Arbeitsplatz Himmel: Markus Haslinger hebt für seine Bilder ab

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Margareta Pittl Online Redaktion, 17.07.2019 19:18 Uhr

EITENTAL. Wissentlich oder unwissentlich – in den Genuss von Markus Haslingers Fotos kam in unseren Breiten jeder schon einmal. Zahlreich sind seine zumeist aus der Luft gemachten Aufnahmen in Zeitungen, Broschüren, auf Webseiten und Wänden zu finden. Haslingers Firma nennt sich extremfotos.com. Der Name ist Programm. Regelmäßig hebt er für eindrucksvolle Bilder aus der Vogelperspektive mit einem Gleitschirm ab. Tips traf den grenzgängerischen Fotografen zum Gespräch.

Der Erdboden zig Meter unterhalb der Füße, ein Gleitschirm wenige Meter oberhalb des Kopfes. In den Händen eine Kamera. „Das ist ein unglaubliches Freiheitsgefühl“, schwärmt Markus Haslinger von seinem Arbeitsplatz. Er ist nun schon seit über zehn Jahren als selbstständiger Fotograf in himmlischen Gefilden unterwegs. „Ich habe damals als Firmungsgeschenk eine Kamera bekommen“, blickt Haslinger zurück. Entfacht war damit die Liebe für die Fotografie. Als Jugendlicher entdeckte der Eitentaler das Gleitschirm-Fliegen für sich. Schließlich begann Haslinger das in luftigen Höhen Erlebte mit der Kamera festzuhalten. „Ich wollte dokumentieren, wie schön es dort oben ist“, erzählt er. Am Boden fanden seine Luftbilder schnell Gefallen. Dass er mit ihnen auch für seinen Lebensunterhalt sorgen könnte, war damals noch nicht abzusehen. „Ich habe mehr und mehr Anfragen bekommen, schließlich hat sich ein Gewerbe herauskristallisiert.“ 2008 gründete Haslinger seine Firma extremfotos.com. „Ich versuche Bilder zu machen, die der 'Durchschnitts'-Fotograf eben nicht macht. Damit meine ich Fotos aus extremen Perspektiven, wie etwa vom Gleitschirm aus.“

Das Studio ist keine Option

Grenzerfahrungen sammelte Haslinger bereits in sehr jungen Jahren. Als 13-Jähriger finishte er erstmals einen 60-Kilometer-Ultralong-Orientierungs-Nachtlauf. Mit 15 bestritt er als jüngster Teilnehmer den Vienna City Marathon. Bergexpeditionen, Fernreisen und Extremsportarten wurden schnell Teil seines Lebens. „Ich habe meine Grenzen schon sehr früh ausgelotet, das hilft mir nun, unbeschadet durch meinen Alltag zu kommen. Man darf die Natur nie bezwingen wollen. Wenn man zu gierig wird, passieren leicht Fehler“, erklärt der heute 40-Jährige. Als Studiofotograf zu arbeiten, das kann sich Haslinger nicht vorstellen. Zu groß ist für den ausgebildeten Zoologiefachman die Liebe zur Natur. „Ich mache fast ausschließlich Outdoor-Bilder.“ Für ein gutes Produkt brauche es Zeit. „Ich bin kein schneller Fotograf.“ Das Wetter muss passen, die Lichtverhältnisse müssen stimmen. Oft bleibe ihm nur ein kleines Zeitfenster, um mit dem Gleitschirm abzuheben. Zwischen 50 und 60 Flüge absolviert der Eitentaler im Jahr. „Man muss in Symbiose mit der Natur treten, dann kann etwas entstehen“, so Haslinger. Bei einem guten Bild habe der Betrachter das Gefühl, mitten im Geschehen zu stehen.

Preisträger ohne Kurs

Ob Haslinger, der sich 2012 mit einer Luftaufnahme des Windparks Inning bei einem internationalen Fotowettbewerb gegen 2.300 Teilnehmer durchsetzen konnte, ein Lieblingsfoto hat? „Das ist schwer zu sagen. Es sind jedes Jahr zwei oder drei Bilder dabei, die ich mir selbst immer wieder ansehe, weil sie mich begeistern. Zuletzt etwa ein Foto der Donaubeuge in Persenbeug (siehe Bild oben, Anm.).“ Eine Fotografie-Ausbildung hat der 40-Jährige übrigens nie absolviert. „Ich habe nicht einmal einen Fotografie-Kurs besucht.“ „Learning by doing“ war angesagt. „Vieles habe ich außerdem im Austausch mit den Kollegen gelernt“, so Haslinger. Im Fokus seiner Arbeit steht die Region. Derzeit arbeitet der Eitentaler an einem Fotoprojekt für Winzer aus der Wachau.

Von Adlern begleitet

„Ich habe mir schon viele Träume erfüllt“, antwortet Haslinger auf die Frage nach Wünschen und Zielen. „Das, was ich jetzt mache, will ich noch lange machen. Ich möchte weiter in den Genuss des Fliegens kommen und dieses Freiheitsgefühl erleben. Wenn nur wenige Meter neben dir Adler, Bussarde oder Störche auftauchen und dich durch die Luft begleiten, da bekommt man Herzklopfen. Das ist unbeschreiblich schön.“

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