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WEISTRACH. In der Baufirma Stöckler wurden durch den Verkauf die Weichen für die Zukunft der Firma neu gestellt. Tips bat daher den bisherigen Eigentümer und Geschäftsführer, Baumeister Karl Stöckler, zum Gespräch.
von Reinhard Leeb

Baumeister Karl Stöckler Foto: Stöckler
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Tips: Können Sie kurz die Baufirma Stöckler beschreiben?

Stöckler: Die Baufirma mit 65 Mitarbeitern übt das traditionelle Baumeistergewerbe mit zusätzlichen Fachbereichen wie landwirtschaftlicher Rundbehälterbau, Fassadenarbeiten, Pflasterungen, etc. aus.

Tips: Ihre Firma hat bei den Bauherren einen hohen Bekanntheitsgrad. Ist der Begriff „Traditionsbetrieb“ zulässig?

Stöckler: Nachdem zwei Generationen den Betrieb insgesamt 60 Jahre lang geführt haben, ist dieser Begriff sicher gerechtfertigt. Die wahren Wurzeln wurden aber noch eine Generation früher, also bereits vor 90 Jahren, gelegt.

Tips: Also ein typischer Familienbetrieb?

Stöckler: Ja bis jetzt war es so. In den letzten Jahren wurde in meiner Familie natürlich immer wieder diskutiert, ob die Firma als Familienbetrieb erhalten und weitergeführt werden soll. Aber es hat sich die Erkenntnis, durchgesetzt, dass sich die Firma freier entfalten und weiterentwickeln kann, wenn Sie das enge Korsett eines Familienbetriebes abstreift. Die Kinder sind da sehr realistisch und unbefangener.

Tips: Hat Ihrer Meinung nach ein mittlerer Familienbetrieb noch eine Zukunft?

Stöckler: Ich würde es mir wünschen. Aber wenn ich mir die rasanten Entwicklungen und Veränderungen in der Wirtschaft ansehe, bspw.: den Lebensmittelhandel, ist ein Trend erkennbar, nämlich Teil von etwas Großem zu werden. Natürlich kann ein selbstständiger Mittelbetrieb flexibler reagieren als ein Großbetrieb. Aber letztlich ist es eine Frage der Organisation. In unserem Fall ist in der Nachfolgefirma, die nun „Stöckler Bau GmbH“ heißt, keinerlei Behinderung der direkten Entscheidungsgewalt im unmittelbaren Baubetrieb eingetreten.

Tips: Wie haben sich die Baustellen in den letzten Jahrzehnten verändert?

Stöckler: Wenn ich bedenke, dass ich als kleiner Bub noch das „händische Ziegelschupfen“ miterleben durfte und dann den heutigen Baustellenablauf betrachte, begreift man die gewaltigen Veränderungen. Die Anlieferung des Fertigbetons, der Einsatz der Baumaschinen, die industrielle Vorfertigung von Baustoffen, der Einsatz der Mobiltelefone und EDV-Technik, usw. waren Meilensteine in der Weiterentwicklung der Bauabläufe. Nicht verändert hat sich aber der Bedarf an qualifizierten Facharbeitern mit hohem handwerklichen Können und Wissen.

Tips: Die Tätigkeit eines selbständigen Baumeister wird sich ebenfalls verändert haben?

Stöckler: Früher war der Baumeister als Meister seines Handwerks gefragt. Heute, aufgrund der beschleunigten Abläufe, des schwierigeren wirtschaftlichen Umfeldes und der ausufernden Bürokratie, ist der Baumeister als Manager gefragt. Weiters sollte er in der heutigen Zeit, wo alles perfekt sein muss, selbst Experte in allen technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Belangen sein. Weiters in EDV-Technologie, Marketing, Mitarbeiterführung, Planung, usw. Also ein richtiger „Superman“, den es in der Realwelt aber so nicht gibt.

Tips: Und wo sehen Sie jetzt die Vorteile, wenn Ihre Firma Teil einer großen Firmengruppe geworden ist?

Stöckler: Die vorher genannten hohen Ansprüche, kann ein Großunternehmen erfolgreicher bewältigen. Da sind in den unterschiedlichen Abteilungen Mitarbeiter, die jeweils für Ihr Fachgebiet bestens ausgebildet sind. Weiters können durch Zentralisierung der Buchhaltung, Personalverrechnung, Kostenrechnung, Maschineneinsatz, usw. wirtschaftliche Vorteile und Synergieffekte erzielt werden.

