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WAIZENKIRCHEN. Ein Hochwasserdamm spaltet die Gemeinde Waizenkirchen - während viele die Nase von überfluteten Gärten und Häusern voll haben und sich Schutz wünschen, befürchten andere noch mehr Schäden und Gefahren durch ein Rückhalte­becken. Tips sprach mit betroffenen Menschen in Waizenkirchen.

So hoch stand das Hochwasser auf dem Grundstück von Ferdinand Danzer.
  1 / 3   So hoch stand das Hochwasser auf dem Grundstück von Ferdinand Danzer.

Vor allem die Ortschaft Moospolling sollte vom geplanten Damm beeinträchtigt werden. Es gäbe noch keine konkrete Lösung, wie die Ortschaft geschützt werden könne. Seine Bewohner würden seit Bekanntwerden des Dammprojektes in ständiger Angst leben. Gabi Watzenböck wohnt in Moospolling und schildert ihre Bedenken: „Unser gesamter Wirtschaftsgrund befindet sich im einem der Becken. Es heißt zwar, dass die Gründe normal bewirtschaftet werden können, aber das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn es unsere Äcker auch betrifft, können wir den gesamten Mais wegschmeißen. Wenn Gras gemäht wird, das einmal überflutet war, staubt es extrem. Das ist ungesund für die Tiere und für einen selbst“, erklärt Watzenböck.

Angebot an Tauschgründen

Es wären zwar Tauschgründe angeboten worden, aber dafür müsste man kilometerweit fahren. „Mir ist einfach unwohl dabei“. Die Situation belaste extrem, meint Watzenböck. Man sei ja nicht prinzipiell gegen den Hochwasserschutz. Aber man wünsche sich ein Einlenken und die Suche nach Alternativen, vielleicht kleineren Becken. Bedenken äußert Watzenböck auch bei der Größe des Dammes.

„Ein 6,5 Meter hoher Damm vor Waizenkirchen? Ich weiß nicht ob sich die Menschen da dann wohlfühlen?“. Seit 1997 hätte Watzenböck drei Hochwasser miterlebt. „Wir wissen, wie es ist, wenn das Wasser im Stadl steht. Aber der Schaden hielt sich in Grenzen, denn das Wasser kam nie ins Haus“. Das könnte, wenn mit dem Damm etwas nicht klappt, anders sein, befürchtet Watzenböck.

Keine Gefahr für Moospolling

Josef Mader vom Gewässerbezirk Grieskirchen versucht die Situation zu beruhigen: „In Moospolling kommt es durch das Rückhaltebecken bei einem 100-jährlichen Hochwasser der Aschach zu einem Rückstau entlang des Michaelnbaches. Es ist dieser Einstau mit Dämmen von den Gebäuden fern zu halten, sodass es zu keiner Verschlechterung für die Anrainer kommt. Diese erforderlichen Dämme wurden in der Planung so erweitert, sodass auch die 100-jährlichen Hochwässer des Michaelnbaches von den Objekten fern gehalten werden können. Die Hochwässer des Michaelnbaches haben Moospolling schon mehrmals betroffen und sind dann nicht mehr gefährlich“.

 

Bis zu einem Meter Wasser in der Wohnung

Immense Schäden durch das Hochwasser in Waizenkirchen erlebten Gabriele und Ferdinand Danzer. Ehemann Ferdinand lebt seit seiner Geburt 1953 in der Ortschaft Parzham. Drei folgenschwere Hochwässer habe er seitdem erlebt. 1958, 1997 und 2002. Immer stand das Wasser bis zu einem Meter hoch in der Wohnung. Bei vielen kleineren Hochwässern klopfte das Wasser bedrohlich an die Haustürstufe oder überschwemmte den Garten. „Es kann sich keiner vorstellen, das Gefühl, wenn plötzlich in der Nacht das Wasser kommt“, schildert Gabriele Danzer. 1997 sei es besonders schlimm gewesen. „Es war wie eine Flutwelle“, erzählt der pensionierte Schmidmeister. „In einer Stunde stieg das Wasser um einen Meter“.

Auch seine Frau Gabriele erinnert sich noch gut zurück: „Wir haben nicht mehr gewusst, wo wir zuerst hingreifen sollen, welche Sachen wir noch retten können und wenn das Wasser schließlich aus den Steckdosen herauskommt, gibt man auf, denn dann hat es keinen Sinn mehr“. Innerhalb von vier Stunden sei das Wasser wieder weg, was bleibe sind die großen Schäden, Dreck und Schlamm mitten im Wohnzimmer und die Angst, es könne einen bald wieder treffen. „Wenn wir „Glück“ haben und das Wasser kommt im Sommer, dauert es sechs bis sieben Wochen, bis das Haus wieder trocken ist. Ansonsten über drei Monate“, meint Gabriele Danzer.

Ob die beiden schon überlegt haben wegzuziehen? „Ja. Nach dem letzten Hochwasser wollte ich einfach nicht mehr. Irgendwann verzweifelt man. Aber dennoch ist es schön hier und es muss ja irgendwie weitergehen“, so Gabriele Danzer. Man sei klar für den Damm, aber ob er gebaut wird oder nicht, darauf könne man ja eh keinen Einfluss nehmen, meinen die beiden.


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Gastuser
Gastuser
08.02.2018 19:22

Es gibt Alternativen!

Die Gefühle von Hochwasserbetroffenen, bei Wasser und Schlamm in Heim und Betrieb, kann kaum jemand nachvollziehen, der das nicht selbst erlebt hat. Ich halte es für mehr als bedenklich, diese Sorgen dafür zu benutzen, um das vor Waizenkirchen angestrebte Hochwasser-Rückhaltebecken (1,5-fache Fläche aller Feldkirchner Badeseen) als alternativlos darzustellen. Zur Information: Das Danzer-Haus war laut diesem Artikel nur bei den Hochwässern 1958, 1997 und 2002 überflutet, die schlimmer als ein hundertjährliches Hochwasser waren. Aber der Damm würde nur einen Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser bieten. Europaweit (auch in Österreich) empfehlen Experten den Weg mehrerer dezentraler und integrieter Schutzmaßnahmen sowie vermehrten natürlichen Hochwasserschutz, anstatt dem rückständigen Lösungsansatz ein Mega-Becken vor einem Ort realisieren zu wollen, wie es unsere Behördenvertreter anstreben. Moospolling vor Hochwasser vom Michaelnbach zu schützen ist wichtig. Aber der Grieskirchner Behördenvertreter erwähnt im Interview nicht, dass Moospolling durch das gigantische Rückhaltebecken in Zukunft auch vor dem aufgestauten Aschachwasser geschützt werden müsste.