Corona treibt Menschen im Globalen Süden in den Hunger

Leserartikel Wurzer Katharina, 23.04.2021 18:22 Uhr

LINZ/STADL-PAURA. Arme Menschen wurden und werden durch die Corona-Pandemie noch ärmer. In Ländern des Globalen Südens gibt es weder Arbeitslosengeld noch Kurzarbeit. Unterricht von Zuhause ist kaum möglich. Vertreter kirchlicher Hilfsorganisationen geben einen Einblick in die Situation vor Ort.

Die Not sei derzeit größer als die Mittel, mit denen geholfen werden kann, berichten Vertreter kirchlicher Hilfsorganisationen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Mission. In Staaten wie Uganda, Peru, auf den Philippinen, in Nepal oder Indien gehe es für Millionen von Menschen ums Überleben. So fehlen Nahrung und Medikamente. Hinzu kommen wirtschaftliche Probleme wie gestiegene Preise für Lebensmittel und politisch angespannte Situationen wie auf den Philippinen. Hier würden viele Menschen in Angst leben und ihre Häuser nicht mehr verlassen können, berichtet Jimmy Khayog, ein Projektpartner von Welthaus Linz. Seine Organisation verteile in Dörfern der philippinischen Cordilleren Nahrungsmittel und Saatgut, um der Bevölkerung Selbstversorgung zu ermöglichen.

Bessere Situation für Regionen mit Landwirtschaft

In Projekten der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung hat sich bereits gezeigt, dass die Situation besser ist, wenn Regionen über eine kleinstrukturierte Landwirtschaft verfügen. Dadurch können sich Menschen selbst versorgen, was vor allem in Zeiten der Pandemie ein Pluspunkt ist. Bisher haben viele Menschen in Ländern des Globalen Südens ihr Geld als Tagelöhner verdient. Seit einem Jahr bekommen sie nun keine Arbeit mehr und können weder Arbeitslosengeld noch Kurzarbeit in Anspruch nehmen. „Die Situation schwankt zwischen Leben und Tod“, bringt es Basaliza Ithungu Florence auf den Punkt. Sie ist Geschäftsführerin einer Partnerorganisation von Sei So Frei aus Kasese im Südwesten Ugandas.

Weitere Probleme sind laut Vertretern der Welthaus-Mitgliedsorganisationen mehr Gewalt, vor allem im häuslichen Bereich, aber auch durch die Polizei, sowie Schwangerschaften von Jugendlichen nach Vergewaltigungen. Kinder und Jugendliche könnten nicht wie in Europa von Zuhause aus am Unterricht teilnehmen. In Slums und Hütten gebe es weder Handys noch Computer.

Lebensmittelpakete und Spendenaktionen

Wie versucht wird, Menschen in Ländern des Globalen Südens zu helfen? In erster Linie gehe es derzeit darum, dass sie zu essen und Medikamente bekommen würden. Die Katholische Jungschar-Dreikönigsaktion springt etwa mit Lebensmittelpaketen für Familien in Kenia ein. Die einzige warme Mahlzeit am Tag bekamen Kinder vor der Pandemie meist in der Schule. „Wir versuchen, in einzelnen Fällen zu helfen, wenn es möglich ist. Aber man muss es ertragen können, nur dem einen oder anderen helfen zu können“, fürchtet Missionsschwester Elisabeth Brunmayr aus Uganda. Aufgrund der Lockdowns und Corona-Bestimmungen war es für die kirchlichen Organisationen im vergangenen Jahr schwierig, Spenden zu sammeln. So wurden bei der Sternsingeraktion 2021 wie berichtet um mehr als 18 Prozent weniger Spenden eingenommen. Eine Ausnahme ist hier die MIVA in Stadl-Paura, die in den meisten Sparten sogar Zuwächse verzeichnen konnte. Besonders erfolgreich war die Fahrradaktion im Herbst 2020, bei der Dreiräder für Menschen mit körperlichen Behinderungen angeschafft wurden.

Aktuell wird die Arbeit an den meisten Projekten fortgeführt, wenngleich unter erschwerten Bedingungen. Die Verantwortlichen der Welthaus-Mitgliedsorganisationen (Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung, Sei So Frei der Katholischen Männerbewegung OÖ, Jungschar der Diözese Linz - Dreikönigsaktion, Katholische Jugend OÖ - Aktion Teilen, Katholische Arbeitnehmerinnenbewegung OÖ- Solidaritätsfonds, Caritas OÖ - Auslandshilfe, MIVA - Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft, Missionsstelle der Diözese Linz, Missionierende Orden) haben am Donnerstag, 22. April, mit Bischof Manfred Scheuer die prekäre Lage in Ländern des Globalen Südens erörtert. Scheuer dankte den Organisationen für ihre Arbeit. In einer Grundhaltung der Hoffnung könne es gelingen, Solidarität zu fördern. 

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