Genug Plätze in den Kindergärten, zu wenig Plätze in den Krabbelstuben
WELS. Die Stadt muss aufgrund kräftig wachsender Einwohnerzahlen in die Errichtung von Kinderbetreuungsplätzen investieren. Allen Kindern kann ein Kindergartenplatz angeboten werden. Nachholbedarf gibt es aber bei den Krabbelstubenplätzen. Außerdem gibt es noch viele Provisorien.

Zwischen 2015 und 2021 hat die Stadt Wels 300 neue Kinderbetreuungsplätze geschaffen oder subventioniert. In den kommenden Jahren sind noch einmal 300 Plätze nötig um den Bedarf zu decken. Gut 100 neue Plätze werden gebraucht, rund 200 Plätze müssen geschaffen werden um Provisorien wieder auflösen zu können.
Diese Zahlen wurden im Rahmen eines Bedarfs- und Entwicklungskonzeptes erhoben, das ab Montag, 26. April im Gemeinderat zur Abstimmung kommen soll. Per Gesetz haben nämlich alle Kommunen den zukünftigen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen zu erheben.
Provisorien als Übergangslösung
„Unsere Strategie war, Provisorien zu schaffen und dann Neubauten zu planen“, erklärt Bürgermeister Andreas Rabl. So ist es gelungen allen Kindern zwischen drei und sechs Jahren einen Kindergartenplatz in Wels anbieten zu können. Dass es trotzdem eine Vormerkliste gibt, liegt daran, dass Eltern auf einen Platz in ihrem Wunsch-Kindergarten warten und ein weiter entfernt bestehendes Angebot nicht in Anspruch nehmen. 1.736 Kinder haben 2019/2020 einen Kindergarten besucht.
Anders sieht es bei den Betreuungsplätzen in den Krabbelstuben aus, das geben der Bürgermeister und die zuständige Stadträtin Margarete Josseck-Herdt (FP) zu. 255 Kinder besuchten 2019/2020 eine Krabbelstube, rund 70 Plätze hätte man noch gebraucht. Deshalb wird in den nächsten Jahren auch der Fokus auf diesen Bereich gelegt. Derzeit gibt es in Wels 16 Krabbelstuben (vier städtische und 12 private) mit 26 Gruppen und 260 Betreuungsplätzen.
Drei Neubau-Projekte
Die ersten Schritte damit der Bedarf gedeckt und Provisorien aufgelöst werden können, werden mit mehreren Neubauten gesetzt.
Der neue Kindergarten in der Negrellistraße (Stadtteil Pernau) befindet sich gerade in Bau und kann im September eröffnet werden. 160 Kinder werden dort in zwei Krabbelstuben- und sechs Kindergartengruppen betreut werden können.
Beim Kindergarten in der Lessingstraße (Pernau) werden zwei weitere Krabbelstuben- und vier Kindergartengruppen gebaut. Das sind 120 Plätze. Die Inbetriebnahme soll mit dem Betreuungsjahr 2022/2023 erfolgen.
Im Stadtteil Lichtenegg werden in einem neuen Gebäude in der Durisolstraße drei Krabbelstuben- und vier Kindergartengruppen gebaut. Hier gibt es noch keinen konkreten Fertigstellungstermin.
SP will dem Konzept im Gemeinderat zustimmen
Obwohl sie das Konzept als nicht zukunftsweisend erachten, will die SPÖ diesem im Gemeinderat zustimmen. Für Gemeinderätin Laurien Scheinecker ist es nur ein Minimalkonsens. „Die SPÖ-Fraktion wird zwar zustimmen, da mit den beiden neuen Kindergärten wenigstens die derzeitigen Betreuungsquoten beibehalten werden können und mehr Krabbelstubenplätze in der Pernau entstehen, aber zukunftsweisend ist dieser Bedarfs- und Entwicklungsplan nicht,“ betont sie.
„Junge – vor allem Frauen mit Kinderwunsch - werden weiterhin mit der Realität konfrontiert sein: Krabbelstubenanmeldung am besten noch vor der Geburt!“, für SP-Bürgermeisterkandidatin Petra Wimmer hinzu.
Die Zahlen zur Kinderbetreuung im Überblick
Der Stadt Wels wird für den Zeitraum 2021 bis 2026 ein weiteres Bevölkerungswachstum prognostiziert. Lag die Zahl der Hauptwohnsitze im Herbst 2020 bei rund 63.000 sollen es in fünf Jahren schon 64.000 und in zehn Jahren schon rund 65.500 sein. Wels ist in den letzten Jahren vor allem durch Zuzug wachsen. Die Zahl der Geburten, lange eine steigende Tendenz, ist seit 2017 auf hohem Niveau gleichbleibend.
Wels hat 2.919 Plätze in städtischen und privaten Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen. Dazu kommen 110 Krabbelstuben- und Kindergartenplätze in drei Betriebskindergärten, 35 Plätze bei Tagesmüttern und 903 Plätze in ganztägig geführten Pflichtschulen.
Es gibt in der Stadt 16 Krabbelstuben mit 26 Gruppen mit maximal 260 Betreuungsplätzen für Kinder zwischen null und drei Jahren. Im Herbst werden es 20 Plätze mehr sein.
Für Kinder zwischen zweieinhalb und sechst Jahren bestehen in 22 Kindergärten in 89 Gruppen 1.965 Betreuungsplätze zur Verfügung. 190 Kinder werden in genehmigten Provisorien betreut. Im Herbst wird es 190 neue Plätze geben.
In den Horten werden in acht Einrichtungen 35 Gruppen geführt, in denen es 694 Betreuungsplätze gibt. Der Bedarf an Hortplätzen ist rückläufig.
Der Bau eines Kindergartens kostet knapp 500.000 Euro. Die laufenden Kosten für den Betrieb liegen bei rund 93.000 Euro pro Gruppe und Jahr.


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