Leserbrief zur Bildungsdebatte: Sprachen kürzen im Gymnasium/Mangelnde Deutschkenntnisse
WELS. Tamara Topolanek hat sich mit einem Leserbrief an die Tips-Wels-Redaktion gewandt. Unter dem Titel „Sprachen ist Trumpf“ schreibt sie über die Ankündigungen von Bildungsminister Christoph Wiederkehr von den Neos und die schlechten Deutschkenntnisse in den Schulen.
Wenn Bildungsminister Christoph Wiederkehr medienwirksam verkündet „Weniger Latein im Gymnasium bedeutet mehr Humanismus“, dann ist das eine absolut verkürzte Logik, die Folgendes impliziert:
Latein zu kürzen bedeutet gleichzeitig, auch lebende Fremdsprachen zu kürzen. Sprachen sind aber das Herz der AHS, des Gymnasiums! Wer ernsthaft überlegt, Stunden im Sprachunterricht zu kürzen, hat den europäischen, pluralistischen Grundgedanken von Mehrsprachigkeit nicht verstanden und gefährdet gerade dadurch die Demokratiebildung, die Minister Wiederkehr doch so vehement fordert. Das ist absurd.
Zu guter Letzt ein paar Worte zu den katastrophalen Deutschkenntnissen unserer Schüler: Ja, ist so. Tatsache!
Seit einigen Tagen wissen wir aus den Medien, dass im Ranking bezüglich schlechter Deutschkenntnisse oberösterreichische Städte im Zentralraum führen. Was hat den Niedergang der Sprachbeherrschung der Muttersprache so beschleunigt? Die gesellschaftlichen Veränderungen (sicher), der immens hohe Medienkonsum beziehungsweise die viel zu lange Bildschirmzeit unserer Jugendlichen (ganz sicher), die sinkende Zahl der Latein Lernenden (denn durch den Lateinunterricht bekäme man auch eine Ahnung von der deutschen Grammatik) und nicht zuletzt die hirnverbrannten Textsorten der Zentralmatura, deren Aufgabenstellungen sich darauf beschränken, Texte wiederkäuen und ausspucken zu lassen (aber bitte in „eigenen Worten“). Wenn eigenständiges Denken nicht mehr gefragt ist und zugunsten „valider Testformate“ eingestampft wurde, darf man sich nicht wundern, wenn erstens das eigenständige Denken an sich und zweitens die Ausdrucksfähigkeit unserer Schüler gegen null konvergieren.
Minister Wiederkehr, es sollten vielmehr Gedanken darüber gemacht werden, wie die Schüler wieder zum Denken, Lesen, Schreiben und Sprechen gebracht werden, anstatt medienwirksam zu verkünden, was verzichtbar wäre. Latein, die eigene Muttersprache und Fremdsprachen sind es nämlich definitiv nicht.
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