Abenteuer Triathlon: Vadym Trykoz in San Francisco
WAIDHOFEN/YBBS. Sportunion Triathlet Vadym Trykoz hatte das Glück bei der Verlosung der begehrten Startplätze für diesen Triathlon in Amerika einen Startplatz zu ergattern. Er finishte ihn souverän in 2:35:00 Minuten auf Platz 23 in seiner Altersklasse. Dies bedeute den 117. Gesamtrang von 1.811 teilnehmenden Athleten.
Hier sein Bericht von diesem außergewöhnlichen Bewerb, an einem außergewöhnlichen Ort, unter herausfordernden Bedingungen:

San Francisco ist eine einmalige Stadt mit wirklich interessanten und ungewöhnlichen Klimabedingungen. Die Lufttemperatur bleibt fast über das ganze Jahr gleich. Gleich kühl oder gleich warm, dies ist so eine Gefühlsache für jeden. Jeden Tag pendelt die Lufttemperatur zwischen 16 und 23°C! Es ist immer nebelig in der Früh und immer windig am Nachmittag. 30km/h Wind ist jeden Tag üblich in San Francisco.
Das Wasser in der Bucht rund um San Francisco ist auch erfrischend. Die Wassertemperatur steigt nie über +15°C. Am Renntag betrug sie sogar nur +13°C. Hier schwimmt man in Gesellschaft mit neugierige Seelöwen. Die Haifische kommen ganz selten zur Stadtbucht. Da besteht keine Gefahr für die Schwimmer ….so sagen halt die Einheimischen, die fast täglich hier schwimmen.
Nun zum Bewerb:
Der Rad-Check-In erfolgt für alle knapp 2000 Starter ausschließlich am Renntag gegen 4 Uhr Früh. Nach dem Check-In steigen alle Starter an Bord, um mit dem Schiff Richtung Sträflingsinsel Alcatraz zu fahren. Draußen ist es kühl, nebelig und noch nicht so ganz hell. Die richtige Zeit, um aus einem Gefängnis wie Alcatraz auszubrechen und zu flüchten! Alle Mitstreiter an Bord sind angespannt, wie wenn ein Gefängnisausbruch bevorstehen würde. Alle wollen ans Ziel kommen, aber keiner will so richtig ins kalte Wasser springen. Der erste Schritt ist wie immer der Schwierigste.
Zuerst ist der Start der Profis und gleich danach sind die Agegrouper an der Reihe, um über die Matten zu gehen und vom Boot aus ins eisige Meer zu springen. Jetzt gilt es nur mehr Vollgas zum Ufer zu schwimmen. Es besteht aber ein kleines Problem - hohe Wellen und Nebel, welche die Sicht bis ins Ziel sehr stark erschweren. Das Problem hat eigentlich jeder hier, also ist dies für mich auch kein Problem mehr. Los geht“s!
Ich startete ganz zum Schluss bei diesem Schwimmsplit, als über 1500 Starter bereits das Boot verlassen hatten und bereits im Wasser waren. Am Anfang schwamm ich etwas orientierungslos mit einer Gruppe mit und nach ein paar Schläge ins Gesicht (bekommt man regelmäßig bei jedem Massenstart) habe ich die Gruppe verlassen, die Schwimmbrille gespült und bin alleine weiter geschwommen. Da durch den Nebel nach vor keine Sicht war, orientierte ich mich einfach auf die Sicherungs- Kajaks auf der linken Seite von mir. Dies war eine richtige Entscheidung! Die Seitenströmung von links nach rechts hat mich auf dem besten Weg ins Ziel gebracht! Die angegebenen 1,5 Meilen konnte ich in 36 Minuten herunterspulen, allerdings zeigte meine GPS-Uhr anstatt der 2,4 km ganze 3,2 km. Strömungen und Schwierigkeiten bei der Orientierung lassen die Idealline etwas abweichen!
Beim Ausstieg aus dem Wasser blickte ich nochmals kurz Richtung Alcatraz. Zu meiner Beruhigung waren noch sehr viele bunte Badekappen im Wasser! Nun waren 900m Lauf bis zur Wechselzone zu absolvieren, wo ich mein Rennrad neben der Schweizer Flagge abgestellt hatte, da der Veranstalter keine Österreichische im Repertoire hatte. Los ging es auf die kurze, aber harte hügelige Radstrecke über 29km.
Die Radstrecke war, wie gesagt, technisch sehr anspruchsvoll und hatte viele steile Anstiege und auch kurvige Abfahren durch den Golden Gate Park. Ich fuhr die ganze Strecke ein hohes Tempo - nur auf der Überholspur. Wieder ein tolles Gefühl, wenn man andere Athleten überholen kann! Nach 55min bin ich wieder zurück in die Wechselzone eingelaufen. Cool!
Laufschuhe an und abermals ging es los, auf die genauso hügelige 13km lange Laufstrecke, mit dem Highlight in der Mitte des Rundkurses: dem Strandlauf neben dem Ozean und der Aussicht auf die Golden Gate Bridge! Insgesamt zwei Mal passiert man dieses optische Highlight. Der Laufgenuss ist relativ: tiefer Sand nimmt sehr viel Kraft und man verliert wirklich viel Energie. Dann hieß es bergauf, auf die brutale „Sand Ladder“. Das ist ein sehr steiler Sandanstieg mit Holz befestigt. Jeder Schritt geht fast ins Leere, ohne dass man sich weiter nach vorwärts bringt. Auch die Profis gehen hier, da dieser Streckenteil nicht laufbar ist. Die besten Läufer schaffen es in knapp unter 2 Minuten. Mit 2:39 war ich sehr zufrieden. Es gibt nämlich eine eigene Bewertung für diesen Anstieg. Die Intervalle hier eine Woche vor dem Start haben mir sehr geholfen, das richtige Tempo zu finden. Laufen im trockenen, tiefen Sand kostet einfach sehr viel Kraft. Die beste Strategie auf diesem Laufteil - wer weniger Kraft hier verliert, überholt eine Menge Leute dann weiter auf der festen Strecke. Genau so war es auch. Ich überholte dann gleich etliche schwer atmende Läufer, die sich diesen Teil weniger gut eingeteilt hatten. Die letzten 5 km galt es dann Vollgas mit Rückenwind den Berg runter zu laufen bis ins Ziel. Zielsprint und Lachen nicht vergessen! Mit 2Std und 35min hatte ich meine Wunschzeit (3 Stunden) weit unterboten! Ein voller Erfolg!
Fazit: Das war definitiv der emotional beeindruckendste Triathlon, den ich bis jetzt absolviert habe. Ein Mix zwischen einer Olympischen- und Halb-Distanz, mit zum Teil brutalen Herausforderungen im kalten Wasser, mit hohen Wellen, starken Strömungen und erschwerter Sicht durch den Nebel. Kurze und knackige hügelige Radstrecke. Und einer der schönsten Laufstrecken. Ich bin die ganze Laufstrecke mit einem lächelnden Gesicht gelaufen.
Zusammengefasst: ein harter Genuss-Triathlon. Ein Muss für jeden Triathleten!
Man bekommt übrigens keine Finisher – Medaille oder T-Shirt, sondern ein „Escapee“ T-Shirts. Also ein Flüchtlings T-Shirt :) !
Warum macht man so etwas, wenn man genau weiß, dass es kalt im Wasser wird, hügelig und anstrengend am Rad und beim Laufen? Weil dies wirklich ein einmaliges Erlebnis ist. Warum ich darüber schreibe und berichte? Weil ich auch viele andere Menschen damit motivieren möchte etwas Verrücktes im Leben zu machen!


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