Tips: Es hat doch sicher noch mehrere Kaufinteressenten gegeben. Welche Argumente waren entscheidend, dass Sie an die Firma Gebrüder Haider verkauft haben. ?

Stöckler: Oberste Priorität war für meine Familie der Fortbestand des Baubetriebes, die Sicherheit des Standortes und der Arbeitsplätze. Wir sind überzeugt, dass dieser Käufer die größtmögliche Sicherheit dafür gewährleisten kann. Überhaupt hat uns die erfolgreiche Firmengruppe der Gebrüder Haider mit Ihrer Strategie und enormen Innovationskraft tief beeindruckt. Die Vision „Haider-Stöckler“ die in den ersten Gesprächen entwickelt wurde und die erkennbare Handschlagsqualität der agierenden Personen hat uns dann restlos überzeugt.

Tips: Wie wird sich die Nachfolgefirma zur vorhergehenden Baufirma verändern?

Stöckler: Im aktiven Leistungsumfang auf der Baustelle werden vorerst keine wesentlichen Änderungen sichtbar werden. Jedoch in der Betriebsorganisation. Das gewählte Motto für die Übergabe „Bewährtes erhalten – Neues gestalten. Mit Mut in die Zukunft“ wurde von der neuen Geschäftsleitung richtig verinnerlicht. Da konnte ich sofort sehr viel Bemühen, Professionalität und Verantwortung wahrnehmen. Ebenso die starke Motivation bis zum jüngsten Lehrling.

Tips: Übergibt man mit 61 Jahren heute einen Betrieb?

Stöckler: Bei diesem Entschluss war nicht mein Alter die treibende Kraft, sondern eher der innere Drang, Verantwortung für die Firma zu wahren und zeitgerecht die Weichen für die Zukunft zu stellen. Als sich dann die Gelegenheit dieser neuen Nachfolgefirma mit den beiden Geschäftsführern Jürgen Haider und Martin Brunmayr ergab, war der perfekte Zeitpunkt gekommen. Eine Entwicklung, die ich mit Zuversicht und Freude betrachte.

Tips: Ist es Ihnen schwer gefallen, die Geschäftsführung abzugeben?

Stöckler: Nein, überhaupt nicht. Ich habe mich aber auch nie als Machtmensch, sondern als Teamplayer gesehen. Aber letztendlich muss man eine innere Sicherheit empfinden, dass eine geordnete Übergabe erfolgt.

Tips: Gab es Misserfolge in Ihrer aktiven Zeit?

Stöckler: Eher Enttäuschungen. Wenn beim Zusammenarbeiten zu viel Energie in ein Gegeneinander anstatt in ein Miteinander geflossen ist. Egal ob zwischen Bauherrn, Fachleuten, Behörden, Firmen und Mitarbeitern.

Tips: Freudige Momente. Können Sie uns darüber berichten?

Stöckler: Natürlich bei ausreichender Betriebsauslastung oder wenn sich ein Bauherr für ein fertiggestelltes Bauwerk bedankte. Aber auch, wenn man miterleben durfte, wie sich Lehrlinge zu wertvollen Mitarbeitern entfalten konnten. Es gibt viele positive Erlebnisse im täglichen Arbeitsleben, man muss Sie nur sehen können.

Tips: Wie sehen nun die Pläne für Ihre persönliche Zukunft aus?

Stöckler: Für die nächsten drei Jahre werde ich mich noch in die neue Firma einbringen, in Beratung, Verkauf, usw. In einem tollen Team arbeitet man ja gerne mit. Später werden Familie, gute Freunde und mein Fischteich an oberster Stelle sein.

Tips: Gibt es dann für einen pensionierten Baumeister noch einen unerfüllten Traum?

Stöckler: Denn gibt es tatsächlich. Gemeinsam mit meiner Frau, denn ohne Ihre Unterstützung wäre dieser erfolgreiche Weg nicht möglich gewesen. Mit ihr möchte ich die Kulturlandschaften von Sizilien bis Schottland bereisen und erleben. Ohne Zeitlimit. So viele italienische Renaissance-Städte, französische gotische Kathedralen, englische und schottische Dörfer und Schlösser warten noch immer auf unsere Erkundung.

Tips: Vielen Dank für das Interview.


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