„Einiges geschafft, noch viel zu tun“
WELS. Seit November des Vorjahres steht die FPÖ-ÖVP Koalition auf Stadtebene. VP-Stadtparteiobmann Peter Csar stellt sich den Fragen von Tips-Redakteur Gerald Nowak.

Tips: Als Stadtparteiobmann des Juniorpartners in der Koalition. Wie beurteilen Sie die ersten Monate der Zusammenarbeit
Csar: Nach den Gemeinderatswahlen stand fest: Eine Partei alleine kann in Wels nichts verändern. Die ÖVP Wels ist der Motor der Veränderung in Wels – daher sind wir in diese Koalition gegangen. Im Raum stand schließlich auch eine FP-SP-Koalition. Dieses Horror-Szenario wollte ich der Stadt ersparen. Sie können sich vorstellen, was von den aktuell in Vorbereitung befindlichen Reformprojekten angegangen worden wäre. Ich erinnere nur an die Magistrats- und Aufgabenreform und kein bequemes weiter verwalten.
Tips: FP-Bürgermeister Andreas Rabl sprach im Tips-Interview viel über Traunbelebung, Kaiser-Josef-Platz und Wirtschaft. Eigentlich ÖVP-Kernthemen?
Csar: Im Wahlkampf waren das unsere Kernthemen. Es spricht für die ÖVP, dass sich der Bürgermeister unsere Themen auf die Fahnen heftet. Man sieht, dass unsere Forderungen von der gesamten Stadtregierung abgearbeitet werden. Das Traunufer wird als Naherholungsgebiet endlich bald zur Verfügung stehen. Die ersten Umsetzungsschritte laufen. Die KJ-Gestaltung ist fast eine Jahrhundertbaustelle. Die alteingesessenen Bewohner können sich ohne lange zu überlegen rasch an mehr als fünf KJ-Visionen erinnern, die allesamt gefloppt sind. Jetzt wollen wir dieses schwierigere Thema angehen und eine durchdachte Lösung finden, die für lange Zeit Bestand hat.
Tips: In der Innenstadt entstehen neue Geschäftsansiedelungen. Welche Projekte sind für das Zentrum vorrangig beziehungsweise wie soll es mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt generell weitergehen?
Csar: Für die Innenstadt wünsche ich mir einen „New Deal“. Durch den geplanten Ankauf von Teilen des Greif-Areals könnte es erstmals möglich werden. Wir brauchen nicht mehr Wettbüros und keine leerstehenden Büros, sondern mehr Familien in der Innenstadt. Nur so können wir die Frequenz erzeugen, die es braucht, damit die Geschäfte wieder genug Umsatz erwirtschaften. Daher müssen die freiwerdenden Magistrats-Büroflächen allesamt dem verantwortungsvollen Wohnbau zur Verfügung stehen. Wir brauchen geförderten und extrem günstigen Wohnraum, sodass die Innenstadt mit Wohnungen wieder kostenseitig konkurrenzfähig wird. Wenn das Herz unserer Stadt wieder stärker pulsiert, profitiert davon ganz Wels und auch das Umland.
Tips: Welchen Sinn sehen Sie in der Bürgerbefragung am 2. Oktober?
Csar: Naja – es ist ein neuerlicher Versuch, die Bevölkerung bei der Neugestaltung ihres Umfeldes mitreden zu lassen. Dies erfolgte auch bereits bei der Gestaltung der FUZO und auch bei der Auswahl des neuen Wels-Logo, wo die Beteiligung jedes Mal nicht besonders hoch war. Von der Formulierung der Fragen wird auch die Beteiligung der Bevölkerung abhängig sein – und diese ist besonders wichtig, denn nur bei einer hohen Beteiligung wird dieses Ergebnis aussagekräftig sein. Letztendlich liegt aber die Letztentscheidung bei der Stadtpolitik – denn diese wurde ja dafür vom Volk gewählt, eingesetzt und wird dafür bezahlt.
Tips: Das neue Regenbogen-Logo ist da. Die Positionierung läuft weiter. Stockt dieser Prozess?
Csar: Da würde ich mir jetzt – nach einem engagierten Start – deutlich mehr Bewegung wünschen. Wirtschaftsstadtrat Peter Lehner ist es ein zentrales Anliegen, Wels als Wirtschafstraum stärker zu verankern. Wir stehen schließlich im Wettbewerb mit Linz, Steyr aber auch mit Salzburg, Niederösterreich und Bayern. Dazu brauchen wir weitere Betriebsflächen, um an Attraktivität zuzulegen. Und auch bestehende Betriebe müssen Erweiterungsflächen erhalten, damit Traditionsbetriebe aus Wels wie die Firmen Felbermayr, Resch & Frisch, Trodat, Teufelberger, Kellner & Kunz und so weiter hier expandieren können. Wels muss die Unternehmer-Region des Zentralraums werden. Daran arbeiten wir, da haben wir aber auch noch viel zu tun.
Tips: Die Strukturreform im Magistrat läuft. Als Landespersonalvertreter gibt es sicher Anregungen?
Csar: Als Stadtpolitiker bin ich an einer funktionierenden Servicestelle für alle Welser interessiert. Daher ist mein Hauptziel, dass durch die Reform eine Verbesserung des Bürgerservice eintritt – kompetente Ansprechpartner im Magistrat, die einem sofort weiter helfen. Unter diesem Blickwinkel muss daher optimiert werden. Als Personalvertreter des Landes weiß ich, dass man das erreichen kann, denn der Landesdienst hat das schon geschafft. Das war nur möglich, weil im Landesdienst die Mitarbeiter dabei eingebunden und gehört wurden – entschieden hat dann die Politik! Nebenbei wurden die Kosten reduziert, denn nun ist die Landesverwaltung die kostengünstigste in Österreich. Und der Vergleich im Kleinen zeigt, dass die BH Wels Land gemeinsam mit allen Gemeindeämtern in Wels-Land um ein Drittel günstiger arbeiten als der Magistrat – also da ist viel drinnen, wenn man konsequent vorgeht!
Tips: Wie muss sich die Stadt nicht nur als Wirtschaftsstandort entwickeln. Wohnen, Arbeit, Freizeit, Kultur und so weiter?
Csar: Wels ist die Stadt der Fleißigen. Wir haben tolle Unternehmer mit großartigen Mitarbeitern. Diese brauchen die besten Rahmenbedingungen. Das gilt aber auch für das Wohnen – hier brauchen wir ein besseres und leistbares Angebot wie auch für die Freizeit, Stichwort Traunufer. Was Wels sicher nicht sein will, ist die Heimat der Integrations-Unwilligen und der Leistungs-Verweigerer. Wer sich nicht als Welser fühlt, sondern lieber seinem Geburtsland nachtrauert und für Erdogan demonstriert oder nicht gerne am Morgen aufsteht, um in die Arbeit zu gehen, der kann sich gerne einen anderen Wohnort suchen.<


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden