„Es herrscht gespenstische Ruhe“
WELS/STRASSBURG. Der mutmaßliche Täter auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt ist derzeit auf der Flucht. Die Anzahl der Toten hat sich auf drei erhöht. Stefan Haböck, VP-Gemeinderat in Wels und Pressesprecher des EU-Abgeordneten Paul Rübig, war im Europaparlament als der Anschlag passierte. Tips sprach mit ihm am Tag danach.

Tips: Wie haben Sie die Situation in Straßburg erlebt?
Haböck: Ich wollte gegen 20 Uhr aus dem Parlament in die Innenstadt zu einem Termin, als die Meldung über unsere internen Verteiler kam, dass wir die Innenstadt meiden sollen. Angeblich hätte es Schüsse gegeben. Mit einem Kollegen habe ich die Nachrichten verfolgt und dann wurde gegen 20.30 Uhr schon das Parlament abgeriegelt, später über ganz Straßburg eine Ausgangssperre verhängt. Es war eine angespannte Situation bis wir endlich wussten, dass alle unsere Kollegen in Sicherheit waren.
Tips: Nachdem der Anschlag bekannt war, was hat sich in den Stunden danach im EU-Parlament, wo Sie in Sicherheit waren, getan?
Haböck: Wir haben alle unsere Familien und Freunde informiert, dass wir in Sicherheit wären. Im Plenarsaal gingen die Abstimmungen und Debatten nach Verzögerung weiter. Da klar war, dass wir mehrere Stunden nicht rauskönnen. Die Mitarbeiter waren in Büros oder auf den Gängen zusammen, niemand war allein, es wurde geredet, Informationen ausgetauscht, Nachrichten verfolgt. Zudem standen wir in Kontakt mit unseren Unterkünften, man stellte sich schon auf eine Nacht im Parlament ein. Gegen 2.30 Uhr wurden wir vom Sicherheitsdienst unterrichtet, dass die Polizei das Gebäude evakuieren würde. Zwischen 2.30 und 3.30 Uhr wurden die Abgeordneten und Mitarbeiter aus dem Parlament gebracht. Ich selber war gegen 4 Uhr in meinem Hotel.
Tips: Wie ist die Stimmung am Tag danach in Straßburg?
Haböck: Es herrscht gespenstische Ruhe. Es waren am Vormittag nur sehr wenige Menschen auf den Straßen unterwegs. Die Fahndung nach dem Täter läuft noch. Militär und Polizei patroullieren auf den Straßen, Hubschrauber kreisen über der Stadt. Im Parlament geht der Arbeitstag so normal als möglich weiter. An der deutsch-französischen Grenzen sind lange Staus durch Kontrollen.
Tips: In Brüssel hat es schon Terroranschläge gegeben, jetzt in Straßburg. Als Pressesprecher von EU-Abgeordneten Paul Rübig sind sie ja sehr oft vor Ort. Wie groß ist die Angst?
Haböck: Angst hatten wir keine. Mein Kollege Thomas Thaler war beim Anschlag in Brüssel ebenfalls im Parlament, da kamen gestern unschöne Erinnerungen wieder. Es war eine sehr angespannte Situation. Uns sind die Orte des Anschlages ja sehr gut vertraut. Vor allem taten uns die Menschen, die in der Innenstadt ausharren mussten, sehr leid. Die Sicherheitskräfte sind seit gestern Abend durchgehend im Einsatz, wir alle sind sehr dankbar dafür und hoffen, dass der Terrorist bald gefasst wird und die Menschen in Straßburg wieder Ruhe finden!


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