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WELS. Ein schon 1918 in der Stadt gefundener Messergriff aus Elfenbein hat sich als Sensationsfund herausgestellt. Es ist das am weitesten westlich gefundene Ausstellungsstück aus dem China der Römerzeit. Das Stück wurde aus dem 6.000 (Fuß-)Kilometer entfernten Handelszentrum Niya nach Ovilava gebracht.

  1 / 2   Der Messergriff wurde 1918 gefunden und wird dem Handelszentrum Niya in der heutigen Region Xinjang in China zugeordnet. (Foto: Stadt Wels)

Schon seit 1918 schlummmert im Depot des Stadtmuseums Wels ein Sensationsfund ohne dass man davon wusste. Der Messergriff aus Elfenbein wurde (damals noch mit einer Silbermanschette) bei Ausgrabungen in der heutigen Salzburger Straße in einem Haus zwischen Hamerling- und der Vogelweiderstraße gefunden.

Ferdinand Wiesinger, damals leitender Beamter der Stadtverwaltung und Stadtarchäologe, hatte die Grabungen inszeniert und einen Bericht verfasst. Dass es sich bei dem Messergriff um etwas besonderes handelt, wurde vermutet, genaue Kenntnis hatte man aber nicht.

Dem Engagement und der Beharrlichkeit von Stadtmuseumsleiterin Renate Miglbauer ist es zu verdanken, dass man jetzt mehr über das Fundstück weiß. Miglbauer hat es Professor Stefan Pfahl von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gezeigt. Dieser erkannte die Besonderheit und stellte den Kontakt zu Professor Harry Falk von der Freien Universität Berlin her.

Messer stammte aus Niya

Und was man erfahren hat, hat sich als Sensation herausgestellt.

Falk ist ein Spezialist für altindische Sprachen und entzifferte die Ritzinschrift als Khar, eine Variante des altindischen Kharosthi. Somit ist das Stück dem Handelszentrum Niya im westlichen Teil der Taklamakan-Wüste zuordenbar. Niya ging in den ersten Jahrhunderten nach Christus unter.

Falk fand auch heraus, dass es sich bei dem Messer um kein Handelsgut gehandelt haben muss, sondern vielmehr um ein Ehrengeschenk. Auch den Namen des Besitzers weiß man. Übersetzt bedeutet die Inschrift so viel wie: „Ehre verleihende Gabe für Herrn Tadara“. Es liegt auch nahe, dass das im Griff eingeritzte Gesicht den Geehrten darstellt.

Man vermutet, dass der Besitzer das Messer auf einer Reise über die Seidenstraße nach Ovilava mitbrachte. Dabei ist die Distanz bemerkenswert – zu Fuß sind es 6.000 Kilometer.

Am weitesten westlich gefundenes Stück

Somit ist Wels nun der westlichste Fundort eines aus der Taklamakan-Wüste eingeführten Stückes. Unter welchen Umständen das Messer ausgerechnet nach Ovilava gekommen ist, lässt sich heute nicht mehr klären.

Was man sicher weiß ist, das Ovilava, damals eine Stadt mit rund 30.000 Einwohnern, ein bedeutendes und wohlhabendes Zentrum mit wichtigen Verkehrswegen und mit Menschen aus den verschiedensten Kulturen und mit verschiedensten Sprachen war.

Jederzeit bestaunen

Zu besichtigen ist der Sensationsfund im Stadtmuseum Minoriten (Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag von 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertag von 10 bis 16 Uhr).

Nähere Infos gibt es unter www.wels.at/stadtmuseum


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