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WELS. Mehr als 300 Menschen kamen zu der Kundgebung in den Pollheimerpark. Hauptredner war der Schauspieler Harald Krassnitzer. Er warnte eindrücklich davor nur die Symptome der Unzufriedenheit zu bekämpfen. Es brauche eine bessere Sozial- und Bildungspolitik, die der derzeitigen Verunsicherung in der Gesellschaft entgegenwirke.

Werner Retzl und Katharina Gusenleitner (beide Antifa Wels), Harald Krassnitzer, Str. Johann Reindl-Schweighofer und Labg. Petra Müllner (beide SP)

Er sprach von einem Parlament der Unsichtbaren, die nicht mehr mitkommen. Das Geld, das durch Arbeit verdient wird, reicht nicht zum Leben aus. Es ist alles unverhältnismäßig verteilt. In der eigenen Wahrnehmung fühlt man sich nicht wertgeschätzt und den anderen geht es ja besser. „Als Ursache für diese Menschen müssen dann aber die Falschen als Feindbild herhalten. Es sind Flüchtlinge, die an allem schuld, Ausländer oder die Eliten. Die sind aber nicht schuld an der Situation. Aber genau auf den Rücken dieser Menschen werden die Probleme ausgetragen“. Es braucht eine bessere Bildungspolitik. Es brauche aber auch eine bessere Investition in die Entwicklungszusammenarbeit: „Wichtig wäre ein Freihandelsabkommen mit Afrika. Damit die Menschen dort ein Wirtschaftssystem aufbauen können, von dem sie leben können und nicht eines von dem nur andere auch Europa profitieren. Es braucht menschenwürdige Verhältnisse“. Das Gleiche gilt auch für den Syrien-Konflikt: „Bei jeder Syrien-Konferenz wird viel geredet, aber gleichzeitig ist Europa der größte Waffenexporteur in dieser Region“. Der Kontakt zwischen den Eliten, der Politik zu der Bevölkerung ist verloren gegangen: „Die Sozialpolitik beschränkt sich auf Geld hergeben. Aber es werden die Menschen nicht wirklich gefördert in ihren Talenten. Die Bildung kommt viel zu kurz“. Deswegen braucht es viel mehr Zugang zur Bildung und Diskussionen, in der auch Geschichtliches aufgearbeitet wird. „Österreich hat sein Trauma immer noch nicht bewältigt“. Man muss sich selber an der Nase nehmen und den destruktiven Kräften konstruktiv entgegentreten.

Antifa-Vorstandsmitglied Katharina Gusenleitner appellierte an die Zivilgesellschaft: „Bekämpfen wir die Hasser und Demagogen mit Herz, Hirn, Verstand und Vernunft, Geschick und der Wahrheit, denn diese ist es, die sie am meisten ablehnen und fürchten. Nimmt sie ihnen doch jegliche Grundlage ihres Handelns.“

Der Welser Kulturstadtrat Johann Reindl-Schwaighofer sprach ewiggestrige Umtriebe in den letzten Monaten an: vom internationalen Rechtsextremisten-Treffen, das mit dem Sanctus von ÖVP und FPÖ in den Linzer Redoutensälen stattgefunden hat, über die Aussage eines Welser FPÖ-Anhängers, die SPÖ gehöre „in die Gaskammer gesteckt“, bis hin zur Leugnung der Vergasungen im KZ Mauthausen durch einen Welser Rechtsanwalt.

Antifa-Vorsitzender Werner Retzl zeigt sich mit der Kundgebung sehr zufrieden: „Die Teilnahme war so stark, weil uns die gesamte Welser Zivilgesellschaft unterstützt“. Eine Zusammenarbeit in den kommenden Jahren, was eine gemeinsame Veranstaltung anbelangt, lehnt die Antifa ab. „Wir wollen keine Berührungspunkte mit der FPÖ und für das, was sie steht. Wir wollen hier nicht als Feigenblatt dienen“. Auch die Tatsache, dass die Freiheitlichen zwei israelische Redner aufgeboten haben, beeindruckt den Antifa-Vorsitzenden nicht: „Schade, dass sich die beiden – allerdings sehr weit rechts stehenden – Herren als Feigenblätter haben missbrauchen lassen. Ihre Partei Likud hält von den Auftritten für die FPÖ genau so wenig wie die Jüdische Gemeinde in Österreich. Und in Wien haben junge Jüdinnen und Juden dagegen protestiert – das sagt wohl alles.“


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