Welser Bürgermeister Andreas Rabl: "Prozesse kann man immer verbessern"
WELS. FP-Bürgermeister Andreas Rabl spricht über die anstehende Landesgartenschau, wie über Baustellenmanagement und die Freizeitmeile an der Traun.

Kommendes Jahr findet die Landesgartenschau statt, ein großer Frequenzbringer. Wie laufen die Vorbereitungen?
Andreas Rabl: Bei der Landesgartenschau läuft alles nach Plan. Wir sind im Zeit- und Kostenrahmen. Viele Hürden, etwa die Suche eines Betreibers für die Gastronomie an der Traun (das Café Südwind) oder Genehmigungsverfahren im Tierpark, sind überwunden. Die ganze Stadt wird sich daher bei der Landesgartenschau im neuen Gewande präsentieren – und das ganz ohne neue Schulden. Darauf können wir stolz sein.
In gut einem Monat beginnt die Welser Weihnachtswelt. Wels ist die europäische Weihnachtshauptstadt. Bringt das einen Turbo für den Tourismus?
Der Titel „Europäische Weihnachtshauptstadt“ hat uns als Christkindlmarkt international ins Rampenlicht gerückt. Wir erwarten uns bis Weihnachten Frequenzen in der Stadt von mehr als einer Million Personen. Das wird nicht nur den Handel, sondern auch die Gastronomie beleben und den Tourismus stärken.
In den vergangenen Monaten gab es in Wels ein beherrschendes Thema: Baustellen! Teilweise war es schwierig, durch die Stadt zu kommen.
Wels war in den letzten Monaten baustellengeplagt. Neben den Baustellen der Stadt haben auch die eww, die ÖBB und die ASFINAG zahlreiche Sanierungsprojekte abgewickelt. In Summe hat das zu einer massiven Verärgerung der Bevölkerung geführt – zu Recht. Ich war auch selbst von Baustellen betroffen und kann deshalb diesen Ärger sehr gut nachvollziehen. Bis Ende Oktober sollten in der Stadt die allermeisten Baustellen abgeschlossen sein. Viele Baustellen der Stadt wurden aufgrund der Landesgartenschau 2027 auf dieses Jahr vorgezogen. Ich erwarte mir deshalb für nächstes Jahr eine baustellenfreie Innenstadt und weniger Umleitungen. Es bleibt strategisches Ziel, das Welser Straßen-, Versorgungs-, Kanal-, Wasser- und Stromnetz auf den modernsten Standard zu bringen, die Fernwärme sowie das Glasfasernetz auszubauen und insbesondere die Siedlungsstraßen zu erneuern.
Hätte es ein besseres Management benötigt?
Prozesse kann man immer verbessern. Ich habe angeordnet, dass eine Grabungsordnung erstellt wird. Dadurch sollen Baustellen einerseits beschleunigt werden, andererseits soll es bei neu asphaltierten Straßen einen ca. zehnjährigen Grabungsstopp geben. Damit werden Baustellen besser mit den Leitungsträgern koordiniert und mehrmalige Grabungsarbeiten hintereinander verhindert.
Wels war vor kurzem in den Schlagzeilen, da in vielen Klassen die Kreuze fehlten.
Das ist richtig. Eine routinemäßige Kontrolle hat ergeben, dass in den Pflichtschulen mehr als die Hälfte der Kreuze fehlten. Kreuze sind ebenso wie das Landes- und Bundeswappen verpflichtend in den Klassen aufzuhängen. Nach meiner Meinung stehen Kreuze für unsere Kultur und Werteordnung und repräsentieren nicht nur eine Religion, sondern sind ein Bekenntnis zu unserer Art des Zusammenlebens.
Wels war auch wegen der fehlenden Deutschkenntnisse der Schüler in den Schlagzeilen ...
Im Bezirksranking liegt Wels an siebter Stelle nach diversen Wiener Bezirken, was die fehlenden Deutschkenntnisse betrifft. Bereits jetzt investiert die Stadt Millionen in die Deutschförderung im Kindergartenbereich. Es haben aber auch die Eltern die Verpflichtung, den Kindern Deutsch zu lernen oder beim Deutscherwerb mitzuwirken. Es bleibt daher das Prinzip „Deutsch ist Pflicht“ aufrecht. Der Schulbereich ist Landes- bzw. Bundessache. Wir brauchen dringend mehr Personal, vor allem aber striktere Regeln bei Verweigerung der Integration oder Verletzung der Schulpflicht.
Die Stadt investiert weiter in viele Projekte. Welche sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten?
In Wels laufen derzeit viele Projekte parallel. Es werden Kindergärten neu gebaut, Schulen errichtet, Grundflächen für Parkanlagen gekauft, die Innenstadt attraktiviert und Sozialeinrichtungen ausgebaut. Ein wesentliches Projekt im nächsten Jahr ist sicher die Parkanlage Wallererstraße mit 40.000 Quadratmetern. Damit soll auch die Neustadt eine große Freizeitanlage für viele Ballsportarten, für Bewegung und Entspannung erhalten. Der Fokus liegt jedenfalls in den Stadtteilen.
In Wels wird derzeit viel investiert. Kann sich Wels das leisten?
In den letzten zehn Jahren haben wir insgesamt 230 Millionen investiert, 65 Millionen Schulden getilgt und trotzdem Ersparnisse von 120 Millionen zur Seite legen können. Insgesamt haben wir in zehn Jahren ca. 400 Millionen an Überschüssen erzielt, 70 Millionen davon, also ca. 18 Prozent, waren der Erlös aus dem Sparkassenverkauf. Wels hat de facto keine Schulden. Wir können uns daher auch zukünftig alle notwendigen Investitionen ohne neue Schulden leisten.
Die Freizeitmeile an der Traun ist nun um die Skatehalle angewachsen. Wels, die Freizeitstadt?
Es war mit der Erweiterung des Volksgartens beabsichtigt, entlang der Traun einen Sport- und Freizeitbereich entstehen zu lassen. Wie bei einer Perlenkette sollte sich ein Freizeitangebot nach dem anderen aneinanderreihen. Beginnend bei der alten Traunbrücke wird daher die WTV-Sportanlage saniert, im Volksgarten stehen Fußball-, Basketball- und Volleyballplätze sowie ein Calisthenics-Park und eine Boulderanlage zur Verfügung. Nach dem neuen Traunzugang beim Volksgarten und der Hundefreilaufzone bietet das Welldorado ein umfassendes Angebot. Danach bilden der Faltbootverein, die neu errichtete Schießhalle, die ebenfalls neue Skaterhalle, der Pumptrack und die Motorikarena sowie die Eislaufhalle den Mittelteil. Den Abschluss machen das Budokan, die Tennisanlagen, die Pyramide und die Au. Das Ziel war, ein breites Freizeitangebot auch für Familien zu schaffen, das überwiegend gratis genutzt werden kann.








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