Helmut Schmidinger: Der Komponist mit dem Nachtkastlbücherl
WELS. Es muss doch so sein, dass bei einem Komponisten der Kopf eines großen alten Meisters auf dem Klavier steht, damit der Funke der Inspiration überspringt. Bei Helmut Schmidinger ist dies nicht der Fall: „Neben dem Bett liegt mein Nachtkastlbücherl griffbereit, damit ich mir sofort etwas notieren kann“, erzählt der 53-Jährige.

Es ist dies das Portrait eines Menschen, bei dem Musik eine große Rolle spielt. Schmidinger ist Komponist, Veranstalter und Intendant der Welser Abonnementkonzerte und der Jeunesse, aber auch Lehrer oder besser gesagt Gastprofessor für Kompositions- und Musiktheoriepädagogik an der Kunstuniversität Graz.
„Wir leben im Hier und Jetzt. Deswegen ist es wichtig, zeitgenössische Musik zu präsentieren. In der Vergangenheit hat man die jetzigen Größen auch nicht immer mit Beifall überhäuft.“
Musik begleitet Schmidinger durch sein ganzes Leben. Es begann mit dem Musizieren in der Großfamilie, danach folgte die Landesmusikschule in der Klavierklasse bei Gertrud Jetschgo. „Sie hat mich bestärkt, sie hat meine Kreativität gefördert. Ich habe nicht nur die Hausaufgabe geübt, sondern selbst Stücke geschrieben. Die durfte ich im Unterricht vorspielen und später auch bei Vortragsabenden aufführen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“ Es folgte die Matura am Schauergymnasium und daraufhin das Studium am Mozarteum Salzburg von Klavier, Oboe und Komposition. Das endete vorerst mit dem Magister, der Doktor wurde Jahrzehnte später nachgeholt. Doch auch in dieser Zeit gab das Komponieren den Ton an. Es entstanden Werke und am 31. März 1992 wusste Schmidinger: „Jetzt bin ich Komponist. An diesem Tag gab es die Uraufführung meines 1. Violinkonzertes mit Solist Christian Altenburger im Konzerthaus in Wien. Das war dieser spezielle Moment!“ Mit Altenburger hat sich eine enge Freundschaft entwickelt, die sich in vielen Stücken für ihn widerspiegelt. „Mittlerweile bin ich bei Opus 149.“ Es folgten Werk um Werk und Uraufführungen von Werken Schmidingers beispielsweise in der Carnegie Hall in New York oder in der Suntory Hall in Tokio. Schmidinger wird nicht nur in der Welt, sondern auch in Wels gespielt, denn seiner Heimatstadt ist er immer treu geblieben, auch wenn ihn Konzertreisen oftmals in die Ferne führten.
Abonnementkonzerte und Jeunesse Wels
So übernahm Schmidinger die Intendanz der Welser Abonnementkonzerte. Wichtig ist es für ihn, dass neben klassischer Musik auch Gegenwarts-Musik aufgeführt wird: „Wir leben im Hier und Jetzt. Deswegen ist es wichtig und richtig, zeitgenössische Musik zu präsentieren. In der Vergangenheit hat man die jetzigen Größen auch nicht immer mit Beifall überhäuft. Über Bruckner hat man zum Beispiel nach Uraufführungen geschrieben: ‚Er komponiert wie ein Betrunkener, Modergeruch steigt aus seinen Klängen.‘ Heute ist er einer der ganz Großen. In den Programmen der Abonnementkonzerte ist es mir wichtig, dass alle ihren Raum bekommen“, so der 53-Jährige. Denn auch das Erstellen von Programmen ist Komponieren. Es kommt auf jedes Detail an und muss stimmig sein.
Wenn das Pedalieren inspiriert
Am Herzen liegt dem begeisterten Großvater und Rennradfahrer vor allem die Nachwuchsförderung. Sei es beim „Preludio al Concerto“, wo junge Musikschüler bei den Abonnementkonzerten vor dem Hauptprogramm auftreten, aber auch bei der Jeunesse: „Wir bringen die ganze Bandbreite der Musik von Klassik bis hin zu World-Music, von Hip-Hop bis Jazz nach Wels. Für viele Kindergartenkinder, aber auch Schüler ist es der erste Konzertbesuch im Stadttheater und der Kontakt mit Musik und Kunst. Das dürfen wir nicht vernachlässigen.“ Jetzt bleibt noch eines übrig. Wie komponiert Schmidinger wirklich? „Ich steige aufs Rennrad und lasse mich vom Rhythmus des Pedalierens inspirieren. Ich übe meine Arbeit gleichsam ambulant aus.“ Und Arbeit und Ideen hat Schmidinger mehr als genug.


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