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WELS. Tips-Redakteur Gerald Nowak sprach ausführlich mir Peter Sönser, Gemeinderat von den Grünen, über das angestrebte Mobilitätskonzept, Lärmschutz und noch andere Dinge.

GR Peter Sönser (Grüne): Der Autobahnring ist vor allem für die Bewohner von Wels-Nord eine enorme Belastung und Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Das wird sich in den nächsten Jahren noch deutlich weiter steigern“ Foto: privat

Tips: SP-Verkehrsstadtrat Klaus Hoflehner hat ein Mobilitätskonzept mit Bürgerbeteiligung für Wels angekündigt. Was erwarten Sie von dem Projekt?

Sönser: Ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept muss zunächst einmal den aktuellen Ist-Stand der verschiedenen Mobilitätsformen für die Bevölkerung verständlich darstellen, da hier längst ein Kulturwandel im Gange ist und sämtliche derzeitigen Steuerungsentscheidungen noch immer ausschließlich punktuell oder einseitig erfolgen: Die Verkehrspolitik taumelt diesen Entwicklungen praktisch laufend hinterher und erzielt damit kaum zukunftsweisende Steuerungseffekte. Konkret: Wer bewegt sich in Wels wann, wie und vor allem warum? Dass in der Stadt der Großteil der Menschen gerne mit dem Auto fährt, wird niemanden überraschen. Wenn aber alle mit dem Auto unterwegs sind, dann hat das erhebliche Auswirkungen auf andere Lebensbereiche, wie zum Beispiel Arbeit und Freizeit. Am Ende wundern wir uns, dass wir dann ausschließlich mit enormen Lärmbelastungen konfrontiert sind. Diese Wechselwirkungen müssen Eingang in eine solche Überlegung finden und die Basis künftiger Entscheidungen bilden. Dieses Wissen muss aber auch in akzeptabler Art und Weise bei den Nutzern ankommen. Hier sind Bürgerbeteiligungsmodelle in Planung und Umsetzung und in der Zwischenzeit Stand der Technik!

Tips: Wo hakt es bei der Mobilität in Wels?

Sönser: Positiv gesagt: Da sind die Voraussetzungen in Wels ideal für eine Vielfalt an Mobilitätsformen. Es ist flach und die meisten innerstädtischen Wege sind relativ kurz. Dennoch sind Fahrrad, zu Fuß gehen oder Bus nicht diesem „Startvorteil“ entsprechend attraktive Alternativen für die Bürgerschaft. Hier dürfen wir noch viel stärker an der Motivationslage der Betroffenen ansetzen. Beispielsweise wenn es darum geht mit dem Bus zum Bahnhof zu gelangen. Solange ich den Eindruck habe, dass ich mit dem Auto doppelt so schnell bin, ist das keine Alternative.

Tips: In welche Richtung muss sich das Konzept für Wels bewegen?

Sönser: Verkehrs- und Stadtplanung müssen in einer Hand sein. Hier braucht es in der Stadtregierung in Zukunft sowohl vom Ressort her als auch von den Budgets eine unmittelbare Veränderung. Es nützt das beste Mobilitätskonzept nichts, wenn es sich nicht mit den Überlegungen der Stadtplanung deckt. Denn Verkehr passiert nicht einfach, sondern er wird erzeugt, bestes Beispiel ist die Entwicklung Wels-Nord und dort die Oberfeldstraße mit einem Altstoffsammelzentrum, mehreren großen Supermärkten, Bau- und Gartenmärkten – da darf ich mich nicht wundern, wenn die Anrainer über unhaltbare Zustände klagen. Von daher ist es wichtig, dass bei der Erstellung des Gesamtverkehrskonzepts für die Stadt sowohl die Aus- und Wechselwirkungen als auch die Schutzgüter mit dem Schutzgut Mensch an der Spitze die Basis für weitere Überlegungen bilden. Vorschlag ist ganz konkret, einen Schutzgüterkatalog als Grundlage jeder Planungsentscheidung in der Stadt zu etablieren. Das braucht nur umgesetzt zu werden!

Tips: Ein großes Thema ist Lärmschutz vor allem entlang der Autobahn. Hier haben sich einige Bürgerinitiativen gebildet. Wie geht es hier weiter?

Sönser: Der Autobahnring ist vor allem für die Bewohner von Wels-Nord eine enorme Belastung und Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Das wird sich in den nächsten Jahren noch deutlich weiter steigern. Der Verkehr hat über die Jahre zugenommen. Die verschiedenen Bürgerinitiativen fordern unter anderem einen Lärmschutz, der dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Mit dem vorgeschlagenen Modellprojekt „Lärmschutz Wels“ hätten Asfinag und die Stadt eine große Chance konkrete und zeitgemäße Lärmschutzmaßnahmen umzusetzen. In den letzten Monaten fanden dazu Lärmschutzmessungen statt. Die Ergebnisse müssen die Basis für die Umsetzungen sein. Hier braucht es sichtbare Schritte!

Tips: Die Busdrehscheibe bleibt jetzt auf dem Kaiser-Josef-Platz. Was muss sich im öffentlichen Nahverkehr aber trotzdem ändern?

Sönser: Ich halte das Thema für völlig an den Nutzerinteressen vorbei entwickelt. Das hat der Bürgerrat am KJ deutlich gemacht. Hier geht es um viel wichtigere Entscheidungen und Handlungsnotwendigkeiten. Gerade für den Welser Linienverkehr gilt, dass sich dieser unmittelbar und klar erkennbar am Bedarf der Bevölkerung und dem Großraum orientieren und sich in diese großen Systeme unaufgeregt einzuordnen hat. Hier sind Innovationen und nicht Inseldiskussionen gefragt. Sei es durch morgendliche Schnellverbindungen aus allen Stadtteilen zum Bahnhof oder eine Direktverbindung der Stadtteile. Wer zum Beispiel den Bahnhof und damit die Frequenzen des Schienenverkehrs nicht in den Mittelpunkt der Anbindung der Stadt im Zentralraum stellt, braucht sich über sämtliche negativen Folgewirkungen nicht wundern. Hier gibt es meiner Wahrnehmung nach allerdings von allen Beteiligten ernsthafte Bemühungen, die auch den Aspekt der Vernunft nicht völlig außer Acht lassen.


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