Wilheringer Bevölkerung bekundet Solidarität mit armenischer Familie
WILHERING. Die armenische Familie Sargsyan lebt mit Großmutter und ihren drei Kindern seit viereinhalb Jahren in Wilhering. Bestens integriert, arbeitswillig und nie straffällig geworden droht ihnen jetzt die Abschiebung. Obwohl sie in ihrem Heimatland mit Bedrohungen und Anschlägen zu rechnen haben.

Familienvater Margar Sargsyan war in Armenien Nationaltrainer im Ringen, dort ein sehr populärer Volkssport. Nach Streitigkeiten um Finanzen – sein Vorgesetzter hatte die Löhne für die Trainer nicht ausbezahlt – kam es zu einer Auseinandersetzung. Im Zuge dessen wurden beide von ihren Funktionen enthoben.
Während Margar jedoch bald wieder seine Trainertätigkeit, wenn auch unterklassiger, wieder aufnehmen durfte, blieb sein ehemaliger Vorgesetzter suspendiert. Der kam damit nicht zurecht und wollte sich an Margar rächen.
Gewalttätige Anschläge
Er war sogar so sauer, dass er auch vor persönlichen Angriffen nicht zurückschreckte. Zunächst wurde eine Granate durch ein Fenster ins Vereinslokal geworfen. Noch heute sieht man an Margars Körper die Spuren dieses Anschlags, er hatte aber Glück. Auch eine Attacke mit einer Pistole überlebte er nur knapp. Die Polizei traute er sich nicht einschalten, da sein Kontrahent gute Kontakte zur Exekutive pflegte und er fürchtete, dort weiteren Repressalien ausgesetzt zu sein.
Erst als er mit seiner Frau und dem damals zwölfjährigen ältesten Sohn im Vorgarten seines Hauses von dunklen Gestalten zusammengeschlagen wurde und die Täter erst nach Intervention der Nachbarn von ihnen abließen, stand der Entschluss zu flüchten fest. Er wusste, wenn er jetzt nicht geht, ist auch seine Familie betroffen und wird vielleicht sogar ermordet. Zunächst ging es in eine andere Region in Armenien, als jedoch auch dort kurze Zeit später nach ihnen gesucht wurde, war die Flucht ins Ausland die einzige Alternative für Margar.
Zu Wilheringern geworden
Die Familie – seit über vier Jahren bereits in Wilhering – ist voll integriert, hat hier viele Freunde, die Kinder gehen in die Schule bzw. der Jüngste, bereits in Österreich geboren, in den Kindergarten. Der älteste Sohn, Henrik, besucht die HTL Leonding und ist ein guter Schüler. Außerdem ist er bei der Askö Leonding äußerst erfolgreich in der Ringermannschaft. Alleine im vergangenen Jahr konnte er zahlreiche Medaillen für seinen Verein erkämpfen. Höhepunkt seiner sportlichen Ausbeute war der Landesmeistertitel im Freistil.
Auch die Eltern leben nicht in der sozialen Hängematte. Sofern es Vater Margar erlaubt ist zu arbeiten, verdient er sein eigenes Geld, die Mutter engagiert sich in der Schule und beim Ferienpass der Gemeinde. Sogar die Großmutter arbeitet mit 71 Jahren seit der Ankunft in Österreich im Sozialmarkt.
Fluchtgründe nicht anerkannt
Wenn man sich das Schicksal der armenischen Familie vor Augen führt, mutet es mehr als eigenartig an, dass in den bisherigen Anhörungen und Verhandlungen die Beweggründe zur Flucht der Familie Sargsyan kein Thema waren, lediglich Armenien als sicheres Herkunftsland eingestuft wurde.
Nach zwei negativen Bescheiden wurde die Familie im September um 5.30 Uhr in der Früh zur Abschiebung abgeholt. Per Anwaltsschreiben an den Verwaltungsgerichtshof wurde das Verfahren wegen Befangenheit des Richters angefochten und die Abschiebung somit aufgeschoben. Nachdem die Befangenheit im Jänner abgewiesen wurde, ist das Verfahren am Verfassungsgerichtshof noch offen.
Dennoch wurde jetzt vom Bundesamt für Asyl der Abschiebetermin für die Familie auf 6. Februar vorverlegt.
Bevölkerung geschockt
Die Wilheringer sind über die zeitnahe Abschiebung schockiert. Obwohl ganz spontan anberaumt, fanden sich zahlreiche Gemeindebürger am Samstagvormittag zu einer Solidaritätsbekundung ein. Neben dem Kindergarten, der Schule, den Sporvereinen und Nachbarn waren auch viele Wegbegleiter der Familie gekommen. Sie wollen sich nicht damit abfinden, dass für die Sargsyans kein Platz in Wilhering sein soll.


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