Erstaufführung. Auch Werke von Franz Stepanek und Thomas Schnabel – ebenfalls heimische Musiker – wurden aufgeführt.

Zusammenschluss mit Waidhofner Kirchenchor

Parallel zur Chorarbeit entwickelte sich in Zell/Ybbs auch ein Orchester, das als zusammengespielter und musikalisch wohlgeformter Klangkörper für die Orchesterhochämter zur Verfügung steht. Seit Herbst 2018 hat sich der Zeller Kirchenchor für die Aufführungen an den Hochfesten mit den Sängern des Waidhofener Kirchenchores zusammengeschlossen, um auch weiterhin die stets gepflegten vier Orchesterhochämter pro Jahr sichern zu können.

Schwieriges Thema: Nachwuchs

Die Zeit ist freilich auch am Kirchenchor Zell nicht spurlos vorübergegangen. Auch er leidet unter Überalterung und (völlig) fehlendem Nachwuchs, und – zusammen mit dem Faktum der unsicheren Zukunft der Pfarre Zell an sich – ist der Fortbestand und die zukünftige Entwicklung auch dieser kulturellen Institution der „Musikstadt“ Waidhofen/Ybbs als sehr ungewiss anzusehen. Dass der Zeller Kirchenchor auf drei Jahrzehnte erfolgreicher Tätigkeit zurückblicken kann, ist auch auf die stabilen Rahmenbedingungen zurückzuführen. Ohne das kirchenmusikalische Interesse und die stets große Unterstützung von Pfarrer Reinhard Kittl wäre diese Art von Kirchenmusik in der Pfarrkirche Zell nicht möglich gewesen beziehungsweise hätte nicht so lange Bestand gehabt. 

Sonntag, 26. Jänner 2020

Pfarrkirche Zell

Beginn: 9 Uhr (heilige Messe)


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