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WARTBERG/KREMS. Die jesi¬dische Familie Bako lebte seit Dezember 2014 im Caritas-Gästehaus in Wartberg. Sie lernten unsere Sprache, Vater Ahmed engagierte sich ehrenamtlich in der Gemeinde, die Kinder hatten Freude in der Schule und im Kindergarten. Trotzdem darf die Familie nicht bleiben, was eine Welle der Solidaridät in Wartberg auslöste.

Familie Bako lebte seit 2014 in Wartberg, nun musste sie den Ort verlassen. Foto: privat
  1 / 2   Familie Bako lebte seit 2014 in Wartberg, nun musste sie den Ort verlassen. Foto: privat

Das Unverständnis über die Entscheidung sitzt tief. Familie Bako hatte sich in den vergangenen vier Jahren gut integriert und sich in Wartberg und den umliegenden Gemeinden viele Freunde gemacht. „Der Vater hat im Bauhof und im Kräutergarten geholfen, die Kinder können gut Deutsch“, bestätigt auch Bürgermeister Franz Karlhuber ihren Integrationswillen. Dennoch wurde der Familie Ende März der dritte negative Bescheid zugestellt und bald danach auch die Grundversorgung gestrichen. 

Gemeinde hilft bei Suche nach Mutter und Onkel

Die im letzten Bescheid stehende Textpassage liest sich nach den Schilderungen etwas befremdlich: „Aufgrund der genannten Darlegung Ihres Privat- und Familienlebens sowie der Tatsache, dass Sie sich strikt weigern, der Ihnen persönlich durch rechtskräftige Entscheidung auferlegten Ausreiseverpflichtung nachzukommen, ist nicht davon auszugehen, dass Sie eine wesentliche integrative Bindung zu Österreich haben, im Gegenteil: Sie weigern sich vehement die Ihnen auferlegte Ausreiseverpflichtung zu erfüllen und zeigen so Ihre Einstellung gegenüber den Gesetzen und Vorschriften in Österreich.“

Ein weiteres Problem ist, dass die Familie staatenlos ist, keine Reisedokumente besitzt und nicht beweisen kann, dass sie aus Syrien kommt. „Der Staat behauptet, dass Ahmed aus Armenien stamme. Wir unterstützen die Familie, indem wir versuchen, seine Mutter oder seinen Onkel zu finden. Damit könnte belegt werden, dass er aus Syrien stammt“, erklärt Wartbergs Bürgermeister Karlhuber. Bisher blieb diese Suche allerdings ergebnislos.  

Übersiedelung nach Tirol

Am 21. März wurde Familie Bako von der Polizei aufgefordert, ins „Rückkehrberatungszentrum“ nach Fieberbrunn in Tirol zu übersiedeln. Ihr wurde dafür drei Tage Zeit gegeben und pro Person durften sie nur 20 Kilogramm Gepäck mitnehmen. Dem Angebot einer Wartberger Familie, sie vorübergehend bei sich wohnen zu lassen, damit die Tochter zumindest die Schule fertig machen könne, wurde nicht stattgegeben.

Immerhin durfte die Abreise gemeinsam organisiert werden und es wurde zwei Wartberger Freunden erlaubt, Familie Bako ins Haus des Innenministeriums am Bürglkopf – auf 1.300 Meter Seehöhe und einige Kilometer außerhalb von Fieberbrunn gelegen – zu fahren. Neben der Frau des langjährigen Wartberger Hausarztes, Barbara Schwarz, war das Harald Helmberger. Er erläutert die schwierige Situation für die Familie in der neuen Unterkunft: „Sie sind dort eine von nur zwei Familien, sonst sind nur junge Männer im Haus untergebracht. Obwohl sie in einem eigenen Gang wohnen, wird es am Abend oft laut und sie fühlen sich nicht wohl.“

Kinder haben schwere Zeit

Besonders für die zehnjährige Tochter Diana, die heuer die Volksschule in Wartberg abschließen sollte, und ihren fünfjährigen Bruder Ahmadi ist die Situation nicht leicht. „Sie war in der vierten Klasse, kurz vor dem Abschluss, und eine sehr gute Schülerin. Die Mitschüler und Lehrer sind neben der Spur“, erzählt der Wartberger Franz Strasser. Immerhin wird sie nach Ostern die Schule in Tirol besuchen können und ihr Bruder wird in den Kindergarten gehen. „Bisher war sie dazu nicht in der Lage. Gott sei Dank geht es ihr jetzt wieder etwas besser und es wurde die Möglichkeit eines Shuttle-Dienstes in die Schule nach Fieberbrunn geschaffen“, weiß Harald Helmberger, der mit der Familie noch immer in Kontakt steht.

Letzte Hoffnung ist ein humanitäres Bleiberecht

Auch der eingeschaltete Anwalt kann jetzt nicht mehr viel helfen. „Rechtlich ist alles ausgeschöpft. Jetzt könnte nur noch die Revision des letzten Urteils vom Bundesverwaltungsgericht helfen. Der Antrag, ob dem überhaupt stattgegeben wird, ist aber noch offen“, berichtet Helmberger. Viele Freunde und Unterstützer der Plattform „Vielfalt für Wartberg“ hoffen dennoch auf die Möglichkeit eines humanitären Bleiberechts.

Weitere Mahnwachen und Fastenaktion geplant

Die Plattform hatte schon im Oktober 2018 begonnen, nach der Abschiebung einer tschetschenischen Familie, in mehreren Orten des Bezirks Kirchdorf jeden ersten Donnerstag im Monat Mahnwachen für ein menschenfreundliches Österreich abzuhalten. Nach der Abschiebung der jesidischen Familie wird beim nächsten Termin am 2. Mai auch die Journalistin Susanne Scholl als Gastrednerin teilnehmen. Außerdem  hat die Gruppe mit mittlerweile vielen Unterstützern eine Fastenaktion gestartet, um auf den Fall der Familie Bako aufmerksam zu machen.


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