Medizin-Aufnahmetest: Anspannung, um einen der 330 Plätze zu ergattern
WELS. Bevor der Medizin-Aufnahmetest in der Messehalle 20 beginnt lenken sich die einen noch mit Kartenspielen ab, während andere konzentriert nach vorne blicken. Vor der Halle drücken sich viele Eltern die Nasen am Glas platt, um noch einen Blick auf den Schützling zu erhaschen. Es geht um viel bei dem Auswahlverfahren.

1.724 Teilnehmer sind in Wels zu dem standardisierten Aufnahmeverfahren für ein Human- und Zahnmedizinstudium kurz MedAT, angetreten. Es geht um 330 Studienplätze an der JKU Linz. Dementsprechend ist die Anspannung groß. Die 170 freiwilligen Helfer der JKU weisen den Weg zum Sitzplatz und erklären noch einmal die Grundregeln. Eltern müssen sich am Parkplatz verabschieden und so mancher ist ähnlich kreidebleich wie derjenige, der zum Test antritt.
„Der bestens evaluierte Test“
Kritik kommt immer wieder auf, dass der Test vielversprechende Kandidaten möglicherweise ein Studium verwehrt. Das lässt Andreas Janko, Vizerektor für Lehre und Studierende der JKU, nicht gelten: „Das ist der bestens evaluierte Test in Österreich. Er wird permanent wissenschaftlich begleitet. Es geht darum die geeignetsten Kandidaten zu finden, die dann das Studium in einer guten Zeit absolvieren“. Die Erfahrungen haben aus den mittlerweile zwölf Jahren gezeigt, dass genau dies passiert. Waren früher die großen Prüfungen im ersten Abschnitt der Stolperstein für viele, wartet jetzt quasi die größte Herausforderung bereits vor dem Studium. „Außerdem können wir den 330, die den Test geschafft haben, beste Studienmöglichkeiten ohne Wartelisten für Veranstaltungen, Vorlesungen und so weiter, bieten“, erklärt Janko. Die Studienplätze kosten auch Geld und die sollen die Geeignetsten auch bekommen. Mehr als 90 Prozent der Studierenden beenden die Ausbildung. Vor dem Aufnahmetest lag die Drop-out Rate bei rund 50 Prozent.
„Einen Flaschenhals gibt es bei der Basisausbildung nach dem abgeschlossenen Studium“, meint Janko. Hier arbeite man in Abstimmung mit der Politik an Lösungen. Bereits angekündigt wurde eine Verkürzung von neun auf sechs Monate, um die langen Wartezeiten für angehende Mediziner zu verringern.
Der Test
Der gliedert sich in die naturwissenschaftliche Überprüfung (Basiskenntnistest für Medizinische Studien), die 40 Prozent zum Testergebnis beiträgt. Ebenso viel machen kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten aus. Textverständnis und sozial-emotionale Kompetenzen sind mit jeweils zehn Prozent beim Ergebnis dabei. Im August werden die Teilnehmer erfahren, ob sie einen der 330 Plätze ergattert haben. Mindestens 95 Prozent der Studienplätze müssen an EU-Bürger vergeben werden. Mindestens 75 Prozent sind Bewerbern mit österreichischem Reifezeugnis vorbehalten. „Diese Regelung kam in den vergangenen Jahren aber nie zu tragen, weil die Ergebnisse dem ohnehin entsprochen haben“, sagt Janko.


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