Mit Sauerkraut und Jägersuppe im Kofferraum durch Ybbs

Mit Sauerkraut und Jägersuppe im Kofferraum durch Ybbs

Margareta Pittl Online Redaktion, 17.05.2019 22:43 Uhr

YBBS. Jägersuppe, gekochter Selchschopf, Salzerdäpfel, Sauerkraut mit Speck und Apfel im Schlafrock stehen am Menüplan, der im VW-Caddy am Armaturenbrett hängt. Am Steuer sitzt die Rot-Kreuz-Ehrenamtliche Maria Harrer. Sie engagiert sich seit sieben Jahren freiwillig für die Aktion Essen auf Rädern im Raum Ybbs. Tips-Redakteurin Margareta Pittl durfte sie bei einer Tour begleiten.

„Da musst du dann aber auch mithelfen“, so Brigitta Zwölfer, als Tips-Redakteurin Margareta Pittl um eine Mitfahrgelegenheit anfragt. Zwölfer ist Koordinatorin der Aktion Essen auf Rädern des Roten Kreuzes in Ybbs. Ihrem Appell kommt Tips gerne nach und sitzt wenige Tage später im Essen auf Rädern-Fahrzeug neben Maria Harrer. Harrer, von ihren Kollegen wird sie liebevoll Mimi genannt, chauffiert nun schon das siebte Jahr warme Mahlzeiten zu Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, selbst zu kochen. „Ich bin nach meiner Pension über Bekannte darauf aufmerksam geworden. Diese Arbeit hält lebendig, man kommt hinaus und man ist in eine gute Gemeinschaft eingebunden“, erklärt die Freiwillige am Weg von der Rot-Kreuz-Stelle ins Therapiezentrum Ybbs. Denn in der dortigen Großküche werden die Mahlzeiten zubereitet und sicher in Boxen verwahrt, die die Speisen warm halten. 44 solcher Boxen sind es an diesem Tag, die Harrer einladen muss. Im Schnitt bringen die Ybbser Freiwilligen täglich 100 Essensportionen zu den Menschen. Zur Verfügung stehen ihnen dafür zwei Autos, mit denen jeweils zwei Freiwillige unterwegs sind – einer lenkt, einer trägt die Mahlzeiten aus.

Nachfrage steigt

Die Nachfrage an dem Dienst Essen auf Rädern ist in den vergangen Jahren enorm gestiegen. Organisiert wird er in Ybbs von Stadtgemeinde und Rotem Kreuz. „Als wir 1992 angefangen haben, hatten wir am Tag zwischen 15 und 20 Essensportionen, heute sind es um die 100“, weiß Zwölfer. Zuletzt ist ihr zwölf-köpfiges Freiwilligen-Team an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Ein Aufruf wurde gestartet, um neue Freiwillige zu werben. Auch niederösterreichweit wird das Angebot von immer mehr Menschen in Anspruch genommen. Seit 2009 hat sich die Anzahl der ausgelieferten Mahlzeiten in Niederösterreich fast verdoppelt. „Die steigende Nachfrage ist aus unserer Sicht darin begründet, dass wir generell in der Senioren-Betreuung mehr Bedarf haben. Die Menschen werden älter und gleichzeitig wollen sie auch so lange wie möglich zuhause wohnen“, so das Rote Kreuz Niederösterreich auf Tips-Anfrage.

Suche nach Freiwilligen

Essen auf Rädern kann in Ybbs grundsätzlich von jedem Pensionisten – bei Krankheit oder nach Operationen auch von Nicht-Pensionisten – beantragt werden. Die Kosten variieren je nach Einkommenshöhe. Wie sich die Klientenzahlen künftig weiterentwickeln? „Die Nachfrage nach Seniorenbetreuung wird definitiv weiter steigen, wie sich der Bedarf konkret bei Essen auf Rädern entwickeln wird, dazu haben wir keine konkreten Zahlen“, erklärt das Rote Kreuz Niederösterreich. Auf die Frage, ob man diese steigende Nachfrage „nur“ mit Ehrenamtlichen wie in Ybbs stemmen wird können, meint die Landesorganisation: „Das Rote Kreuz basiert darauf, dass Freiwillige, Hauptberufliche, Zivildienstleistende und Teilnehmer des Freiwilligen Sozialjahres Hand in Hand arbeiten.“ Auf der Suche nach freiwilligen Mitarbeitern sei man immer. Derzeit wird mit der Kampagne „Wir haben die passende Jacke für Dich“, um Nachwuchs geworben.

Zurück im Therapiezentrum

Die Boxen, die Harrer in ihr Auto verlädt sind gefüllt mit drei verschiedenen Menüs: Hausmannskost, Schonkost und Vegetarische Kost. In den Kofferraum kommt an diesem Tag also nicht nur Selchschopf und Sauerkraut, sondern auch Schafskäse-Pie und Gemüsebouillon. Damit das bestellte Menü später ins richtige Haus kommt, sind die Boxen mit drei verschiedenen Farben markiert. Dann kann es losgehen. Am Routenplan stehen St. Martin-Karlsbach, Neumarkt und Teile Ybbs'. Zielsicher steuert Harrer die Häuser ihrer Klienten an. Stehen bleiben, aussteigen, volle Essensbox aus dem Kofferraum schnappen, sie den Klienten übergeben, leere Essensbox vom Vortag mitnehmen, Box in den Kofferraum laden und weiter. Natürlich geht sich dabei auch der ein oder andere nette Plausch aus. „Ein paar gute Worte, sollten immer drin sein“, so die pensionierte Köchin. Harrer ist vier bis fünfmal in der Woche für Essen auf Rädern unterwegs. Rund 50 Kilometer legt sie bei einer Tour zurück. „Ich war Zeit meines Lebens in Bewegung. Mir taugt das. Und die zweieinhalb Stunden, die das dauert, die kann ich leicht hergeben“, zeigt sich Harrer am Weg zurück ins Therapiezentrum – im Kofferraum sind die Boxen inzwischen leer geworden – glücklich.

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